Die Entwicklung der Gewerkschaften

Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung von Arbeitnehmern zur Vertretung der gemeinschaftlichen wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Diese kann auch als Kontrollorgan der Arbeitgeber gesehen werden. Eine Mitgliedschaft ist freiwillig und als Mitglied zahlt man 1 Prozent vom Bruttolohn. Durch eine Gewerkschaft kann auf die Arbeitgeber mehr Druck ausgeübt werden als wenn der Einzelne es macht. So können Gewerkschaften Tariflöhne verhandeln und auch sonst Einfluss auf sonstige Arbeitbedingungen wie Arbeitszeiten, Zulagen etc. nehmen.

Daher ist es interessant zu betrachten, wie sich die Gewerkschaften entwickeln, wodurch sie entstanden und wie sie heute aufgestellt sind. Die Entwicklung der Gewerkschaft läßt sich in folgende Epochen unterteilen:

Zeit der Industrialisierung und Kaiserzeit  bis zum 1. Weltkrieg von 1830 - 1914

In der Zeit der Industrialisierung sind die Arbeitsbedingungen ziemlich schlecht. Für Hungelöhne müssen Frauen, Männer und Kinder 14 bis 16 Stunden am Tag arbeiten. Die ersten Versuche, sich in Arbeitervereinen zusammenzuschließen, scheitern. Erst 1848 schaffen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen Gehör. Nach dem deutsch- französischen Krieg (1870/71) verliert die junge Gewerkschaftsbewegung an Einfluss. Zur Zeit des Kaiser Wilhelm II wird die Gewerkschaft wieder stärker, obwohl viel Widerstand vom Staat kommt. Während des 1. Weltkrieges lässt sich die Gewerkschaften zu einer Volksgemeinschaft ohne Partei einbinden. Doch es fehlt an Zustimmung der Arbeiterschaft aufgrund der schlechten Nachrichten vom Krieg.

1918 - 1933   Abdankung Wilhelm II., Beginn Weimarer Republik

Die Gewerkschaften sollen nicht parteigebunden sein. Doch diese unterstützen den Weg in die parlamentarische Demokratie. Der Einfluss und die Mitgliederzahl steigt. Es wird der Achtstundentag eingeführt und die Löhne steigen moderat. Als sich die Wirtschaft nach der Inflation 1923 erholt, können die Gewerkschaften Erfolge in der Tarif- und Sozialpolitik aufweisen und gewinnen an Mitgliedern. Ab 1930 steigt die Arbeitslosenzahl und somit gerät die Gewerkschaft zwischen den Fronten der Parteilen. Die Löhne werden geringer und die Arbeitslosen geraten in Not.

1933 - 1945 NS- Zeit, 2. Weltkrieg

Die Gewerkschaften bieten dem neuen Regime ihre Mitarbeit an. Trotzdem werden am 2. Mai 1933 die freien Gewerkschaften zerschlagen. Die soziale Lage verbessert sich in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Diktatur. Aufgrund des Aufbaues der Rüstungsindustrie sinkt die Arbeitslosigkeit, die Löhne sind stabil und die Versorgungslage ist gesichert.

1945 - 1991 Nachkriegszeit und Entwicklung in der Bundesrepublik

Nach dem Krieg versuchen, die Gewerkschaften und Betriebsräte, die Betriebe wieder aufzubauen. In der Bundesrepublik wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Dachverband der Einzelgewerkschaften. Der DGB bezeichnet sich als „Parlament der Arbeit“ und beschließt wirtschafts- und sozialpolitische Leitsätze mit den Forderungen nach Sozialisierung der Schlüsselindustrie, Wirtschaftsplanung und Mitbestimmung. Am 1. Mai 1955 wird die vierzigstündige „5 - Tage - Woche“ bei vollem Lohnausgleich gefordert. Auf dem Bundeskongreß 1962 entstehen Forderungen nach Selbsbestimmung, Wiedervereinigung und gegen die Verletzung der Menschenrechte in der DDR. Auch soll es gleichen Lohn für Frauenarbeit geben. 1965 fordert die Gewerkschaft eine kürzerer Arbeitszeit und ein 13. Monatsgehalt. Das Verhältnis zur Regierung verbessert sich mit Beginn der Großen Koalition  (1965) und erst recht, als 1969 Willy Brand als erster Sozialdemokrat zum Kanzler gewählt wird. Der DGB fordert 1972 mehr Mitbestimmung, Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

