Der Erdfallsee

100 Jahre: Was ist das schon?

Der Erdfallsee einmal anders betrachtet

 

Ibbenbüren. Hundert Jahre alt! Was hat ein Mensch da alles erlebt? Was hat sich in so einem Zeitraum verändert? Wie Russland und Österreich war Deutschland vor hundert Jahren eine Monarchie. Dann kamen die Weimarer Republik, die Nazidiktatur und die Bundesrepublik.

Die Titanic war 1912 an dem Versuch, den Atlantik in einer Rekordzeit zu überqueren, gescheitert. Normalerweise brauchte damals ein Schiff 30 – 40 Tage für die Überquerung. Die Titanic wollte es in sechs Tagen schaffen. Heute, hundert Jahre später, fliegt man mal eben in ein paar Stunden zum Einkaufen nach New York. Und in sechs Stunden schaffen es die Russen von Kasachstan zur Weltraumstation. Rein rechnerisch bedeutet das, Weltraum und zurück an einem Tag. Eine rasante Entwicklung für einen Zeitraum von hundert Jahren.

Hundert Jahre Erdfallsee:

Datum und Umstände seiner Entstehung sind bekannt. Am 14. April 1913 gegen 18-19 Uhr senkte sich die Erde an dieser Stelle. Es geschah lautlos und ohne jegliche Vorwarnung, so heißt es in zeitgenössischen Berichten. Kurz zuvor war noch ein Anwohner über dieses Feld gegangen, ohne etwas zu bemerken. Am nächsten Morgen entdeckte man den Einbruch, der bald nicht nur Wissenschaftler, sondern auch viele Schaulustige aus der näheren und weiteren Umgebung anlockte. Die Kleinbahn „Piesberg – Rheine“ musste Sonderzüge einsetzen. Der Eigentümer des Geländes sperrte den Zugang kurzerhand ab und erhob ein Eintrittsgeld, was ihm behördlich allerdings untersagt wurde.

Es war nicht als Gewerbe angemeldet. Der Einbruch, etwa 20 Meter tief und 120-160 Meter im Durchmesser, war zunächst trocken. Auf dem Grund lagen die in die Tiefe mitgerissenen Bäume, Sträucher und Erdplacken. Die Einsenkung füllte sich in den darauffolgenden Tagen mit Grundwasser, später kam Oberflächenwasser dazu. Die zunächst steilen Ufer verflachten dadurch, dass Erdmassen abrutschten. Heute ist der Erdfallsee 320 Meter lang, 120-140 Meter breit und etwa 12 Meter tief, er hat eine Fläche von sieben Hektar. Vergleicht man Fotos von 1913 und heute, so sieht man, dass sich die Landschaft um den Erdfallsee sehr verändert hat. Die damalige kahle Heidefläche mit Eriken und einigen wenigen kleinen Bäumen ist so gut wie verschwunden. Bäume, vorwiegend Birken und Erlen, reichen jetzt teilweise bis an den See heran. In den 60iger Jahren waren an der Biologischen Station Studenten mit dem Auszählen der damals vorkommenden Pflanzen beschäftigt. Rainer Seidl, engagierter Kenner des Geländes, erinnert sich noch gut an diese mühsame Arbeit. Heute ist kein Heidekraut mehr da, das ausgezählt werden könnte. Gründe dafür mögen auch Klima- und Umweltveränderungen sein. Ganz genaue Gründe

können die Wissenschaftler nicht – noch nicht – angeben. Auch die Ufervegetation und die Welt der Wasserpflanzen sind kaum ausgebildet. Das Wasser des Erdfallsees ist sehr nährstoffarm. Das liegt zum Teil daran, dass der See überwiegend von Grundwasser gespeist wird. Nährstoffreiche, natürliche Zuflüsse fehlen ganz. Das große „Heilige Meer“ dagegen, wurde über lange Zeiten von der Moorbecke, einem natürlichen, nährstoffreichen Bach durchflossen. Im Laufe der hundert Jahre hat sich im Erdfallsee eine Schlammschicht von gerade einmal 1-2 Zentimetern gebildet – auch das ein Grund für die fehlende Entwicklung von Wasserpflanzen.

