Grundsätzlich ... eigentlich …aber

Mein Lieblingsonkel war Onkel Hans. Er war Bauer, besaß bis 1945 einen recht großen Hof in Schlesien. Als Bauer hatte er eine glückliche Hand, war offen für Neues, ob es sich um Maschinen oder die Art des Anbaus handelte. Sein Hof war schuldenfrei, er machte Gewinn. Onkel Hans hatte einen Wunsch, einen großen, einen, den er sich durchaus erfüllen konnte.

Ein Auto!

Eigentlich stand dem Kauf eines Autos nichts entgegen. Wenn da nicht sein Vater, mein Großvater, gewesen wäre. Er, verwitwet, lebte in seinem kleinen Haus, versorgte sich morgens und abends selbst, machte sich tagsüber auf dem Hof des Sohnes nützlich. Er war ein Mann, der sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hatte. Ein Mann, der wußte, dass man eine Mark nur einmal ausgeben konnte. Und wenn man sie ausgab, dann für Wichtiges, Nützliches, nicht für Unnützes, nicht für Luxus.Und ein Auto war Luxus.

Er hatte sich nicht einmal ein Fahrrad gegönnt.

Der Wunsch, ein Auto zu besitzen war bei Onkel Hans groß. Zunächst machte er den Führerschein. Das konnte man geheimhalten. Er fuhr eben öfter mal in die Kreisstadt. Und dann bestellte er einfach das Auto. Längere Lieferzeit! War ihm ganz recht. Wahrscheinlich hoffte er, dass sich eine Gelegenheit ergeben würde, mit dem Vater über „diesen Kauf“ zu reden. Aber es war wie verhext, es kam einfach nicht dazu. Dann war es so weit: das Auto konnte abgeholt werden.

Es war an einem Samstag im Sommer vor der Erntezeit. Da fiel auf dem Hof nicht so viel Arbeit an. Knechte und Mägde wußten, was gemacht werden musste, aufräumen, Grünfutter für die Tiere vom Feld holen. Onkel Hans war abkömmlich, er fuhr in die Stadt. Die Knechte holten das Grünfutter und wollten das Hoftor zumachen. Meine Tante stoppte sie. Dem Großvater fiel irgendwann das offene Tor auf. Die Knechte konnten nur sagen: „Frau S. hat gesagt...“. Einen Grund konnten sie nicht nennen. Und Großvater mochte nicht fragen.

Aber die Sache beschäftigte ihn. Normalerweise ging er am Samstag nach dem Mittagessen zurück in sein Haus, an dem Tag blieb er, denn da war noch die eine oder andere kleine Arbeit. Auf die Anmerkung meiner Tante, es doch gut sein zu lassen, kam ein: „Ja, ja, gleich, nur das noch.“

Und dann passierte, was passieren musste. Ein Auto fuhr auf den Hof. Vielleicht hat Großvater in dem Augenblick noch gedacht, jemand würde seinen Sohn zurückbringen. Aber es stieg nur einer aus: sein Sohn. Jetzt war ihm wohl alles klar. Es kam zu einem kurzen, sehr kurzen Gespräch, nein, eher zu einer Befragung: „Ist das dein Auto?“

„Ja.“
„Hast du es auch bezahlt?“
„Ja.“

„Na, dann mach nur so weiter. Dann wirst du bald pleite sein.“ Damit drehte er sich auf dem Absatz um und verließ den Hof. In den folgenden Tagen und Wochen machte er einen großen Bogen um das Auto. Es war Luft für ihn. Vielleicht nicht ganz, Onkel Hans musste sich Bemerkungen anhören wie: Luxus, Geld zum Fenster rauswerfen, unnützer Kram, werden schon sehen.... Angebote, doch einmal mitzufahren, lehnte er kategorisch ab.

Im Herbst darauf hatte sich Besuch angesagt. Er musste von der Bahn abgeholt werden, 7 Kilometer entfernt. Normalerweise nahm man dafür die Kutsche, und normalerweise übernahm Großvater diese Aufgabe. Jetzt aber hatte man das Auto, hinzu kam, dass es an dem Tag in Strömen regnete.

Wie schon so oft sagte Onkel Hans: „Vater, willst du nicht mitfahren?“ Zu seiner großen Überraschung kam diesmal kein „Nein“, sondern ein „Ja!“.

