Eine Bildergeschichte aus dem Aatal und das Vermächtnis des vergessenen Malers Max Kicherer.

Ein weitgehend vergessener Kunstmaler wirkte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg im Tecklenburger Land der viele Werke seines künstlerischen Schaffens hinterlassen hat. Max Kicherer, geboren 1899 in Baiersbronn im Schwarzwald, war laut Adressbuch Kunstmaler und auch in seinem Ausweis von der Reichskammer für Bildende Kunst war „Kunstmaler“ eingetragen.

Mit 18 Jahren geriet er im ersten Weltkrieg als Marinesoldat in russische Gefangenschaft. Bald wurde sein frühes Talent bekannt und er malte Porträts von russischen Generälen. Über seine Zeit bis zum zweiten Weltkrieg ist nichts bekannt, jedenfalls wohnte er von 1942 bis 1956 an der Nordbahnstraße in Uffeln bei einer Familie Huilmann. In der schweren Zeit des Krieges und der Nachkriegszeit war er bettelarm und hatte kaum etwas zu essen. Daher fuhr er täglich mit seinem Fahrrad zu den Bauern in Uffeln oder nach Hopsten, um Aufträge für Ölgemälde zu bekommen.

Kicherer war eine recht auffällige Gestalt, ein kleiner Mann mit Baskenmütze und Knickerbockern, auf dem Gepäckträger hatte er seine Staffelei. Wenn er mit dem Rad unterwegs war, lief neben ihm sein Schäferhund mit. In der Zeit von etwa 1948 bis 1950 war er häufig im Laggenbecker Aatal und machte dort für die meisten Bauern Ölgemälde ihrer Höfe. Er malte auch das Bild mit dem Auerhahn , welches das Jägerzimmer schmückte und hielt zahlreiche Fachwerkhäuser im Tecklenburger Land bildlich fest, doch diese Häuser sind inzwischen größtenteils ab­gerissen.

Kicherers Bilder hängen auch heute noch in vielen Privathäusern und so mancher ältere Bauer aus dem Aatal erinnert sich an ihn. Als Lohn für seine Arbeit winkte häufig ein deftiges Essen und etwas Schnaps. Den Schluck brauchte er für seine künstlerische Inspiration. Er lebte in absoluter Mittellosigkeit wie sei­ne Vorbilder, die großen Maler des Impressionismus und des Expressionismus in Paris. Vor Ort angekommen, stand er dann an seiner Staffelei und machte eine Kohlezeichnung, die als Vorlage diente. Zuhause wieder angekommen, malte er das farbige Bild in Öl auf Leinwand.

Was später aus Max Kicherer wurde, ist kaum bekannt. Paul Johannemann vom Heimatverein Hopsten wusste aber, dass Max Kicherer 1958 ganz allein in der Ruine der alten Zichorienfabrik Siering in Hopsten gewohnt hat. Von dort zog es ihn auf die Insel Norderney. Er starb am 7.4.1969, und sein Grab befindet sich auf dieser Nordseeinsel. 

Eine Geschichte in acht Bildern

Diese Bildergeschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und sie handelte 1951 im Umfeld des bekannten ehemaligen Gasthauses Brockschmidt im Aatal. Vom Gastwirt Brockschmidt hat Kicherer zahlreiche Aufträge bekommen.

In der Wirtschaft kamen einige Gäste an der Theke einmal mit ihm ins Gespräch und wollten ihm ein paar Vorschläge für seine Bilder machen. Ein Gast machte den Vorschlag, Kicherer solle doch zu seinen Landschaftsbildern ein paar Rehe hinzufügen, wie sie aus der Aa Wasser trinken. Er entgegnete: „Halt, jetzt spricht der Maler, Rehe trinken kein Wasser aus der Aa, sondern sie lecken den morgendlichen Tau von den Blättern“!

Die acht Bilder, von denen diese Geschichte handelt, hingen nach ihrer Fertigstellung jahrelang im Jägerzimmer der Wirtschaft und ihre Geschichte wurde immer wieder gern erzählt. Heute sind diese Bilder im Besitz des Stadtmuseums Ibbenbüren. Der Gasthof Brockschmidt hatte einen kleinen Tierpark mit Füchsen, Pfauen, Waschbären, Eichhörnchen, Lachtauben, Goldfasanen, Falken u.Eulen.

