Die Katharinenkapelle in Dörenthe.

In der Bauerschaft Dörenthe stehen unweit des Hockenden Weibes an der Chaussee von Münster nach Ibbenbüren zwei Steinkreuze. An der Stelle, wo das schief stehende der beiden Kreuze seine Front der Straße zuwendet, ragen noch heute die Fundamente der ehemaligen Dörenther Kapelle aus dem Boden. Sie stand noch im Jahre 1487.  In diesem Jahr weihte der Weihbischof Johannes Wenneker in Mettingen zwei Bilder, darstellend die Gottesmutter und Glorreiche Jungfrau Maria und die Jungfrau Katharina, die in der zur Pfarre Ibbenbüren gehörenden Kapelle in der Bauerschaft Dörenthe aufgestellt werden sollten, wo bislang schon Beichte gehört und Messe gelesen sei.

An allen Marienfesten sollte ein Ablass zu gewinnen sein durch Besuch dieser Bilder (Zitat Cremann Seite 43). Laut obiger Nachricht hatte also um 1487 zu Dörenthe schon lange eine Kapelle bestanden, in der die Dörenther Bauern ihrer Sonntagspflicht genügen konnten. Ein Grundstück in unmittelbarer Nähe heißt heute noch Kerkhof, ein anderes heißt Wehme (Kirchenbesitz). Auf dem südlich der Kapelle gelegenen Schmiemannschen Hof soll der Kaplan gewohnt haben. Wir haben sichere Nachrichten darüber, wann und von wem diese Kapelle zerstört wurde. Das muss um die Zeit von 1541 bis 1548 geschehen sein, als die Grafschaft Lingen an den Erbgrafen Conrad von Tecklenburg zurückfiel. Die Äbtissin von Herford wirft ihm nämlich 1596 als Patronin von Ibbenbüren vor, dass er vor vielen Jahren nicht nur verschiedene namentlich aufgeführte Güter entfremdet, sondern auch eine Kapelle ruiniert habe.

(Die Äbtissin von Herford war die weltliche Patronin, der Erbauer einer Kirche war jeweils der weltliche Patron).

Vor 1541, solange noch Graf Nikolaus Landesherr war, ist die Zerstörung kaum denkbar, begann man doch unter ihm im Jahr 1523 in Ibbenbüren mit dem Neubau der Ortskirche (der jetzigen evangelischen Kirche), wobei Graf Nikolaus unterstützend mitgewirkt hat. Dagegen wird Graf Conrad nach 1541, als Graf Nikolaus gestorben und die Grafschaft Lingen an seinen streitsüchtigen Neffen Conrad übergegangen war, an den Grenzen des Territoriums Ibbenbüren den Streit vom Zaun gebrochen haben.

Das hier aufgestellte Grenzkreuz teilte die Bauerschaft Dörenthe ehemals in eine Nord- und Südhälfte. Die Nordhälfte gehörte zur Ibbenbürener Kirche, ihr Südlicher Teil dagegen, der an Saerbeck grenzt, gehörte zusammen mit Brochterbeck zur Obergrafschaft Lingen. Dieser Zugehörigkeit entsprechend ist die Stirnseite des Dörenther Grenzkreuzes mit dem darauf eingeritzten Kreuz-Zeichen der Ibbenbürener Kirche zugewandt. Die Arme dieses Grenzkreuzes weisen nach West und Ost eine alte Landstraße entlang, die von Riesenbeck kommend, am Dörenther Kley (Kleeberg) entlang nach Brochterbeck führte.

Alle Bauern, die mit ihren Besitzungen nördlich dieses Grenzkreuzes lagen, nannten sich „Krüzelingsburen“ (Kreuzbauern), eine Bezeichnung, die bei ihnen noch heute unvergessen ist. Als nach 1548 die Grafschaft Lingen und damit auch der südliche Teil von Dörenthe in die niederländisch-spanische Verwaltung gekommen war, haben die Krüzelingsbauern ihre Kapelle nicht wiederaufgebaut. Ibbenbüren und seine Patronin hatten formell kein Recht dazu, weil sie unmittelbar hinter ihrem Grenzkreuz lag. Ein zwingendes Bedürfnis lag auch nicht mehr vor, nachdem durch den Neubau der Ibbenbürener Ortskirche hinreichend Raum für alle Pfarreingesessenen geschaffen war. Die heilige Katharina wurde aber schon damals als zweite Schutzpatronin in die Ibbenbürener Kirche übernommen. In solcher Erkenntnis wird man wohl die Tatsache der Stilllegung der Dörenther Kapelle durch die Errichtung des kleinen Kapellen-Kreuzes in ihren Ruinen bestätigt haben. Man setzte es, entsprechend der kirchlichen Vorschrift, an diejenige Stelle, wo der Altar gestanden hat.

Seine Front zeigt nach Westen, die Rückseite nach Osten, was der Orientierung der damaligen Kapelle entspricht. Die heilige Katharina hat sicherlich durch ihre Fürbitte manches Unglück von unserer Heimat abgewandt.

Das schreibt Anton Rosen 1951 durchaus kritisch:

Schon aus Dankbarkeit hätte man die neue Kapelle (die heutige Modestus-Kirche) von Dörenthe der Schutzpatronin Katharina weihen müssen. Man scheint eine Ortsheilige, vor deren Bild man ehedem einen Ablass gewinnen konnte, heute vergessen zu haben. Vielleicht kann man den Fehler dadurch wieder gut machen, dass man die heilige Katharina zur Schutzpatronin für die neue Kirche in Bockraden (die Michaelskirche) erwählt. In einer Zeit der religiösen Gleichgültigkeit haben wir die Fürbitte der heiligen Katharina, einer Glaubensverfechterin, nötiger denn je.     

Der Bau der Michaelskirche erfolgte 1954 und man wählte den heiligen St. Michael zum Schutzpatron. Der Wunsch von Anton Rosen ging nicht in Erfüllung.

Zum Schluss noch etwas zur sogenannten Katharinen-Kapelle zum Schmunzeln:

Wenn am Sonntag Messe in der evangelischen Kirche war, drückte sich so mancher davor oder er verdrückte sich bald aus der Kirche und ging stattdessen in die Kneipe und trank ein paar Bierchen im Gasthaus Hilckmann gegenüber der Kirche. Wenn er dann gefragt wurde, ob er die Messe besucht hatte, sagte er „Ich war in der Katharinen-Kapelle“ - bei Hilckmanns Katharina. 

Werner Suer

Foto 1: von Nordosten, vom Archiv des Stadtmuseums Ibbenbüren

Linkes Kreuz, Kapellenkreuz, kleineres Kreuz, ca. 1,50 m,  (hat keine Neigung), die linke Seite ist die Front, sie zeigt zur Münsterstr.

Rechtes Kreuz, Grenzkreuz, größeres Kreuz, ca. 1,70 m, mit eingeritztem Kreuzzeichen, das Kreuzzeichen in der Front blickt nach Norden zum Berg.

Foto 2: Handskizze, Situationsplan der beiden Kreuze, gezeichnet W. Suer

Foto 3: Stimmungsbild

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