Ja, spinnen denn die Mainzelmänner

In den achtziger Jahren, Dallas und Denver hatten gerade ihre Hochzeit, sagte Maries Schwiegermutter: „Ich kann dieses Sendungen nicht sehen, die regen mich zu sehr auf.“ Marie reagierte damals mit Unverständnis. Denn, so ihre Meinung, das waren doch ausgedachte Geschichten, also kein Grund, sich darüber aufzuregen.

Heute, gut dreißig Jahre später, weiß Marie, wovon ihre Schwiegermutter sprach, denn heute geht es ihr ähnlich. Krimis über Krimis, Telenovelas  mit Intrigen im Überfluss, spektakuläre Sendungen  en Masse,  je reißerischer  aufgemacht, desto lieber. Junge Leute, die sich  herunter machen lassen  und so weiter und so fort.  Nein, Marie kann solche Sendungen wirklich nicht sehen, sie regen sie zu sehr auf.

Gab es früher einmal im Monat einen Tatort, beglückt  er heute jeden Sonntag seine Zuschauer und die Dritten ächzen unter den ständigen Tatortwiederholungen. Da freut Marie sich doch auf „den Landarzt“, „Forsthaus Falkenau“ und „Unseren Charlie“. Kleine Problemchen werden innerhalb einer Folge gelöst, Marie braucht sich also nicht aufzuregen. Und ein wenig heile Welt scheint es also  doch noch zu geben. –

Und nun das, klammheimlich wurden diese vertrauten Serien abgesetzt, denn die Mainzelmänner wollen sich verjüngen. Verjüngen? Spinnen die denn? Im Zeichen demografischen Wandels wollen die Macher ihre Programme verjüngen, obwohl es doch von spektakulären  Sendungen in der Fernsehlandschaft nur so wimmelt?

Wieso werden die Alten eigentlich gezwungen, Fernsehgebühren zu zahlen, wenn die Herren Direktoren doch nur an junge Leute denken und Filme produzieren, deren Musik so laut ist, dass Ältere eine Unterhaltung nicht mehr verfolgen können?

Nein, Marie will für ihr Geld Sendungen sehen, die sie nicht aufregen und die sie akustisch verstehen kann, sie will auch nicht nach der Werbepause während eines Krimis hören, jetzt ginge es mit entspannender Unterhaltung weiter, denn das empfindet sie als Hohn, und den Mainzelmännern  müsste endlich jemand  sagen, dass wir uns im demografischen Wandel  befinden. –

Marie fällt  ein, vielleicht wissen die in Mainz noch gar nichts von diesem Wandel. Also wirklich höchste Zeit, dass denen auf dem Lerchenberg endlich die Augen geöffnet werden!!!

Jutta Lorenz



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