August Keller und sein Nachbar Jürgen Brockschmidt haben eines Tages unter dem Schuppen von Bauer Schulte-Laggenbeck zwei Jungfüchse ausgegraben, die Dackel von Brockschmidt hatten das zwar versucht, aber nicht geschafft, weil der Bau zu eng war. Die Füchse kamen in Brockschmidts Tierpark. Das Halten von wildlebenden Füchsen war aber streng verboten und der zuständige Förster Starke bekam Wind davon, es kam daher zu einer Polizeikontrolle am Gasthof. Der Laggenbecker Gendarm Paul Walke kam also mit dem Förster Starke vom Forst Habichtswald und einem Forstgehilfen. Sie wollten die Füchse zum Hof Kötter-Bergmeyer bringen, um dort die Füchsin anzulocken und zu fangen mit dem Ziel, die Tiere wieder auszuwildern.

Folgende Szenen sieht man auf den Ölbildern von Max Kicherer, wobei die Dinge, die er nicht dargestellt hat, in Klammern gesetzt sind.

Der Jäger Starke mit seinem Gehilfen, links der Gastwirt Hans Brockschmidt. Er soll erklären, woher er die beiden Füchse hat. Der Münsterländer-Hund von Starke zeigt schon die Zähne, die beiden Jungfüchse sind bei Brockschmidt im Stall hinter Maschendraht.

 

 

 

Der Jäger Starke mit seinem Hund, links der Gendarm Paul Walke Die Stalltür steht offen, (Jürgen Brockschmidt hat die beiden Füchse schon im Sack) rechts im Hintergrund ist das Gehöft Tönnies-Taschner zwischen den Bäumen zu sehen. (Jürgen rennt mit den beiden Füchsen im Sack Richtung Hof Tönnies davon, er will sie dort in Sicherheit bringen)

 

 

 

Gemütliche Tischrunde - Starke, Brockschmidt und Walke sitzen in einer Gartenlaube im Tier-Park (daher kommt der Name Park-Haus). Sie heben die Gläser und prosten sich zu, nachdem sie eine Lösung für die beiden Füchse ausgehandelt haben.

 

 

 

Brockschmidt, Starke und Walke hinter dem kleinen Schuppen mit Schleppdach (er steht noch heute) hinter dem Hof Tönnies-Taschner. Jürgen kommt mit den beiden Füchsen vom Hof Tönnies und geht zum Schuppen (schemenhaft zu erkennen).

 

 

 

Walke und Starke sind wieder vor dem Stall im Tierpark Brockschmidt. Ein Jungfuchs darf bei Brockschmidt bleiben, der zweite Fuchs kommt in den Rucksack von Förster Starke, der nimmt ihn mit zum Hof Bergmeyer.

 

 

 

 

Es wird Nacht auf dem Hof Bergmeyer-Seifert. Im Drahtkäfig vor dem Giebel sitzt einer der beiden Jungfüchse, er soll seine Mutter anlocken. Das hat geklappt, im Vordergrund sitzt die Mutter der beiden Füchse. Förster Starke und Gendarm Walke sind im Giebelfenster zu sehen, schussbereit mit Gewehren. Aber sie sind eingeschlafen, nachdem sie zu viel Jägermeister getrunken haben. August Keller aus dem Aatal hat sich herangeschlichen und liegt nun vor dem Käfig, er will den Jungfuchs entführen.

 

 

Während die beiden Schützen eingeschlafen sind, hat August Keller sich den Jungfuchs aus dem Käfig bei Bergmeyer geschnappt und in seinem Rucksack verstaut, er entfernt sich nach links.

 

 

 

 

Fröhliche Tischrunde im Tierpark Brockschmidt, die Lösung ist gefunden. Links sitzt August Keller, Paul Walke sitzt in der Mitte, er hebt das Glas ganz hoch, Hans Brockschmidt sitzt rechts. Auf dem Tisch steht eine Flache Steinhäger. Vor dem Stall liegt der Dackel von Brockschmidt. Die beiden Jungfüchse sind wieder zusammen und sie dürfen bei Brockschmidt bleiben, darauf wird das Glas gehoben.

 

 

Werner Suer

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