Das „Heilige Meer“ hat eine Schlammschicht von sechs Metern. Die Üppigkeit und die Vielfalt von Wasserpflanzen dort beeindrucken Besucher immer wieder. Genau das fehlt dem Erdfallsee: im Wasser, in der Uferzone und in der näheren Umgebung, bei Pflanzen und bei Tieren. Er zeigt ein anderes Bild. Schließlich ist er ja auch noch jünger – gerade mal hundert Jahre. Das „Heilige Meer“ hatte für seine Entwicklung gut tausend Jahre Zeit. Der Erdfallsee hat aber seine ganz eigene Schönheit. Zum Beispiel, wenn sich an sonnigen Tagen die hellen Birken im Wasser spiegeln. Man wird an finnische Seen und Seenlandschaften erinnert. Läßt man dem Erdfallsee also Zeit. Was sind schon hundert Jahre für die Natur. Die Erde hat vom Beginn ihrer Entstehung bis zur Entwicklung des heutigen Aussehens 4,6 Milliarden Jahre gebraucht. 4 600 000 000 Jahre gegen 100, was ist das? Apropos Zeit: Zeit für einen Spaziergang am Erdfallsee? Jetzt, wo die ersten Besucherströme anlässlich des Jubiläums bereits abgeebbt sind?

Maria Beier

 

 

Sicher wohnen

Sicher wohnen – Einbruchschutz

Nach wenigen Minuten gibt der Einbrecher auf!

Ibbenbüren. Ein Einbruch in den eigenen vier Wänden bedeutet für viele Menschen, ob jung oder alt, einen großen Schock. Dabei machen den Betroffenen die Verletzung der Privatsphäre, das verlorengegangene Sicherheitsgefühl oder auch schwer wiegende psychische Folgen häufig mehr zu schaffen als der rein materielle Schaden.

Dass man sich davor schützen kann, zeigt die Erfahrung der Polizei. Über ein Drittel der Einbrüche bleibt im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen sicherungstechnischer Einrichtungen. Aber auch durch richtiges Verhalten und durch aufmerksame Nachbarn werden Einbrüche verhindert.

Die nachfolgenden Informationen sollen Ratschläge geben, wie man sich und sein Eigentum wirkungsvoll schützen kann. „Generation Bunt“ wird in lockerer Reihenfolge diese Tipps zu den verschiedensten Themen der Prävention veröffentlichen.

Eine beachtenswerte Studie von 2003, initiiert durch das Deutsche Forum für Kriminalprävention (DFK), Bonn hat ergeben, dass die Beachtung der Präventionsa­spekte Sicherheitstechnik, Verhalten und soziales Umfeld wesentlich dazu beitragen kann, das Risiko zu minimieren, Opfer eines Einbruchs zu werden.

In eher abgelegener Umgebung oder in Randlage liegende Häuser sind attraktiv für Täter. Viele Täter wollen das Risiko vermeiden, von Zeugen gesehen zu werden. Für Einbrecher spielt aber die Tatsache eine Rolle, dass das Einbruchsobjekt zur Tatzeit nicht bewohnt ist oder die Bewohner nicht zu Hause sind.

Einbrecher hoffen immer auf lohnende Beute und nutzen günstige Gelegenheiten wie schlecht gesicherte oder offen stehende Türen, Fenster oder ähnliches aus. Aber auch die Anonymität in Wohnanlagen kommt ihnen hier vielfach zugute. Nach polizeilicher Erfahrung sind die wenigsten Einbrecher gut ausgerüstete Profis; es handelt sich vielmehr meist um Gelegenheitstäter, die sich durch einfache, aber wirkungsvolle technische Sicherungen von ihren Absichten abhalten lassen.

Darum wirkt sichtbare Sicherungstechnik auf den Täter eher abschreckend. Denn diese bedeutet für den Täter eine längere Arbeitszeit. Je mehr Zeit benötigt wird, umso größer wird das Risiko dass er entdeckt wird.

Das Wissen um diese Tasache ist überaus nützlich, denn auch nachgerüstete Sicherungstechnik kann einen Täter so lange am Eindringen in das Objekt hindern, bis er aufgibt. Ist ein Objekt nur mit großem Zeitaufwand zu betreten, lassen Täter ab und suchen ein anderes, Erfolg versprechendes Objekt.

