„Wochenmarkt“ in Münster – ein Zeitdokoument

Münster in Westfalen! Da fällt einem eine Menge ein. Dom, Bischof, Wiedertäufer. Historisches Rathaus, Friedenssaal. Annette von Droste-Hülshoff, Bischof von Galen. Landesmuseum und Moderner Skulpturenpark. Universität, Studenten, Pinkus Müller, Radfahrer. Auch Prinzipalmarkt und Wochenmarkt!

Märkte und Menschen, da war immer eine starke Anziehungskraft, heute nicht anders als früher. Vor gut einhundert Jahren hat ein junger Mann, damals Student, den Münsterschen Wochenmarkt erlebt und seine Eindrücke in einem Gedicht festgehalten. Friedrich Wilhelm Schneider studierte von 1908 bis 1912 in Münster. Seine in Düsseldorf lebende Tochter besitzt das Original des Gedichtes und stellte es den Westfälischen Nachrichten vor. Die veröffentlichten das originelle Zeitdokument am 16. April 2009 auf ihrer Seniorenseite.

„Auf dem Markt im heil'gen Münster viele Leute gehn und stehn, einesteils geseh'n zu werden, andernteils, um was zu sehn.

Pumpernickel, Speck und Butter bringt das platte Land der Stadt. Mettwurst gibt’s an jener Säule, die mein Hund am liebsten hat.

Unterm Bogen an der Ecke brütet brav die Eierfrau, wiegt auch Bemmen in den Händen, das Gewicht stimmt ganz genau.

Kommt Frau Kniepig um die Ecke, prüft die Butter, prüft das Ei, findet beides viel zu teuer, und rauscht stolz an ihr vorbei.

Hier verzehrt die magre Rente der Rendant im dünnen Rock, keck stolziert der Herr Studente, zwirbelt in der Luft den Stock.

Fastend wandelt hier der Priester, denkt nur an den Leib des Herrn, dennoch sieht westfäl'sche Schinken er mitunter auch recht gern.

Zwei trägt just die dicke Köchin vor ihm stillvergnügt nach Haus, und der Kürassier dahinter schaut grad schmunzelnd danach aus.

Der gelehrte Herr Professor geht von Stand zu Stand hier gern, hört Histörchen und Vertellkens von den Bauern nah und fern.

Kniept die Bäurin in die Backen, fragt bei ihr vertraulich an, was auf Platt zu ihrem Arme, wenn er zärtlich, sagt ihr Mann.

Auf dem Markt im heil'gen Münster bleib ich stundenlang oft stehn. Willst du mich einmal besuchen, musst du auf den Marktplatz gehen.“

Maria Beier

 

 

Bildquelle:
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