Regine Hildebrandt

Regine Hildebrandt

Die „Mutter Courage des Ostens“ wie man sie auch später wertschätzend nannte, wurde am 26. April 1941 als Regine Radischewski in Berlin-Mitte geboren.

Nach ihrem Schulabschluss und dem Abitur studierte sie 1959 Biologie an der Berliner Humboldt-Universität. 1968 folgte ihre Promotion. Sie arbeitete bis 1990, erst als stellvertretende Leiterin in der Pharmakologischen Abteilung im Großbetrieb VEB Berlin-Chemie, später in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten.

Nach ihrer Heirat 1966 mit Jörg Hildebrandt wurde 1969 das erste von ihren drei Kindern geboren. Als „Säulen ihres Lebens“ bezeichnete sie einmal „Beruf, Familie, Freunde und die Berliner Domkantorei, in der sie von 1961 bis 2001 als Chorsängerin agierte.

Nachdem Regine Hildebrandt zu DDR-Zeiten stets in Opposition zum System gestanden hatte, war die Wende 1989 für sie der Anlass, sich politisch zu engagieren – zuerst bei der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ - danach trat sie der neugegründeten SPD bei und war bis August 1990 im ersten freien Parlament der DDR Ministerin für Arbeit und Soziales tätig. Ab November 1990 war sie Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen im neugebildeten Land Brandenburg.

Ihre schwere Brustkrebserkrankung, die im Juli 1996 bekannt wurde, und die belastende Krebstherapie, konnten sie nicht davon abhalten, schon kurz nach ihrer Operation die Arbeit im Ministerium wieder aufzunehmen. Sie ging offensiv mit ihrer Krankheit um und zeigte trotz allem ungebremsten Einsatz.

Als bei den Landtagswahlen 1999 die SPD die absolute Mehrheit verlor, konnte und wollte sie eine Koalition mit der CDU, wie sie vom derzeitigen Ministerpräsidenten Stolpe entschieden wurde, nicht akzeptieren, da sie die Partei stets als kontraproduktiv einschätzte. Es gab nur eine für sie typische Konsequenz: Sie legte im Oktober 1999 ihr Mandat nieder und schied aus dem Kabinett aus. Für ihre konsequente Entscheidung wurde ihr, besonders in den neuen Bundesländern, viel Hochachtung entgegengebracht.

Nach dem Ausscheiden war Regine Hildebrand weiterhin im SPD-Parteivorstand und im Forum für Ostdeutschland tätig. Auf ihren Reisen in die neuen und alten Bundesländer warb sie für das Verständnis füreinander. Mit ihrer geradlinigen und konsequenten  Art, mit der sie sich für ihre Ziele einsetzte, war sie nicht die Norm, sondern die Ausnahme. Sie nahm kein Blatt vor den Mund und war keine Fahne, die sich mit dem Wind drehte. Gerade das brachte ihr höchste Anerkennung und Wertschätzung.

Das „Herz mit Schnauze“, wie sie sich selbst bezeichnet hatte, verstummte am 26. November 2001. Mit nur 60 Jahren erlag sie ihrem schweren Krebsleiden. Sie starb im Kreis der Familie in ihrem Vier-Generationen-Haus in Berlin-Woltersdorf.

Regine Hildebrandt, die als brandenburgische Sozialministerin neun Jahre lang wortgewaltig für die Schwachen und Benachteiligten kämpfte – diese laute Stimme für den Osten gab es nicht mehr. Mit ihr ging eine Ausnahmepolitikerin mit Ecken und Kanten, aber gerade das beeindruckte viele Menschen. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen brachten das zum Ausdruck.

Ihr Leitspruch: „Der tiefere Sinn des Lebens liegt im Miteinander“ war für viele beispielhaft. Zahlreiche Initiativen, Einrichtungen und Institutionen wurden nach ihr benannt, um ihr Handeln und Wirken lebendig zu halten.

Eins ihrer unvergesslichen Zitate lautete:
„Wir können uns stundenlang darüber unterhalten, dass in diesem System die Schwächeren unterjebuttert werden, det nützt ja nüscht – wir müssen wat dagegen tun!“

Gaby Schneuing

Bildquelle: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3c/Reghildebrandt.jpg/220px-Reghildebrandt.jpg

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