Entwicklung des Marktgeschehens in Ibbenbüren “Früher und Heute“

Unterer Markt mit Plane-Rinnsal auf Pflaster

Markttage in Ibbenbüren. Wer kennt sie nicht! Viele Menschen treibt es an diesen Tagen in die  Stadt. Eine große Vielfalt an zusätzlichen Angeboten, wie Blumen, Obst, Fleisch, Kleidung und einiges mehr.

Ein buntes Bild!

Es fühlt sich gut an, über den Markt zu gehen. Ab und zu ein Schwätzchen halten, weil alte Bekannte über den Weg laufen, vielleicht auch mal in den zahlreichen Kaffees einen solchen trinken und dem regen Treiben zusehen, sauberen Fußes über den Markt schlendern und alles auf sich wirken lassen. So war es nicht immer!

 

 

Wir gehen zurück in das 12. Jahrhundert.

Aus dieser Zeit gibt es einen archäologischen Nachweis über die Entstehung einer Kirche, der heutigen Christuskirche. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass bei der Kirche ein Marktplatz angelegt wurde. Es ist der älteste Platz in Ibbenbüren, genannt Untere Markt.  Da an den Sonntagen an diesem Ort das Leben sehr rege war, konnten hier die Handwerker und Gewerbetreibenden  ihre Geschäfte tätigen, zumal diese nur in der Dorfsiedlung ansässig sein durften.  Bereits im 13. Jahrhundert gab es eine Marktsiedlung mit Marktrecht, wobei Ibbenbüren im Jahre 1560 in Unter – und Oberdorf mit zwei Marktplätzen geteilt wurde. Bis ins 18. Jahrhundert hat Anfang Mai ein Frühjahrsmarkt, der sogenannte Viehmarkt, stattgefunden.

Vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Schweinehandel einmal im Monat auf dem Unteren Markt eine große Tradition. Zeitgleich fand auf der Großen Straße ein Großviehmarkt statt. Er zog sich von der Gaststätte Herbring bis zum damaligen Cafe Meyer, heute Eberle, hin.  Rinder, Kühe, Jungbullen, Ochsen, Schafe und Pferde wurden aus der näheren Umgebung Ibbenbürens und vor allem aus dem Oldenburgischen und Osnabrücker Raum in die Stadt getrieben. Das Vieh  wurde an Eisenringen festgebunden, die sich an Außenwänden der alten Häuser befanden. Noch heute findet man einen solchen Ring am Haus Mohrmann. Mit den Viehmärkten fand auch immer ein kleiner Krammarkt auf dem Oberen Markt statt. Back- und Süßwaren, sowie Pfeffernüsse waren im Angebot und  im Herbst verkauften die Bauern der Umgebung Obst, besonders Fallobst.

Ein reges Treiben!

Der Ortskern Ibbenbürens war lange Zeit unbefestigt, eingerahmt durch die Flüsschen Kützelbach und Plane. Sie verliefen dort, wo sich heute die  Brunnenstraße östlich und die Kanalstraße westlich der Christuskirche befinden und liefen am Unteren Markt zusammen. Entlang der Bachstraße wurde die Plane 1899 verrohrt, zu einer Zeit, als man sich auf dem Unteren Markt noch nasse Füße holen konnte. Dieser ist erst zu einem späteren, nicht genau zu benennenden Zeitpunkt trocken gelegt worden.

“Hanf- und Flachsmarkt in Ibbenbüren“

Zur Hebung der hiesigen Leinenindustrie war es notwendig geworden, auch hier einen entsprechenden Markt abzuhalten. Beschlossen im August 1844 und zur Kenntnis gebracht, dass künftig am 1. Oktober jeden Jahres ein Hanf- und  Flachsmarkt stattfinden solle. So ist es geschehen!

Als in den 1850er Jahren die mechanische Leinenweberei einsetzte, verlor der Markt immer mehr seine Bedeutung, behielt aber noch bis in die Jahre 1890 diese Marktbezeichnung, obwohl ganz andere Artikel umgesetzt wurden. Von Oktober 1927 an wurde auf dem neu geschaffenen Marktplatz mitten in der Stadt, dem Neumarkt, zwei Mal im Monat Viehmarkt abgehalten.  Durch die Schaffung dieses zusätzlichen Platzes hat der Handel mit Vieh an Bedeutung gewonnen. Außerdem fand ab 1928 an jedem Mittwoch und Freitag in Ibbenbüren Wochenmarkt statt, der besonders von Hausfrauen außerordentlich begrüßt wurde. Wahrscheinlich lief dieser Handel noch bis zu den Anfängen des 2. Weltkrieges, früher am Oberen Markt, heute auf dem Platz vor der Christuskirche und dem Neumarkt.

Zu bemerken ist auch, dass sich während der Kirmestage die Marktbuden an allen Hauptstraßen der Stadt, von der Oberstadt (entlang der Münsterstraße) bis zur Werthmühle hinzogen. Bis in die 1950er Jahre hatte  der Neumarkt noch die Bezeichnung „Viehmarkt“. Zeitzeugen berichten, dass sich ein Wochenmarkt im heutigen Sinn, erst wieder nach dem Krieg, Mitte des 20. Jahrhunderts, etabliert hat und das auch nur freitags. Der Mittwoch wurde erst Jahre später als zusätzlicher Markttag angeboten. In den 1970er Jahren hat es durch die Stadtsanierung des Neumarktes in Ibbenbüren, eine Verlagerung des Wochenmarktes gegeben. Die Ware wurde erstmals über die Marktstraße bis zum Unteren Markt angeboten.

Diese Erweiterung fand großen Anklang in der Geschäftswelt, da nun auch Geschäfte entlang der Marktmeile von zusätzlichen Besuchern des Marktes profitieren konnten.

Und so ist es auch heute noch!

Kuni Moritz

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