Hannelore Kohl

Frauen berühmter Männer

Johanna Klara Eleonore Kohl, geb. Renner, wurde am 7.3.1933 in Berlin-Schöneberg geboren. Aus Johanna und Eleonore entstand der Rufname Hannelore. Als Siebenmonatskind war sie klein und zierlich. Für die Eltern war ihre „Püppi“, wie sie sie liebevoll nannten, ihr ein und alles. Ihre Kindheit verbrachte sie in Leipzig, wo ihr Vater als Direktor und Prokurist in einem der größten Rüstungsbetriebe eine gut bezahlte Arbeitsstelle angenommen hatte. Er ermöglichte seiner Familie ein großbürgerliches Leben mit vielen Annehmlichkeiten. Hannelore erlebte eine unbeschwerte und sorgenfreie Kindheit, die gleichzeitig durch die strenge und autoritäre Erziehung ihrer Mutter geprägt wurde.

Das unbeschwerte Leben der Familie Renner änderte sich drastisch, als am 1939 der Zweite Weltkrieg begann. Am Ende des Jahres 1943 setzte ein gewaltiger Bombenteppich die Stadt Leipzig in Flammen. Hannelore und ihre Mutter wurden evakuiert. Der Vater blieb vorerst in Leipzig. Hannelores Mutter beschloss, mit ihrer zwölfjährigen Tochter zu fliehen. Sie packten ihre Habseligkeiten und machten sich zu Fuß auf den Weg Richtung Leipzig. Es gibt Behauptungen, dass Hannelore während ihrer Flucht von russischen Soldaten vergewaltigt wurde. Nachdem Hannelores Mutter Kontakt zu ihrem Mann aufnehmen konnte, machten sich alle zusammen auf den Weg nach Mutterstadt bei Ludwigshafen am Rhein, dem Geburtsort von Hannelores Vater.

Im Herbst 1948 lernte die damals fünfzehnjährige Hannelore in einer Tanzschule den achtzehnjährigen Helmut Kohl kennen, der mit seinen Eltern im nahe gelegenen Ludwigshafen wohnte. Für die beiden folgten unbeschwerte Jahre. Sie akzeptierte seine politischen Tätigkeiten, zeigte dafür aber kein Interesse. Nach dem Abiturabschluss begann sie ein Fremdsprachenstudium in Germersheim, er ein Studium für Geschichte, Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg.

Im September 1952 starb ihr Vater an einem Herzinfarkt. Hannelore musste aus finanziellen Gründen ihr Studium abbrechen und begann zu arbeiten. In dieser schweren Zeit stand Helmut ihr zur Seite. Hannelore wohnte wieder zusammen mit ihrer Mutter in Ludwigshafen. In der Zwischenzeit nahm die politische Karriere von Helmut Kohl ihren Lauf. Er konnte sich dabei auf Hannelores Unterstützung verlassen. Da sich auch beruflich bei beiden alles zum Besten entwickelte, beschlossen sie ein Eigenheim zu bauen, in dem auch ihre Mutter mit einziehen konnte. Hannelore kümmerte sich mit großer Begeisterung um den Hausbau, zeitgleich zog Helmut Kohl im Mai 1959 mit neunundzwanzig Jahren als jüngster Abgeordneter in den Mainzer Landtag ein.

Am 27. Juni 1960 heirateten Hannelore und Helmut Kohl. Im Juli 1963 und im August 1965 wurden die beiden Söhne Walter und Peter geboren. Das Glück der Familie schien perfekt, wurde aber langsam immer mehr durch die Politik fremdbestimmt. Durch die Wahl von Helmut Kohl zum Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz im Mai 1969, wurde Hannelore als Landesmutter in eine völlig neue Rolle gedrängt. Auch das Privatleben der Familie wurde in Mitleidenschaft gezogen. Ihre eigenen Interessen traten in den Hintergrund.

Da immer mehr Repräsentationsverpflichtungen auf das Ehepaar Kohl zukamen, wurde dafür ein geeigneteres Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gebaut und Ende 1971 bezogen. Hannelore begleitete ihren Mann auf offiziellen Reisen im In- und Ausland und stand immer mehr im Rampenlicht. Auch auf der bundespolitischen Bühne zu stehen, hatte immer mehr negative Auswirkungen auf das Familienleben der Kohls. Von der Presse wurden sie jetzt mit Negativschlagzeilen bombardiert. Die Bezeichnung für Hannelore als „Barbie von der Pfalz“, war nur eine unter vielen Beleidigungen und Anfeindungen, an die sie sich gewöhnen musste. Auch ihre Söhne wurden mit den Nachteilen konfrontiert, immer mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen.

