Die Marienkapelle in Lehen

Marienkapelle in Lehen

Entstehung

Nach Überlieferungen von Konrad Bußmanndem Opa von Ludger Bußmann sen., hat alles so angefangen, wie es früher oft üblich war:
In einer Familie wurde ein Mädchen geboren, welches nicht laufen konnte. Mit der großen Hoffnung an Gott und auf Heilung haben ihre Eltern 1861 ein Wegekreuz aufgestellt. An dieser Stelle kreuzten sich damals der heutige „Goldbusch“ und der „Sandweg“. Im Jahre1920 wurde hier die Kapelle errichtet. Marienkapelle wurde sie früher genannt und später Kapellchen.

Raymund Hinkel, geboren 1956 in Düsseldorf, Cousin von Josef Brügge und ein Nachfahre der Familie August Brügge und Auguste, geborene Dierkes, hat am 15.6.2012 folgendes geschrieben:

„Im Augenblick wird der 1300. Todestag des ältesten Glaubenszeugen unserer Heimat (Suitbert) gefeiert. Er war angelsächsischer Missionsbischof und  wirkte in Südfriesland.  Er war Apostel der Seelsorge, ihm gewidmet ist das Heiligenhäuschen in Lehen…“ Der Bruder von August Brügge, Martin, geboren 1932,  erinnert:

„Es war eine Kapelle der Bauern Bussmann und Bärtels.

Dort wurde gebetet, dass alle gesund wiederkommen und dass der Krieg bald zu Ende geht. Zu Fronleichnam war eine kleine Bauern-Prozession mit Pastor Daldrup. Die Kapelle war 8-eckig, innen war ein Kreuz, davor war das Bild der Schönstatt-Muttergottes. 1945 war die Kapelle zerstört worden, da hat mein Vater das Dach erneuert.“

Bis zum Krieg war in der Kapelle ein Marienbild aufgehängt, welches später auf einem der Nachbarhöfe aufbewahrt wurde.  

Zerstörung

Die Kapelle wurde1945 durch den Granatenbeschuss stark zerstört. Es entstand ein großes Loch. In der Nähe der zerstörten Kapelle wurden drei Soldaten begraben und später umgebettet.

Wiederaufbau

Raymund Hinkel :

„Meine Mutter Hedwig Hinkel, geborene Brügge, geboren 1936, erzählte früher, dass ihr Vater, August Brügge, geboren 1877, gestorben 1962,nach dem 2. Weltkrieg beim Wiederaufbau der Kapelle geholfen hat.“

Viele Leute haben danach gestrebt, diese Kapelle an gleichem Standort wieder aufzubauen. Der „Ausbau“ der Marienkapelle wurde zu einem Gemeinschaftswerk. Eines guten Tages lagen plötzlich Bruchsteine an der Kapelle.  Die Dachdecker - und Mauerarbeiten wurden kostenlos  von  Freiwilligen durchgeführt. Alles wurde  gespendet. Das Holz für das Dach  wurde von Hans Althaus gezimmert.  

Der Eichenbalken, aus dem der Korpus entstehen sollte, wurde vom Pastor gesegnet. Der Herrgott-Schnitzer Egon Imholz , „Ipo“ genannt, hat daraus 1948 den Korpus Christi geschnitzt. Er war ein begnadeter Laienkünstler und diese Schnitzfigur war sein Meisterstück. Das Holz vom Korpus stammte von der Achse des Mühlrads, der im Krieg abgebranntenWerthmühle Hardebeck. Dieses Holzteil befand sich zuvor immer unter Wasser. So kam Jesus in die Marienkapelle.

Im Laufe von all diesen Jahren haben zwei Familien die Kapelle gepflegt, gehegt und renoviert: Familie Bußmann und Familie Bärtels. 1989 erlitt die Kapelle erneut einen starken Schaden durch eine umgestürzte alte Linde. Sie wurde von der Familie Bärtels komplett renoviert. Seit etwa 1998 betreut die Familie Elisabeth und Ludger, sen. Bußmann  diese Kapelle.

Einweihung und Grundsanierung

Die Kapelle wurdeum 1950 durch einen Geistlichen geweiht.

 

Aus dem Archiv der IVZ, Artikel „Die Marienkapelle in Lehen“, erschienen am 19.11.1953, verfasst von Ferdinand Schulte, genannt Fännland:

Wir gingen den Weg im Grünen der jungen Saat, sahen die Ähren sich bilden und füllen mit der Kraft des reifen Kornes. Immer verhielten wir den Schritt vor der Kapelle, an deren Stelle früher ein Kreuz stand, als tröstendes Mal der überdauernden Unvergänglichkeit in dem wandelbaren Wechsel der Natur.
Rektor Strumann, der verdiente Lehrer und Erzieher, soll genannt werden als Initiator dieser Stätte, die im letzten Weltkrieg zu einer Marienkapelle wurde.
Vielen sind die stimmungsvollen Maiandachten in Erinnerung, zu denen mit unserer Pfarrjugend die Gläubigen sich sammelten vor der Kapelle zum Lobe der Maienkönigin in der blühender Natur
…“

Ab 1975 organisierte die Architektin Barbara Biekötter eine Grundsanierung der Kapelle.

Heute

Heute ist die Kapelle eine Stätte zum Verweilen und immer noch ein Ausdruck der Glaubenstreue. Jeden Tag brennt hier ein Licht. Viele Pilger und verschiedene Wandergruppen machen an der Kapelle Rast.
So, veranstaltete zum Beispiel die KAB Laggenbeck mit Dechant Dördelmann 2017 an der Kapelle eine Andacht. Ludger Bußmann  erzählte bei diesem Treffen die Geschichte der Kapelle.

Der am 2.12.2013 durch den IS-Vandalismus zerstörte Korpus (Arme und Dornenkrone) war zunächst bei der Staatsanwaltschaft in Münster, dann bekam Ludger Bußmann ihn zurück. Georg Schröer hat den Korpus nach der Zerstörung gewaschen, lackiert, das Kreuz zusammengeflickt und alles wieder zusammengefügt. Die beiden Ruhebänke in der Kapelle hat Ludger Windoffer rot gestrichen.

Aus dem Archiv der IVZ, Artikel „Die Marienkapelle in Lehen“:

Schlichter Sandstein der Heimat ist das Äußere der Kapelle.
Hinter der Kapelle hebt sich der heimatliche Berg, weit im Rund lagern sich die alten Höfe zwischen Äckern in hoffnungsvoller Saat. Und über allem wölbt sich der Himmel, der die Seelen weitet…“

 

Recherchen, Zusammenfassung: Olga Rodionova
Recherchen, Fotos: Werner Suer

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