1919 - 2019 / 100 Jahre Bauhaus, Ise Gropius oder auch liebevoll „Frau Bauhaus“ genannt.

Ilse Gropius

Die starke Frau an der Seite von Walter Gropius, dem Architekten und Bauhaus-Gründer, wurde als Ilse Frank, Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie, am 01. März 1897, in Wiesbaden geboren.

Sie wohnte bis 1921 in Hannover, ging danach für zwei Jahre als Buchhändlerin nach München und kehrte dann 1923 nach Hannover zurück. Hier lernte sie, bei einen seiner Vorträge, den damaligen Direktor des Staatlichen Bauhauses in Weimar, Walter Gropius, kennen. Kurz vor der ersten großen Bauhausausstellung zog es Ilse Frank nach Weimar, wo sie dann im gleichen Jahr, am 16. Oktober 1923, Walter Gropius heiratete. Aus Ilse Frank  wurde Ise Gropius, da für ihn „Ise“ besser klang. Nach mehreren gescheiterten Beziehungen, erhoffte er sich eine Ehefrau, die ihn lieben, akzeptieren und unterstützen würde.

Ise Gropius verzichtete auf ihre eigene Berufstätigkeit. Die Bauhaus-Idee erweckte ihr ganzes Interesse. Als Sekretärin, Lektorin, Organisatorin und teilweise auch als Gestalterin, trat sie in den Dienst des Bauhauses und war für ihren Ehemann eine Partnerin auf Augenhöhe. Er nannte sie liebevoll „Frau Bauhaus“. Zu ihren Aufgaben zählte das Anfertigen von Briefen und das Lektorieren von Vorträgen und Artikeln für Walter Gropius. Eine neue Welt, in der sie sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln konnte.

Nach drastischen Etatkürzungen zog das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau, wo es die NSDAP 1932 schließen ließ. In Berlin wurde es dann privat weitergeführt. Ise Gropius schrieb erfolgreich Beiträge unter ihrem eigenen Namen, die sie an Verlage verkaufte. Ihr Ehemann schätzte ihre literarischen Fähigkeiten und überließ ihr, das für ihn ungeliebte Briefeschreiben und die Formulierung  seiner Artikel und Vorträge.1933 wurde auch dort die Einrichtung durch die Nationalsozialisten aufgelöst.

Nach ihrer Emigration nach London  (1934 bis 1937) und schließlich nach Amerika, wurde es für Ise Gropius immer schwieriger, ihre Eigenständigkeit zu bewahren und Beiträge unter ihrem Namen zu veröffentlichen. Ihre Artikel wurden abgelehnt. Selbständig arbeitende Frauen waren nicht gefragt und wurden zu der Zeit auf keinen Fall noch unterstützt. Sie passte sich dieser Situation an und konzentrierte sich auf das Lektorat seiner Texte. Die Beiträge, die unter seinem Namen liefen, verkauften sich ohne Schwierigkeiten.

Am 5. Juli 1969 verstarb Walter Gropius in Boston, Massachusetts. Sein Lebenswerk wurde von der „Frau im Hintergrund“ vorangetrieben.

Sie war aber weit mehr als nur eine Randfigur und die „Frau eines großen Mannes“. Als Journalistin und Autorin nahm sie entscheidenden  Einfluss auf die Entwicklung  des Bauhauses. Sie hatte großen Anteil daran, dass die neuzeitlichen und zum Teil bahnbrechenden Ideender berühmten Architektur- und Designschule und der Gründer Walter Gropius, in der Nazizeit -und auch danach-  nicht in Vergessenheit gerieten.

Anders war es mit ihrer Person, die irgendwann in Vergessenheit geriet. Ise Gropius starb am 9. Juni 1983 in Lexington, Massachusetts.

Gaby Schneuing

 

Bildquelle:
https://www.bauhaus100.de/fileadmin/Bauhaus100/Das_Bauhaus/Moholy_Lucia_Portrait_Ise_Gropius_1924.jpg

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