„Na, will er nicht?“

Der Start in die neue Arbeitswoche beginnt an diesem Montagmorgen wider Erwarten dann doch recht geruhsam. In der Küche umschmeichelt der herzhafte Duft von frischem Kaffee die Nase. Und die Tageszeitung steckt auch pünktlich im Briefkasten. Von beiden flankiert, schmeckt das Honigbrötchen doppelt gut. Die Woche fängt ja gut an.

Fröhlich pfeiffend und voller Vorfreude auf den Arbeitstag schnappt sich der Mann alsbald seine Tasche, wirft sich mit elegantem Schwung in seine Karosse, um sich auf die Räder zur Arbeit zu machen. Kupplung getreten, Gang rein und dann am Zündschlüssel gedreht. Nun hätte eigentlich das sonore Brummen des Fünfzylinders ertönen müssen. Wie sonst immer. Doch der Motor gibt keinen Mucks von sich. Kein Krächzen des Anlassers ist zu hören, keine Umdrehung der Kurbelwelle zu bemerken. Das Auto verweigert standhaft seinen Dienst.

Auch mehrmalige Startversuche (unter gutem Zureden) sind nicht von Erfolg gekrönt. Da bleibt nur eines: Motorhaube auf und kleine Inspektion auf dem Hof. „Na, will er nicht?“, lästert der schadenfrohe Nachbar über den Zaun hinweg und steigt in seinen Wagen, der natürlich auf Kommando anspringt. Mit quietschenden Reifen rast er davon. Angeber.

Nach zehnminütiger Fehlersuche folgt die Kapitulation. Also Anschieben. Doch weit und breit ist kein „Handlanger“ zu sehen. Zähneknirschend begibt sich der geplagte Autofahrer ins Haus zurück, um die holde Weiblichkeit um Hilfe zu bitten. „Na, will er nicht?“ begrüßt ihn die Göttergattin. Nee, und jetzt komm raus. „Aber du schiebst“, stell sie unmissverständlich die Arbeitsteilung klar. Widerrede zwecklos. Nagutnagutnagut...

Mit hochrotem Kopf bugsiert der genervte Autobesitzer das Vehikel über die Straße „Zweiter Gang rein, Kupplung kommen lassen“, ergehen lautstarke Anweisungen an die Ehefrau am Volant. Doch nichts rührt sich, die Kiste streikt. Ein Passant geht vorbei, lüftet seinen Hut und fragt mitleidig: „Na, will er nicht?“ Soll ihn der Kolbenfresser holen.

Nach einigen hundert Metern im Schiebebetrieb ist der Mann an der Heckklappe am Ende. Als einziger Ausweg bleibt der Anruf beim mobilen Reparatur-Notdienst. „Na, will er nicht?“ ruft der für einen Montagmorgen recht gut gelaunte Fahrer, als er aus seinem Laster springt. Im Stillen beschließt der gepeinigte Autobesitzer den Nächsten, der diesen Satz absondert, einfach und wortlos mit dem Radmuttern-Schlüssel zu erschlagen.Schnell hat der Fachmann die leere Batterie als Übeltäter entdeckt. Ein Überbrückungskabel hilft der bockigen Kiste auf die Sprünge. Geht doch.

Glücklich in der Firma angekommen, stürmt der Kollege blitzschnell an seinen Arbeitsplatz und startet den Computer.. Doch so oft er die Starttaste auch drückt, das Gerät verweigert beharrlich den Dienst. Von hinten meldet sich plötzlich ein Kollege und fragt: „Na, will er nicht?“          

 

Dieter Tebbe

 

 

Bildquelle:

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