„Erinnerungen an den Maler Gustav Künnemann“

Es ist schon lange her,... eigentlich schon fast vergessen. Aber auch nur fast. Da waren diese lebhaften Augen, das verschmitzte Lächeln, ein wissender Blick mit viel Menschenkenntnis und diese Haare. Schlohweiß, beinahe silbrig, nach hinten gekämmt – halt wie bei einem  Künstler. Ein sympathischer Mensch mit einem bemerkenswerten Talent. Er konnte malen dieser Gustav Künnemann. Ein  ganz einfacher und bescheidener Mann aus Westerkappeln hinterließ nach seinem Tod 1998 eine umfassende Sammlung an Gemälden, die nicht nur seine Heimat wiederspiegeln, sondern sein Talent weit über die Grenzen hinaus bekannt machten.

Einige seiner Werke werden ab Juni diesen Jahres in den Räumlichkeiten des Ibbenbürener Stadtmuseums zu sehen sein. Pfingstsonntag ist um 15 Uhr die offizielle Eröffnung der Ausstellung. Bis zum Jahresende sollen 15 Exponate im Salon, Damen- sowie Herrenzimmer zu sehen sein und interessierte Kunstliebhaber können sich einen kleinen Einblick über Künnemanns Werk verschaffen.

Heute wäre Gustav Künnemann 111 Jahre alt gewesen. Denn am 22. März 1906 kam er als viertes Kind einer Bergmannsfamilie in einer kleinen Bauerschaft mit Namen Metten in der Nähe von Westerkappeln zur Welt. Nach ihm wurden noch weitere fünf Geschwister in die Familie hineingeboren. Der Vater arbeitete bei der Preussag und betrieb nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft. Seine Mutter führte neben dem Haushalt noch einen  kleinen Kolonialwarenladen, um das Existenzminimum der Familie zu sichern.

Gustav wurde in seiner Kindheit immer als ein kleiner Träumer bezeichnet. Oft erzählte er von Erscheinungen und Wundern, die er erlebte – doch so recht wollte man seinen Märchen nicht glauben. Jedoch die in den Wolken fliegenden Pferde, ließen Gustav Künnemann Zeit seines Lebens nicht mehr los. In seinen späteren Werken tauchten sie zusammen mit Geistern und Schicksalen aus der Finsternis seines Lebens immer wieder als Motive auf.

Künnemanns Kindheit war hart und von verschiedenen Schicksalsschlägen geprägt, die sich auch in seinem späteren künstlerischen Schaffen immer wiederspiegeln. Schon früh stand sein Entschluss fest, genau wie sein Bruder August, Maler zu werden. Ihr Wunsch ging zunächst in Erfüllung, doch kurze Zeit später verstarb sein Bruder während eines gemeinsamen Ausflugs zum Drachenfels bei Königswinter. Übrigens: auch der Drachenfels wurde künftig ein immer wiederkehrendes Motiv seiner Malerei.

Seine Lehrzeit als Maler und Anstreicher beendete er 1924 und begab sich anschließend als Geselle auf Wanderschaft durch das Ruhrgebiet bis in die Eifel. 1929 besuchte er in Detmold die dortige Malerschule, danach die von Professor Carl Dünweg geleitete Malerschule in Bochum. Diese Jahre haben dann endgültig sein künstlerisches Talent hervorgebracht und gefördert.

Nach seiner Heirat mit seiner Jugendfreundin Ella Pieper, wird er 1940 zur Wehrmacht einberufen. Mit schwersten Verwundungen kehrte er 1945 zurück zu seiner Frau --- seine rechte Hand  blieb gelähmt und er malte fortan mit der linken. 1950 wurde er in den Landesverband bildender Künstler NRW aufgenommen.

Anfang der 70er Jahre begann für Gustav Künnemann seine Hauptschaffensperiode, die ihm alsbald auch höchste internationale Auszeichnungen einbrachte. Die höchste Auszeichnung des Kreises Steinfurt erhielt er 1993 mit dem Kulturpreis.

Seinem Freund Heinz Inderbiethen aus Belm ist es zu verdanken, dass viele seiner Werke – es sind etwa 600 an der Zahl - bis heute erhalten geblieben sind. So stehen dauerhaft der Velper Mühle etwa 40 Künnemann Bilder zur Verfügung.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1998 schuf Gustav Künnemann aus Überzeugung und Leidenschaft ein umfangreiches Werk für seine Nachwelt.

Kunigunde Moritz,  Sabine Windmann

 

 

 

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