Varenka

Ein Kinderbuch, aber nicht nur, auch der erwachsene Leser wird sich einfinden können in die schlichte Erzählung, die russischen Legenden nachempfunden ist.

Varenka, Witwe, lebt bescheiden in einem kleinen Holzhaus am Rande der russischen Wälder. Mal versorgt sie ein Kind, das sich verirrt hat, mal rastet bei ihr ein müder Wanderer, mal versorgt sie Tiere, pflegt kranke oder gibt ihnen Futter.

Eines Tages wird die Idylle bedroht.

Krieg kündigt sich an, das Donnern der Kanonen kommt täglich näher, Menschen auf der Flucht fordern Varenka auf mitzukommen.

Varenka bleibt, sie hat hier ihre Aufgabe, die sie nicht einfach aufgeben kann und will.

Täglich kniet sie vor der Ikone, bittet Gott um Hilfe. Die Bedrohung nimmt zu, die Angst wird größer.

Aber es kommt keine Hilfe. Gott schweigt.

Die Gebete werden flehentlicher. „Bitte, lieber Gott, heute Nacht mußt du kommen...... morgen werden die Soldaten hier sein und wir alle sind verloren.“

„Wir“, das sind Flüchtlinge, die Varenka aufgenommen hat:

Stjepan, Künstler, bis auf ein Bild und eine Blume hat er alles verloren,

Pjotr, der Hirt, er hat nur eine kleine Ziege gerettet.

Bodula, das kleine Mädchen mit der Taube, das im Gewirr des Krieges seine Eltern verloren hat.

„Den ganzen Tag lang hörten die Freunde das Donnern der Kanonen. Den ganzen Tag lang hatten sie Angst. Schließlich nahm Pjotr seine Balalaika und begann zu spielen. Stjepan, Pjotr, Bodula und Varenka sangen dazu ihre russischen Weisen. Als sich der Tag neigte und der Mond aufging, brachte die Musik Frieden in ihre Herzen.“

In dieser Nacht kommt Hilfe. „Es war sehr still. Doch in der stillen Stunde war ein leiser Ton um Varenkas Haus. Varenka öffnete vorsichtig die Läden und sah, …...“

Die Sprache ist schlicht, fast sparsam. So kann der Leser sich die Situation hautnah vorstellen. „Die Nacht kam. Wieder verstummten die Kanonen und alles war still. Die Blumen falteten ihre Blütenblätter. Die kleinen Tiere in den Bäumen und Höhlen kuschelten sich zusammen und schliefen ein.“

 

Die Illustrationen sind großflächig, beschränken sich auf die jeweilig wichtige Aussage. Gesicht, Augen und Hände spiegeln Freude wie Angst.

Leuchtende Farben in hellen Tönen zeigen den Frieden, braun, grün bis tiefblau die Bedrohung.Die Gesichter schauen den Betrachter zumeist direkt an, sie sprechen zu ihm.

Varenka
Nord-Süd Verlag AG  Gossau, Zürich und Hamburg
ISBN 5514 000  55 2

Maria Beier

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