Im Auto saß Großvater gut, saß vor allem trocken, auf dem Kutschbock wäre er sehr schnell klitschnaß gewesen. Das beeindruckte ihn, änderte vielleicht etwas an seiner Einstellung. Als der Regen so auf das Autodach prasselte, sagte er: „Bei so einem Wetter ist ein Auto doch gut.“

Das Eis war gebrochen, von da an ließ Großvater keine Gelegenheit mitzufahren aus,

obwohl es doch alles „unnütze“ Fahrten waren, „Luxus“, der eigentlich und grundsätzlich abzulehnen war, aber ….

Maria Beier

 

Bildquelle: oldtimer.net/images/bildergalerie/pkw-nach-1945/gutbrod-pkw-nach-1945-superior-01a-0017.jpg

Katholikentag in Leipzig

„Seht, da ist der Mensch.....!“  Unter diesem Motto fand der 100. Katholikentag in Leipzig statt.  Auch Norbert Tenberg war mit dabei und berichtet für das Online- Magazin „g-bunt. „Ich bin mit viel Neugier hingefahren und mit ganz vielen Eindrücken wieder zurückgekehrt.“ Wolfgang Wiggers, neuer Leiter der Familienbildungsstätte Ibbenbüren organisierte die Fahrt. So ging es mit dem Bus, in dem sich Teilnehmer aus Ibbenbüren, Emsdetten, Ochtrup und Saerbeck befanden in Richtung Leipzig. Nachdem am Nachmittag die Quartiere bezogen wurden, begann ab 18 Uhr die Eröffnung des 100. Katholikentages. Die Begrüßung wurde von Bundespräsident Joachim Gauck, Thomas Sternberg, Stanilav Tillichs (Ministerpräsident Sachsen) sowie Burkhard Jung (Oberbürgermeister Leipzig) durchgeführt. Zudem lief eine Videobotschaft von Papst Franziskus I. Anschließend fand auf mehreren Plätzen der Abend der Begegnung statt.

Der Fronleichnamstag begann mit einem zentralen Gottesdient auf dem Augustusplatz. Dieser wurde von Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, Diözesanadministrator Andreas Kutsche (Dresden), Rektor Stefan B. Eirich (Zdk Bonn) und Probst Gregor Giele (Leipzig) zelebriert. In der Predigt wurden die Sehnsüchte (Hunger) des Menschen nach Brot, Wohlstand aber auch Liebe, Geborgenheit erwähnt und das vor allem das Vertrauen zu Gott notwendig sei, um diese Sehnsüchte erfüllen zu können.

Danach bestand die Möglichkeit, an verschiedenen Stellen in der Stadt an geistigen, religiösen und kulturellen Veranstaltungen bis zum Abend des vorletzten Tages teilzunehmen. Für alle Teilnehmer gab es ein Programmbuch. In diesem wurden die Angebote zum  einen thematisch und zum anderen chronologisch geordnet aufgelistet.

Diese Themenbereiche waren:
- zentrale Veranstaltungen wie Gottesdienste und Konzerte auf den öffentlichen Plätzen,
- Zukunft gestalten in Politik und Gesellschaft,
- Glauben leben und verantworten,
- Biblisch-geistiger Themenbereich,
- christlich-jüdischer Dialog
- christl. - islamischer Dialog,
-Dialog mit Wissenschaft und Recht,
-Familie und Generationen, Frauen und Männer,
-globale Verantwortung,
-Jugend,
-Kirche vor Ort - Kirche bei den Menschen,
-Leben mit und ohne Gott
- Ökumene

Zudem bestand eine Kirchenmeile, die sich durch die Innenstadt erstreckte. Auf dieser präsentierten sich verschiedene  kirchliche und soziale Gruppierungen, die Diözesen und einige Klöster.

Am Rande gab es auch die Gelegenheit, einige Sehenswürdigkeiten von Leipzig zu erkunden. Man konnte in der Nähe des Augustusplatzes in einem Hochhaus den Fahrstuhl hochfahren und somit einen Überblick über Leipzig bekommen. Interessant waren auch das zeitlich- geschichtliche Museum (DDR - Grüdung bis zur Wiedervereinigung) und der Zoo.