 

Christine Kollmannsperger

Hoffschulten Welleken, Thema Steinbruch

hoffschulten welleken, thema steinbruch

Bis 1930 lagerte auf dem „Welleken“ Schwarzpulver für die Steinbrüche von Ibbenbüren

Ibbenbüren. Das zum Sprengen in den zahlreichen Ibbenbürener Steinbrüchen verwendete Schwarzpulver wurde von den Kaufleuten Rohmann und Hoffschulte in Ibbenbüren angeliefert.

Beide Lieferanten bewahrten das Pulver in eigens dafür vorgesehenen, abgelegenen Häuschen auf. Mit dem Transport und der Aufbewahrung von Sprengstoffen verfuhr man damals schon äußerst vorsichtig. Der von Pferden gezogene Pulverwagen, der von Köln kam und acht Tage unterwegs war, zeigte rechts eine schwarze und links eine rote Fahne. Durch geschlossene Ortschaften fuhr das Fuhrwerk nur unter polizeilicher Begleitung.

Bei der Anlieferung des Pulvers hielt der Wagen in einer gewissen Entfernung vor der Stadt und zwar zum einen bei Kösters Glashütte für Rohmanns Schwarzpulver und auf der Ledder Straße vor den Toren der Stadt, wenn Hoffschulte Pulver bekam. Hier wurde das Pulver von den Empfängern entgegengenommen und in das betreffende Pulverhäuschen gebracht. Der Pferdewagen wurde vom Polizeidiener von Ibbenbüren und dem Kaufmann Hoffschulte bis zum Welleken zu Fuß begleitet

Das Sprengstofflager von Hoffschulte befand sich einem Gartenhäuschen auf einer Insel an der Einmündung Uphof-Rählege. Diese Insel lag in einem Teich. Diese Anlage, die schon sehr alt ist und von einem Dr. Lucassen angelegt sein soll, lag in der Niederung neben dem hügeligen Goldacker.

Der Sohn von Dr. Lucassen war 1831 der Justizkommissar Anton Lucassen, ihm gehörte das Haus Oberer Markt 5, später erwarb es der Kaufmann Hoffschulte.

Die Anlage von Hoffschulte war ein idyllisches Plätzchen, das im Volksmund allgemein

als „Hoffschulten Welleken“ bekannt war. Die Gräfte von 3 – 4 Meter Breiteund bis zu 2 Meter Tiefe rund um die Insel wurde von Grundwasser und einer dort entspringenden Quelle gespeist. Früher sagte man

„Welle“ zu einer Quelle, daher kommt der Name „Welleken“. Die Insel selbst war ein etwa 300 bis 400 Quadratmeter großes, mit Obstbäumen bestandenes Gärtchen. Sie war von Erlengebüsch, einigen Lärchen und knorrigen Eichenbäumen umgeben.

Das Gartenhäuschen befand sich gleich hinter der Gräftenbrücke mit dem Eingangstor. Als dieser Aufbewahrungsplatz den Sicherheits-Vorschriften nicht mehr genügte, wurde auf der östlichen Seite der Insel ein massives, aus weißen Ziegelsteinen gemauertes Häuschen erbaut, das diesem Zweck noch eine Reihe von Jahren, so auch noch zu Sprengstofflieferungen für den Kanalbau, gedient hat. Im Jahre 1930 wurde das Grundstück an den Bergmann August Johannes verkauft,

der die Anlage beseitigte und sich dort sein Wohnhaus an der Rählege 17 errichtete.

Joseph Hoffschulte vom Oberen Markt wurde 1978 für das Buch „Alt-Ibbenbüren“ vom Lehrer Holwitt zu den Gefahren der Lagerung des Schwarzpulvers auf der Insel befragt. Im Sommer, so meinte er, würde wohl kaum etwas mit dem Sprengstoff passieren. Aber im Winter, wenn die Kinder auf dem Eis schlinderten oder Schlittschuh liefen, dann sei die Sache bedeutend schlimmer: „De Blagen kriegt et ferrig un jagt miä dat ganze Wiärks in de Lucht — un sick sölwest met!" - Es ist aber nie etwas passiert.

