Mit dem Kühlschrank durch Irland

Titel und Titelbild lassen den Leser neugierig werden: Was für eine skurrile Idee, vier Wochen lang mit einem Kühlschrank  an Irlands Küste entlang zu trampen!

Es geht um eine Wette, die in einer feuchtfröhlich durchzechten Nacht zustande gekommen ist. Wie,  bleibt im Nebel der Alkoholschwaden verborgen. Ein Zettel mit Einzelheiten und Unterschriften, mehr zufällig am nächsten Morgen entdeckt, zeigt, dass die Wette „gilt “.

Kevin gegen Tony, 100 gesetzte Pfund, Kühlschrank, zeitliches Limit von einem Kalendermonat, Küste von Irland und Trampen.

Tony, der junge Engländer, will die Wette gewinnen. Es geht um den Spaß, vielleicht auch um die Ehre, jedenfalls nicht um 100 Pfund; denn allein der Erwerb des  Kühlschranks kostet 130 Pfund. Von den anderen Dingen, die zum Trampen im regenreichen Irland gehören, ganz abgesehen.

Das Weitere wird ein Vergnügen, jedenfalls für den Leser. Radio und Zeitungen hören von dem Unternehmen „Kühlschrank“ und berichten laufend. Kunststudentinnen malen auf den Rücken von Tonys Jacke einen Kühlschrank und den Namen „Fridge Man“, „Kühlschrank-Mann“. So wird er bekannt, bekommt viel Hilfe: kostenlose Übernachtungen, Essen, Tipps, Partys in Pubs, Begleitungen, Mitfahrgelegenheiten.

Der Kühlschrank öffnet Türen. Tony wird in einem Pub vorgestellt: „Mary, hast du von diesem Typen gehört? Er zerrt einen Kühlschrank rund um Irland“. Mary: „ Mein Gott, was für ein Idiot. Was will er trinken?“ Herrliche Abende in Pubs: Musik aus dem Stegreif, Gitarre, Mundharmonika, Löffel als Musikinstrumente, Hände und Füße zum Taktschlagen, Mund zum Pfeifen oder Singen.

Was gibt es alles zu erleben!

Auf einer kleinen Insel residiert ein selbsternannter „König“, dessen Tochter Tony gern heiraten würde. Ein Surfer schafft es, mit dem Kühlschrank zu surfen, jedenfalls eine Welle lang. Der Kühlschrank wird auf einen unaussprechlichen Namen getauft und von einer Nonne gesegnet. Skurril auch die Todesnachrichten im Radio. Das hört sich so an: „Margaret Mary O'Dowd aus Inishcrone ist gestern Morgen um halb sieben im Schlaf friedlich von uns gegangen. Das Begräbnis findet in der Saint-Meredith's Kathedrale in Ballina statt. Und damit sind wir am Ende unserer Todesnachrichten angelangt. Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir die nächsten Todesnachrichten heute Nachmittag um fünf Uhr senden. North West Radio spricht den Hinterbliebenen seine Anteilnahme aus. Mögen die Seelen der Verstorbenen in Frieden ruhen.“

Oft fragt sich der Leser, was denn noch passieren könnte. Ist der Vorrat an möglichen Zufällen nicht allmählich ausgereizt? Er scheint eher unerschöpflich zu sein. Auf jeden Fall trampt der Leser gern mit, er wird ja nicht nass.

Er lernt vieles über Irland und die Iren und möchte am Ende der Reise dieses Land auch einmal so erleben und auf eine ganz andere Art kennenlernen.

Er muss ja nicht unbedingt einen Kühlschrank im Gepäck haben.

Maria Beier

 

Hawks, Tony:  Mit dem Kühlschrank durch Irland Goldmann Taschenbuch 8,50 Euro.
Bildadesse: https://assets.thalia.media/img/02963374-00-00.jpg

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