Katharina von Bora die „Lutherin“

Bild von Lukas Cranach dem Älteren, 1528, in der Lutherhalle in Wittenberg

Sie war die starke Frau an der Seite des Reformators Martin Luther zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Durch ihn konnte sie ein, für dieses Zeitalter, ungewöhnlich selbstbestimmtes Leben führen.

Geboren wurde Katharina von Bora am 29. Januar 1499 in Lippendorf in der Nähe von Leipzig. Ihre Familie gehörte zwar einem sächsischen Adelsgeschlecht an, war aber völlig mittellos. Von ihrem inzwischen verwitweten Vater wurde sie schon früh in einem Kloster in Brehna untergebracht, somit war ihre Versorgung und Erziehung gewährleistet. Für diese Zeit nichts Ungewöhnliches. Mit zehn Jahren kam sie dann in das Kloster Marienthron in Nimbschen. Der Besuch der dortigen Klosterschule bedeutete für Mädchen ein besonderes Privileg.

Durch die nötige Selbstversorgung des Klosters durch umfangreichen Viehbestand und dazugehöriger Landwirtschaft, lernte Katharina gleichzeitig die betriebswirtschaftlichen Abläufe kennen. Sie ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr diese Kenntnisse in ihrem späteren Leben, außerhalb des Klosters, zugutekommen würden.

Nach ihrem einjährigen Noviziat, legte sie im Oktober 1515 ihr Gelübde von „Armut – Keuschheit – Gehorsam“ ab, was als ewige Verpflichtung galt. Als äußerliche Zeichen erhielt sie einen Ring und die weiße Kutte der Zisterzienserinnen. Ab jetzt galt für Katharina das strenge Leben als Nonne mit allen vorgegebenen Regeln, die aber die Nonnen zeitweise auch zu umgehen wussten.

Zu dieser Zeit las Katharina bereits die kritischen Schriften und Reformvorschläge von Martin Luther zu dem stark eingeschränkten Klosterleben mit seinen Geboten. Er lehnte das Zölibat ab, sowie die zwanghafte Forderung, das Gelübde abzulegen. Sie setzte sich ausführlich mit den Themen der Reformation auseinander. Zusammen mit anderen Nonnen entstand der Wunsch, aus dem Kloster zu flüchten, um ein freieres Leben führen zu können.

Auch Luther war über das Vorhaben informiert und unterstützte diese Pläne. Es wurde ein Planwagen organisiert, der dann im April 1523 vorfuhr und Katharina mit weiteren Nonnen, wahrscheinlich in Fischfässern versteckt, zur Flucht verhalf.

Katharina  wurde nach Wittenberg gebracht und dort, wie auch andere Geflohene,  in Bürgerfamilien untergebracht. Martin Luther kümmerte sich auch weiterhin um das Wohl der  Nonnen. Es wird vermutet, dass Katharina im Hause des Malers Lucas Cranach unterkam. Mehrere Porträts wurden später in seiner Werkstatt von ihr angefertigt.

Nun galt es, für die Nonnen geeignete Ehepartner zu finden, damit die Versorgung auch weiterhin gewährleistet war. Katharina ließ sich Zeit und nachdem sie den Antrag des Wittenberger Theologen Caspar Glatz abgelehnt hatte, übernahm sie die Initiative und machte Martin Luther ein Angebot. Er willigte schließlich ein und der ehemalige Mönch und derzeitige Theologieprofessor Martin Luther heiratete am 13. Juni 1525 die schöne Nonne Katharina von Bora.

Die Reaktionen auf diese Hochzeit waren nicht nur in der Stadt Wittenberg, sondern auch unter einigen ihrer Freunde verheerend. Unverständnis wurde ihnen entgegengebracht.

Die Eheleute ließen sich nicht beirren und nutzten nach ihrer Hochzeit das ehemalige Augustiner-Kloster, wegen der Farbe der Kutten auch Schwarzes Kloster genannt, als ihr Zuhause. Durch stete Umgestaltung wurde das alte Gebäude zum stattlichen Wohnhaus. Sechs Kinder wurden geboren, von denen aber nur vier das Erwachsenenalter erreichten. Das Ehepaar Luther teilte sich ihr Zuhause mit Verwandten, Gästen, Studenten und Angestellten. Es wurde über 35 Jahre die Hauptwirkungsstätte von Martin Luther. Während er dort Vorlesungen für Studenten abhielt, seine Schriften verfasste und seine berühmten Tischreden hielt, führte Katharina von Bora den großen Haushalt. Sie entwickelte sich zu einer geschäftstüchtigen Frau. Sie verwaltete den vielfältigen Viehbestand und die Landwirtschaft, betrieb ein Brauhaus und in einem gepachteten Elbarm sogar eine Fischzucht. Die Geldverwaltung gehörte zusätzlich zu ihrem Aufgabengebiet.

Luthers negatives Frauenbild wurde durch Katharina korrigiert. Sie meisterte den großen Haushalt  und die Fülle und Verschiedenartigkeit der wirtschaftlichen Aufgaben mit Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen. Deshalb wurde sie von ihrem Mann auch respektvoll „Herr Käthe“ genannt, da sie letztendlich der Herr im Haus war. Sie unterstützte seine geistigen und wissenschaftlichen  Arbeiten und war zur Stelle, wenn ihr sechzehn Jahre älterer Mann, bedingt durch seine verschiedenen Krankheiten, ihre Pflege brauchte.

Bei einer seiner wiederholten Reisen nach Eisleben, seinem Geburtsort, verstarb Martin Luther dort im Januar 1546. Er wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

Nach  seinem Tod musste Katharina mit ihren Kindern wegen herrschendem Krieg aus Wittenberg fliehen. Bei ihrer Rückkehr waren ihre Ländereien und Gebäude zerstört. Ihre wirtschaftliche Lage wurde immer schlechter. Als sie 1552 wieder fliehen musste, diesmal wegen einer Pest, verunglückte sie mit der Kutsche auf dem Weg nach Torgau. An den Folgen der Verletzung verstarb sie dort am 20. Dezember 1552. Ihre letzte Ruhestätte fand sie nicht neben ihrem berühmten Mann, sondern in der Torgauer Marienkirche.

An der Seite des berühmten Reformators führte Katharina von Bora ein außergewöhnliches Leben. Im Denken und Handeln war sie ihrer Zeit weit voraus.

Gaby Schneuing

 

Bildquelle:

heiligenlexikon.de/Fotos/Katharina_von_Bora.jpg
Bild von Lukas Cranach dem Älteren, 1528, in der Lutherhalle in Wittenberg

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