Das Rohmann`sche Pulverhäuschen stand im Garten neben dem Krankenhaus, der vom Bäckermeister Eduard Meyer um 1925 erworben wurde. Es war ein einfaches, aus dicken Ziegelsteinmauern ausgeführte Häuschen, das neben einem gemauerten Gewölbe und einer eisernen Tür auch einen Blitzableiter hatte.

Es ist seit einigen Jahren im Besitz des Kaufmanns Rüschenschmidt und dient

noch heute (1932) als Sprengstofflagerraum für den privaten Verkauf.

Werner Suer

 

Die Drei von der Bachstraße

Die Drei von der Bachstraße
„Wollen wir zu Henning Scherfs Lesung in die Stadtbücherei gehen?“ fragt Erna, als sie an diesem Morgen zur Bachstraße kommt „es ist bestimmt interessant, wenn er von seinen Erfahrungen aus der Senioren- WG berichtet oder vorliest.“
„Wenn du meinst“, sagt Bertha, „aber für mich wäre das nichts.“
„Typisch Bertha, gleich ein Vorurteil zur Hand ohne die Fakten zu kennen. Warum willst du denn überhaupt dorthin gehen?“ Otti schüttelt ein wenig vorwurfsvoll den Kopf.
„Das ist kein Vorurteil sondern eine Tatsache“, sagt Bertha bestimmt, „mit Menschen wie dir, die alles besser wissen, könnte ich eben nicht zusammen leben, das ist einfach so.“
„Das haut dem Fass den Boden aus“, lacht Otti, „sich jeden Tag mit mir treffen wollen, aber zusammen wohnen nicht? Glaubst du, ich wollte mit d i r in einer Wohngemeinschaft leben?“
„Warum denn nicht“, sagt jetzt Erna lauter als gewohnt, „wir kommen doch sowieso nicht ohneeinander aus.“ Verdutzt schaut Otti die Freundin an. „Du meinst, wir sollten zusammen ziehen?“ fragt sie erstaunt. „Ja, zumindest sollten wir es in Betracht ziehen, wir haben alle drei noch unsere Häuser, fühlen uns absolut einsam darin, die Arbeit ist uns zu viel und wir treffen uns sowieso jeden Tag. Was liegt also näher, als es vielleicht einmal auszuprobieren?“ „Stimmt“, sagt Bertha, „dafür würde sich Ernas Haus am besten eignen, da wäre in jeder Etage eine Wohnung, eine Veranda als Gemeinschaftsraum und wenn wir zwei unsere Häuser verkaufen ….“ …könnten wir einen Treppenlift einbauen lassen, und uns eine Reinmachefrau und einen Gärtner erlauben“, ergänzt Erna.
„Das klingt, als trüget ihr schon länger diese Gedanken mit euch herum“, sagt Otti erstaunt, „aber wieso habe ich davon nichts mitbekommen?“ „Weil du immer abblockst, wenn mal die Rede vom Wohnen im Alter ist“, grinst Bertha.
„Ihr erstaunt mich immer wieder, das heißt also, du würdest doch mit mir zusammen ziehen, Bertha?“ will Otti wissen, und reibt sich verstohlen über die Augen. „Was wären wir denn ohne dich“, sagt Bertha gutmütig, „nun heul‘ nicht, es muss ja nicht gleich Morgen sein, aber mit Überlegungen anfangen, sollten wir allmählich.“
„Stimmt“, nickt Erna, „und darum hören wir uns als Vorbereitung an, was Herr Scherf dazu zu sagen hat.“
„Ok, ok“, sagt Otti, „aber ich liebäugele bereits mit einer neuen Wohnung, die altersgerecht und dennoch schick ist, sie ist hier in der Nähe und wir könnten sie uns gleich mal ansehen. In dem Haus gibt es übrigens noch mehr Wohnungen, die vermietet werden sollen.“
„Das wäre eine Alternative, die wir uns sofort ansehen sollten“, sagt Erna erfreut. „Genau“, nickt Bertha, „und der ganze Dreck, den ein Umbau mit sich brächte, bliebe uns erspart.“
„Sag ich doch“, lacht Otti, hakt sich bei den Freundinnen ein und gemeinsam marschieren sie los, um ihre „Alternative“ zu besichtigen.
Jutta Lorenz