Am letzten Tag fand der Abschlussgottesdienst auf dem Augustusplatz statt. Dieser wurde von Erzbischof Reinhard Kardinal Marz, Vorsitzender der Deutschen und der Freisinger Bischofskonferenz zelebriert. Zur Seite standen ihm Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), Bischof Dr. Gebhard Fürst, Geistlicher Assistent der Zdk (Rottenburg am Neckar), Bischof Felix Genn (Gastgeber des 101. Katholikentag in Münster 2018), Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Andreas Kurschke (Diözesanadministrator des Bistums Dresden – Meißen), Bischof Dr. Ulrich Neymeyer (Erfurt), Weihbischof Heinrich Timmerevers (ernannter Bischof des Bistum Dresden - Meißen(Münster). In diesem Gottesdienst wurde nochmals Rückschau auf die vergangenen Tage gehalten. 

Zum Schluss wurde eine Einladung zum nächsten evangelischen Kirchentag (der 2017 in Berlin und Wittenberg stattfindet) und eine Einladung zum nächsten Katholikentag 2018 in Münster ausgesprochen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass Kirche nicht nur aus Pastören oder  Klöstern bestehe, sondern der einzelne Mensch Bestandteil der Kirche sei. Auch hier wieder ein Hinweis zum Motto des Katholikentages: „Seht, da ist der Mensch....“

Nach dem Gottesdienst machten sich alle Teilnehmer um viele Eindrücken reicher  und begeisterten Rückblicken auf die vergangenen Tagen auf die Heimreise. So wird sich der ein oder andere schon auf den Katholikentag 2018 in Münster freuen.

Norbert Tenberg

Briefkasten oder?

Sie wohnen am Stadtrand, die Berlekamps. Dort, wo die Natur zum Greifen nahe ist, wo man jetzt an jedem neuen Tag das schnelle, ja rasante Wachsen, Grünen, Blühen miterleben, die große Farbenpracht bestaunen kann.

Und dann das Konzert der Vögel, morgens gegen fünf Uhr beginnt es, einer fängt an, und bald ist ein ganzer Chor an Stimmen zu hören.. Berlekamps lieben ihr Zuhause inmitten der Natur, und den Vögeln ergeht es nicht anders.

Das könnte folgendes Erlebnis bezeugen. In der Nähe der Haustür befindet sich der Briefkasten, ein Blechkasten. Unten ein halb offener Bereich für die Zeitung.

Oben eine rechteckige, recht kleine Öffnung. Hier war einmal das Namensschild, das vor längerem verloren gegangen ist, nicht ersetzt wurde. In diesen Frühlingstagen erkor sich eine Meise ausgerechnet den Briefkasten als Nistplatz. Man kann es fast nicht glauben, aber die Meise passte ohne weiteres durch die kleine Öffnung und machte sich im Briefkasten ihr Nest zurecht.

Als Ilse Berlekamp eines Tages nach der Post schaute, fand sie anstatt der Briefe Grashalme, Moos aus ihren Blumenkübeln, weiche Federn, ja sogar Schafswolle. Sie holte die „ungewöhnliche“ Post heraus und legte sie zunächst einfach an die Seite, um sie später zu entsorgen.

Aber die Meise gab nicht auf. Am folgenden Tag musste Ilse feststellen, dass der Briefkasten wieder mit Nistmaterial angefüllt war, und zwar genau mit dem, das sie eben mal zur Seite gelegt hatte. Das Spiel wiederholte sich. Ilse räumte aus, die Meise räumte ein. Inzwischen hat eine der Beteiligten aufgegeben, Ilse. Schmunzelnd beobachtet sie das weitere Geschehen:

Acht Eier liegen auf dem gut gepolsterten Nest, die Meise kommt, fliegt weg, sitzt auf dem Gelege, brütet. Am Briefkasten informiert ein Schild:  Nichts einwerfen, Kasten besetzt von Familie Meise.

Im Augenblick fragt sich Ilse, wie die jungen Meisen wohl durch den kleinen Schlitz nach draußen kommen werden. Das müssen sie ja eines Tages. Sie ist entschlossen zu helfen, sie wird den Briefkasten dann, wenn es so weit ist, einfach offen lassen.

Die Meise ist nicht der einzige Vogel, der in Berlekamps Garten sesshaft geworden ist. In einem der Blumenkübel hat sich ein Rotkehlchen niedergelassen. Vier Junge sind geschlüpft. Sie sind ständig hungrig und halten die Eltern ganz schön in Trab. In unmittelbarer Nähe hat kein Wurm mehr eine Überlebenschance, hat Ilse beobachtet.