1949 - 1990 Verhältnisse in der DDR

Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) stellt sich in dem Dienst der SED. Es gibt keine gewerkschaftliche Tarifpolitik im Westen. Die Betriebe werden enteignet. Der FDGB führt die Verlangen der SED aus. Er setzt alles daran, die Produktivität zu steigern und ist mitverantwortlich in der „moralischen“ Erziehung der Werktätigen und versucht die Jugend für die Nationale Volksarmee zu gewinnen.

1991 - 2015   Wiedervereinigung und Zusammenwachsen von Europa

Durch die Wiedervereinigung und das Wachsen von Europa und die Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt. Die Hoffnung, dass es allen besser geht, zerrinnt. Viele Sozialleistungen werden abgebaut. Dabei gelingt es der Gewerkschaft nicht, dagegenzusteuern. Erfolge sind jedoch in der Tarifpolitik erkennbar. Weitere Forderungen des DBG’s sind 1995 berufliche Bildung, das heißt. allen Jugendlichen soll ein Ausbildungsplatz gegeben werden.

Weitere Leitsätze seit 1997 sind „Für Arbeit und Gerechtigkeit“, „Die Würde des Menschen ist unser Maßstab“, „Arbeit, Gerechtigkeit und Solidarität“. Am 14. und 15. Mai 2009 findet ein Kapitalismuskongreß statt, in dem man sich über die aktuelle Wirtschaftskrise auseinandersetzt.

Die Gewerkschaften haben folgende Aufgaben:
- Abschluss von überbetrieblichen Tarifverträgen für Mitglieder, aber in der Regel auch für Nichtmitglieder
- Organisation und Durchführung von Streiks
- Beratung bei arbeitsrechtlichen Fragen
 
Die Ziele sind:
- Durchsetzen höhere Löhne
- Schaffen von besseren Arbeitsbedingungen
- Arbeitszeiten regeln, Schichtregelukngen, Wochenend- und Feiertagsarbeit
- Mitbestimmung
- Schaffen und Sichern von Arbeitsplätzen

In Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigte sitzen Gewerkschaftsmitglieder als Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Viele Mitglieder einer Gewerkschaft sind dann auch Mitglied im Betriebsrat ihres Arbeitgebers.

Im allgemeinen wird den Mitgliedern einer Gewerkschaft folgendes geboten:
- Rechtsanspruch auf ausgehandelten Tarifvertag
- kostenloseRechtsberatung und Rechtschutz in arbeitsrechtlichen Fragen, z.B. Kündigung
- kostenloser Rechtschutz bei Problemen mit Sozialversicherungen
- Unterstützung bei Streiks, vor allem bei Aussperrung und Maßregelung durch Arbeitgeber
- Weiterbildungsangebote
- Private Unfallversicherung

Verteilung der Mitglieder auf die einzelnen Gewerkschaften

Es gibt 2015 insgesamt 6.095.513 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Gewerkschaften wie folgt verteilen: 

 

 

 

Diaramm: Entnommen,Wikipedia:upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6f/Wzwz_statistik_DGB.png

 

 

 

 
Abkürzungen:
IG BCE: Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, GEW: Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, IGM: Industriegewerkschaft Metall, NGG: Nahrungsmittel, Genuß, Gaststätten, GDP: Gewerkschaft der Polizei, EVG: Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, ver.di: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, IG Bau: Industriegewerkschaft Bau.

Norbert Tenberg

 

Bildquellen:
DGB:upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6f/DGB.svg/200px-DGB.svg.png
Aufteilung:upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6f/Wzwz_statistik_DGB.png

 

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