Marie ist absolut nicht abergläubisch

Als ihr Mann noch lebte, konnte Marie natürlich alle Entscheidungen, die sie treffen musste, mit ihm besprechen. Allerdings konnte es passieren, dass sie letztlich genau das Gegenteil von dem machte, was ihr Mann vorschlug. Das führte dann zu Diskussionen, in denen sie  immer wieder die Frage beantworten musste, weshalb sie ihn überhaupt gefragt habe.Für Marie war das ganz einfach,  wenn sie hörte, dass ihr Partner so oder so entscheiden würde, wusste sie oft, dass sie es so nicht wollte. Bis zuletzt konnte oder wollte ihr sonst so verständnisvoller Mann das nicht verstehen.Wie auch immer, natürlich standen gerade nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes wichtige Entscheidungen an, die sie nun ohne seinen Rat treffen musste. So zum Beispiel ihr Umzug von Bielefeld nach Ibbenbüren. Und was machte Marie? Sie legte Patiencen und das gefiel ihr so gut, dass sie die Karten bis heute befragt.  Bevor sie beginnt, sagt sie sich, wenn die Karten aufgehen, mache ich dieses oder jenes, wenn nicht, lasse ich es.

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Frühling lässt sein blaues Band

Marie liebte schon als Kind Gedichte, und so lernte sie während ihrer Schulzeit begeistert ellenlange Strophen. Oft zum Spott ihrer Mitschüler. Doch das kümmerte sie nicht. Später, als ihre eigenen Kinder schulpflichtig wurden, besprach man zwar in der Schule Gedichte, doch auswendig zu lernen brauchten die Schüler sie nun nicht mehr.

Marie bedauerte das sehr, und als ihr Sohn fünf Jahre alt war, versuchte sie während eines Osterspaziergangs dem kleinen Kerl das Gedicht: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“, bei zu bringen. Zu Maries Freude gelang das tatsächlich in relativ kurzer Zeit, und Mutter und Sohn hatten fortan „ihr“ Gedicht.

Jahre später, der junge Mann war inzwischen etwa zwölf Jahre alt, beklagte sie einmal mehr das „Nichterlernenmüssen“ der schönen alten Gedichte, worauf sie sich anhören durfte, dass die heutige Jugend heilfroh sei, dass sie diesen Quatsch nicht zu lernen brauchte. Nun denn, Marie verstand ihre Lektion und erwähnte derartiges nicht mehr.

 

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Herr Althoff hat Geburtstag

Marie- Geschichte

Marie kann sich Daten und Telefonnummern, die für sie wichtig sind oder die sie interessieren, auf Anhieb merken. So weiß sie bereits beim Aufwachen, wer Geburtstag hat oder ob irgendein anderer wichtiger Tag ist.

Der 24. Januar jedoch hat eigentlich keine besondere Bedeutung und doch ging er Marie während des ganzen Tages nicht aus dem Sinn. Schön, sie und ihre Mutter haben am 24. Geburtstag. Die Mutter im April und Marie im Mai, doch am 24. Januar, was war da?

Und dann fiel es ihr ein. Es war am 24.ten Januar vor mehr als 20 Jahren, Maries Mann kam nach Hause und Marie, die ja alle Daten im Kopf hat, sagte zu ihm:

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Turne bis zur Urne?

Marie musste lachen, als sie den so betitelten Artikel Professor Grönemeyers las. Turne bis zur Urne, so ein Quatsch, dachte sie, was hat der Mensch davon, wenn er in der Urne liegt und am Tag zuvor noch geturnt hat?

Doch dieser Satz ließ sie nicht recht los. Vielleicht war auch ein wenig schlechtes Gewissen dabei, denn seit Beginn der Ferien hatte sie ihre fünf Tibeter nicht gemacht. Es fehlte ihr morgens wirklich an Zeit, nee, stimmt nicht, sie hatte einfach keine Lust, wenn sie ehrlich war.

 

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