Fernsehfilm "Terror"

Berta, Otti , Erna ...und der Fernsehfilm 'Terror'

An aktuellen Themen sind Berta, Otti und Erna immer interessiert, gleich, ob es sich um große gesellschaftspolitische Fragen handelt oder ob man im kleinen kommunalen Bereich seines 'Kirchturms' bleibt. So haben sie auch den Fernsehfilm 'Terror' gesehen und das 'Urteil' per Umfrage mitbekommen.

„Da wollte ich doch gestern abstimmen, aber ich kam einfach nicht durch.“ Damit stößt Berta das Thema an. Die beiden anderen wissen, was gemeint ist. Der Fall mit dem Piloten, der ein Flugzeug abschießt, das von Terroristen mit 164 Geiseln in ein Stadion mit 7.000 Besuchern gelenkt werden soll. Das Gesetz verbietet einen solchen Abschuss, weil Geiseln dabei sind. „Immerhin, viele sind am Telefon durchgekommen und haben ihr Votum abgeben können. 87 Prozent haben für 'Nicht schuldig' gestimmt. Ganz in meinem Sinn“; so Berta. „Konnte der Pilot eigentlich etwas anderes tun als Leben retten? Wie hättet ihr denn entschieden?“

„Ja, wie du habe ich zuerst auch gedacht“, so Erna. „Zuerst? Und dann?“ „Ja, mir ist mehr und mehr die fürchterliche Situation bewusst geworden, in der sich der Pilot befindet. Er allein muss eine Entscheidung fällen.“

„Aber es geht um Menschenleben, unterbricht Berta. „Allerdings durch den Einsatz von Gewalt“, wirft Erna sofort ein. „Gewalt,  die  - leider – eben auch viele Unschuldige tötet. Er hat keine Zeit, nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Er muss handeln, so oder so. Er weiß, dass er in jedem Fall 'schuldig' werden wird, entweder vor dem Gesetz, das das Töten verbietet, oder vor seinem Gewissen, das ihn fordert, Leben zu retten. Das hat mich verunsichert. Ich konnte kein 'Urteil' sprechen.“ „Hm. Und du Otti?

„Schwierig. Die Situation des Piloten ist wie sie schlimmer nicht sein kann“, findet auch sie. „Bestimmen über Leben und Tod! Leben oder Tod! Eine Verantwortung, die Übermenschliches fordert. Ich habe mich gefragt, ob es leichter ist, Gesetze als Entscheidungshilfe zu nehmen. Aber es geht um Menschenleben, so viele. Ich wusste keine Antwort.“ Die drei sind sehr nachdenklich geworden. „Dann hat mich noch etwas anderes beschäftigt. Eigentlich sogar richtig geärgert“, so Otti. „Geärgert?“ „Ja, geärgert, ich empfand es als Zumutung, mich einfach zum Schöffen machen zu wollen. Ich sollte Recht sprechen, urteilen. Und hatte nur einige wenige Informationen zu dem Fall. Die gab der Film gar nicht her. Ich hatte keine Möglichkeit, nach Einzelheiten zu fragen. Die 600 000 Befragten übrigens auch nicht. Aber die Veranstalter meinten, wir könnten das schon. Hopp oder Topp, so eben, beim Abendessen quasi, zwischen Suppe und Hauptgericht.“

„So ein komplizierter Fall, total verrückt!“ wiederholt Erna immer wieder.

„So lange habe ich gar nicht darüber nachgedacht“, gesteht Berta. Nach einer kleinen Pause fährt sie fort: „Vielleicht steckt ja noch etwas ganz anderes dahinter.“

„Was denn?“ „ Du kommst doch nicht etwa mit einer Verschwörungstheorie?“ so die beiden anderen. „Ach was! Mir fiel nur der neue Tagessprecher ein.“  „Der, der uns auffordert, für ihn ein Schlusswort für die Tagesthemen zu finden“ ,weiß Erna. „Genau, da kann ich ja noch einigermaßen schmunzeln“, stimmt Berta zu. „ Wahrscheinlich geht es ihm einfach um die Einschaltquote. Viele schalten ein, um zu sehen, ob ihr Beitrag angenommen ist. Oder sind einfach neugierig. Auf jeden Fall steigt die Quote. Und da frage ich mich: Vielleicht stecken solche Überlegungen auch hinter dem Fall 'Terror'. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.“

„Möglich ist alles!“, da sind sich die drei einig. Erna hat noch etwas auf dem Herzen: „Ich habe mir einmal etwas Kurioses vorgestellt. Der Pilot wird nach dem Gesetz, das ganz eindeutig ist, verurteilt. Er bekommt lebenslänglich, sitzt seine Strafe ab. Eine Gruppe von Menschen macht sich stark für ihn, beantragt im Hinblick auf die Tatsache, dass er so viele Menschenleben gerettet hat, das Bundesverdienstkreuz oder etwas Ähnliches. Und bekommt es auch. Darauf in einer Zeitung eine Karikatur:

Er mit Sträflingskleidung und Bundesverdienstkreuz auf einer Pritsche im Gefängnis.
Unterschrift: Lebenslänglich.“
Die drei hängen Ernas Gedanken nach. Nachdenklich. Ratlos. „Ja, Erna, genau das ist die Misere.“

Maria Beier

 

 

Bildadresse:
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