Mit der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler am 1. Oktober 1982 folgte die nächste Herausforderung, der sich die Familie stellen musste. Ab dem Zeitpunkt gehörte das Ehepaar Kohl zu den wichtigsten Repräsentanten des Landes. Reisen in über sechzig verschiedene Länder gehörten zu ihrem Programm. In allen Wahlkämpfen stand sie ihrem Mann zur Seite. Mit Disziplin und Anpassungsgabe bewältigte sie die sechzehn Jahre als Kanzlergattin. Das Helmut Kohl der Kanzler der deutschen Einheit wurde, daran war auch eine starke Frau neben und hinter ihm beteiligt. Sie entwickelte sich durch ihre Aufgaben zu einer eigenständigen Persönlichkeit an seiner Seite. Sie gründete das Kuratorium ZNS und die Hannelore Kohl-Stiftung, die sich für Hirnverletzte einsetzen. Es gehörte zu einer ihrer wichtigsten Lebensaufgaben. Für ihren unermüdlichen Einsatz erhielt sie mehrere Ehrungen.

Die nächste entscheidende Wende im Leben der Hannelore Kohl trat ein durch die verlorene Bundestagswahl im September 1998 und die Beendigung der sechzehnjährigen Amtszeit von Helmut Kohl als Kanzler. Durch die CDU-Spendenaffäre, in der auch Helmut Kohl die politische Verantwortung für die gemachten Fehler übernahm, kippte die Stimmung im Land. Er weigerte sich, die Namen der Spender zu nennen. Auch Hannelore und ihre Stiftungen wurden zur Zielscheibe von Anschuldigungen und Unterstellungen. Diese Situation war für sie unerträglich und nur schwer zu verkraften.

Im Jahr 2000 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Ihre Lichtallergie wurde bereits 1993 durch eine Penicillin-Medikation ausgelöst, obwohl bekannt war, dass sie auf Penicillin allergisch reagierte. Hannelore Kohl entwickelte ein Lyell-Syndrom, eine starke toxisch-allergische Reaktion, an der sie damals fast gestorben wäre. Diese Lichtallergie beeinträchtigte immer mehr ihr Leben. Sie konnte nur noch selten verreisen, musste sich in abgedunkelten Räumen aufhalten. Alle Behandlungen und Therapien schlugen nicht an und die allergischen Reaktionen wurden immer dramatischer. Es wurde immer einsamer um sie. Gleichzeitig tauchten Gerüchte auf, dass ihre Ehe nicht mehr intakt sei. Der psychische Druck zerstörte ihre Willenskraft.

Sie plante ihren Freitod. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2001 starb Hannelore in ihrem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim an einer Überdosis Schlaf- und Schmerztabletten. Sie wurde von ihrer langjährigen Haushälterin Hilde Seeber am nächsten Morgen tot in ihrem Bett aufgefunden. Im März hatte sie noch gesagt: „Aufgeben ist das Letzte, was man sich erlauben darf“. Hannelore wurde achtundsechzig Jahre alt, davon verbrachte sie dreiundfünfzig Jahre mit Helmut Kohl. Sie hinterließ zwanzig, einzeln adressierte, Abschiedsbriefe. Der Tod und vor allen Dingen die Umstände ihres Todes waren für die Familie eine Katastrophe.Am 11. Juli 2001 fand für Hannelore Kohl ein Trauergottesdienst im Kaiserdom zu Speyer statt. Tausende von Menschen hatten sich versammelt, um Abschied zu nehmen. Anschließend wurde sie im Familiengrab in Ludwigshafen-Friesenheim beigesetzt.

Mit ihrem Tod begann auch der langsame Zerfall der Familie. Anfang 2004 teilte Helmut Kohl seinen Kindern mit, dass er eine neue Lebensgefährtin gefunden habe. Er zog sich immer mehr in sein eigenes Leben zurück. Den Söhnen wurde später bekannt, dass die Beziehung zu dieser Lebensgefährtin schon seit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre bestand.

 

Gaby Schneuing

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