 

Maria Beier

Fastentücher

Geschichte und Geschichten

Seit Aschermittwoch 2016 hängt in der Mettinger Kirche St. Agatha ein Fastentuch; ein Fastentuch, das sich an die mittelalterlichen Fastentücher anlehnt. Also keines von den Bildern, wie Misereor sie alle zwei Jahre herausgibt. Fastentücher, auch Hungertücher, Palmtücher oder auf Westfälisch liebevoll „Schmachtlappen“ genannt, waren im Mittelalter sehr verbreitet.

Freiburg besitzt das älteste noch erhaltene Fastentuch aus dem Jahre 1612, Ausmaße: 10 mal 12 m. Das Fastentuch von Telgte, zu sehen im Museum  RELIGIO in Telgte, ist etwas jünger, es stammt aus dem Jahre 1623,  Ausmaße: 7,40 mal 4,40 m. Die Fastentücher waren einfarbige Leinentücher, die bedruckt, bemalt oder bestickt waren mit Motiven der Leidensgeschichte Jesu oder der christlichen Heilsgeschichte.

Die recht großen Tücher deckten in der Passionszeit  den Altarraum fast vollständig ab. Somit war die Gemeinde, waren die Menschen von dem reich bebilderten, prächtig ausgeschmückten Altarraum mit dem Allerheiligsten und den Reliquien getrennt, waren ausgeschlossen. In dieser Zeit der Buße konnten sie nicht auf Gold, Glanz, prachtvolle Bilder und Statuen, alles Hinweise auf das Himmelreich schauen. Sie sahen düstere Bilder: Schmerz, Leiden, Grausamkeit, Tod.

Die Fastentücher luden die Menschen, von denen damals viele weder lesen noch schreiben konnten, zum Betrachten der Leidensgeschichte, zur Meditation, zum Gebet ein.

Im Mittelalter war die Passionszeit eine strenge Zeit der Buße, des Verzichts. Der Körper verzichtete auf Nahrung, die Seele auf den Anblick von all dem Schönen im Kirchenraum, das auf die kommende Herrlichkeit bei Gott hinweist. Mit dem Ausgang des Mittelalters ging die Tradition der Fastentücher zurück.

Das Mettinger Fastentuch ist relativ klein, 3,84 mal 2,90 m, es hängt hinter dem Altartisch. Dargestellt sind fünf Motive der Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu: in der Mitte, im Mittelpunkt : die Kreuzigung, links: Abendmahl und Ölbergszene, rechts : das leere Grab und die Begegnung des auferstandenen Jesus mit Maria Magdalena: Wenige Szenen, bedeutsame theologische Aussagen über Leiden und Erlösung. Das Besondere am Mettinger Fastentuch ist, dass die fünf Bildmotive, die vier schmückenden Elemente und die Umrandung geklöppelt sind.

Die Klöppelspitzen sind eingearbeitet in das farblose Leinentuch und unterlegt mit leuchtend lilafarbener Seide. Die Materialien (Spitze und Seide), die Farben (Weiß und Lila) und wenige auf das Wesentliche konzentrierte Motive verstärken den Eindruck von etwas Kostbarem.

Knapp zwei Jahre brauchte es, bis das Mettinger Fastentuch fertig war. Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert, zwei Schwestern aus Mettingen, die die alte Handwerkstechnik des Klöppelns beherrschen, schufen es. Ein langwieriges Vorhaben, das man nicht so „nebenbei“ mal mit der linken Hand erledigen kann. Schon die Motivsuche war kompliziert. Nach langer Recherche stieß man auf die  finnische Künstlerin  Eeva-Lisa Kortelahti, selbst eine Meisterin im Klöppeln. Von ihr stammen viele religiöse Motive für diese  Technik.

Die Vorlagen mussten allerdings den Größenverhältnissen des Mettinger Fastentuches angepasst werden. Das Muster der Umrandungsspitze, entnommen dem Buch „Spitzen von einst in Klöppelbriefen von Heute“, stammt von Christine Mirecki. Stoffe, Garne wurden ausgesucht, berechnet, bestellt. Garn kann man zum Beispiel nicht gut  nachbestellen, weil Farbnuancen unterschiedlich ausfallen. Dann brauchte man viel größere Klöppelrollen, Extraanfertigungen also. Die Vorarbeit kostete Zeit, aber auch das Klöppeln selbst. Für ein Bild mussten 3 500 bis 4 000 Nadeln gesteckt und gezogen werden. 7 250 m Garn wurden letztendlich verarbeitet. Insgesamt brauchte man für die Fertigung eines Bildes 80 bis 100 Arbeitsstunden. Für die Näharbeiten stand im Pfarrheim ein Raum zur Verfügung. Tische wurden zusammengestellt, damit der Stoff liegen konnte und das Nähen nicht behinderte. Zum Nähen benutzte man eine ganz normale Haushaltsnähmaschine, zum Bügeln ein Haushaltsbügeleisen. Allein für die Näharbeiten brauchte man vier Tage zu je sieben Stunden.

Am Tag vor Aschermittwoch 2016 erfolgten dann in der Kirche die letzten Bügelarbeiten und die Aufhängung. Viele Menschen haben inzwischen das Mettinger Fastentuch  gesehen und bestaunt, es wurde in Gottesdienste und Andachten einbezogen. Es kann und wird  der Gemeinde und dem einzelnen Betrachter Anstöße geben.

Die Fastenzeit reicht von Aschermittwoch bis Ostern, ca. 40 Tage.
Die Zahl 40 ist eine Zahl mit Symbolcharakter:
Die Sintflut dauerte 40 Tage.
Moses  blieb 40 Tage auf dem Berg Horeb, bevor er die Gesetzestafeln empfing.
Die Israeliten zogen 40 Jahre durch die Wüste, um in das „gelobte Land“ zu kommen.
Jesus fastete 40 Tage in der Wüste.

Fasten, Verzicht ist im Christentum, aber auch in anderen Religionen, etwas, um sich intensiv auf ein bedeutsames Ereignis vorzubereiten. Im Mittelalter wurde das Fastengebot streng beachtet. Man fastete an allen Werktagen, Sonntage waren ausgenommen. Kinder, Alte, Kranke und Reisende waren nicht an das Gebot gebunden.

Fasten, das bedeutete eine größere und zwei kleine Mahlzeiten pro Tag. Fleisch, Milch, Käse, Butter, Fett und Eier waren nicht erlaubt.

So blieben fast nur Fisch, Hirsebrei, Mehlsuppe und Brot, Kartoffeln waren noch nicht bekannt. In einer Zeit, in der viel körperliche Arbeit gefordert war, war das eine starke Herausforderung. Viele Menschen werden aus verständlichen Gründen gegen das Gebot verstoßen haben.

Überliefert sind aber auch vielfältige Versuche, auf einigermaßen „legalen“ Wegen das Fastengebot zu umgehen, Versuche, die uns heute zum Schmunzeln bringen.

Einige Beispiele:

 - Bei Führungen im Kloster Gravenhorst wird erzählt, dass die Nonnen einige kleinere Tiere (Ferkel, Kaninchen) einfach zu Fischen erklärten, Fisch war erlaubt, so wurde aus dem Ferkel eben ein Karpfen.

 - Im Kloster Maulbronn „erfand“ man die Maultaschen, heute noch bekannt und gern gegessen. Man pürierte Fleisch, reicherte es durch Kräuter und andere Zutaten so an, dass weder Form noch Farbe an Fleisch erinnerten, und „versteckte“ es dann in einem Nudelteig.

 - In den Klöstern wurde Bier  gebraut, es füllte den Magen, alkoholisierte und betäubte in der Fastenzeit das Hungergefühl.

War es erlaubt? Um sicher zu gehen, stellte man dem Papst das Getränk vor, er sollte entscheiden. Bei dem langen Transport nach Rom verdarb das Getränk natürlich. Es stank schrecklich, so dass der Papst nach einer kurzen „Geruchsprobe“ ohne Bedenken die Erlaubnis zum Verzehr gab.

 - Der Verzehr von Butter war gegen eine Zahlung von „Buttergeld“  erlaubt.

 - Fleisch wurde püriert und in ein Gefäß gegeben, das die Form eines Fisches hatte. Nach dem Kochen stürzte man die Masse wie einen Pudding, sah einen Fisch, den man dann ruhigen Gewissens aß.

 - Hrabanus Maurus, bekannter Theologe und  wortgewaltiger Prediger aus dem Fuldaer Raum, soll zu einer „theologischen“ Ableitung gekommen sein. In der Schöpfungsgeschichte wird berichtet, dass Gott an einem Tag Fische und Vögel erschuf. Also aus dem Wasser, folgerte der Theologe, und somit waren Vögel, Hühner, Enten, Gänse Wassertiere und fielen nicht unter das Fastengebot.

Maria Beier