Tag der kleinen Forscher

Tag der kleinen Forscher

Deutschland sammelt Zeit/ Forschen beginnt mit Fragen

Ibbenbüren. Schon der Meisterphilosoph Immanuel Kant wies darauf hin, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Kant sagte, dass nicht sowohl die Weisheitslehre als vielmehr das Streben zu ihr zum Grunde der Wissenschaft liegt, von der man oft und mit Recht sagt: Weise zu sein ist besser als alles Wissen.

Doch um weise werden zu können, muss man zunächst eine Wissensbasis haben. Das klingt kompliziert – ist es aber nicht. Kinder wollen die Welt entdecken und begreifen. Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas helfen ihnen dabei. Sie bilden sich regelmäßig in Workshops der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" weiter, um die Kinder beim Erforschen naturwissenschaftlicher Phänomene sowie technischer und mathematischer Fragen im Alltag zu fördern.

Kinder schon frühzeitig zu motivieren, einen technisch-wissenschaftlichen Beruf in Erwägung zu ziehen – das ist das Ziel von Deutschlands größter frühkindlicher Bildungsoffensive. Wer Spaß am Lernen entwickelt, wird auch in der Schule seine Talente und Präferenzen weiterentwickeln und zeitlebens neugierig bleiben. Gerade ein an Ressourcen armer Technologiestandort wie Deutschland ist verstärkt auf naturwissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen.

Angenehm zu beobachten war, dass Kinder mit unterschiedlichen Migrationshintergründen völlig unbefangen miteinander umgingen; was wohl auch auf die sehr engagierte Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher zurückzuführen war und somit die Bildungschancen gerade dieser Kinder erhöht.

Vor diesem Hintergrund sammelt Deutschland Zeit für kleine Forscherinnen und Forscher. Die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie einiger Sponsoren ist heruntergebrochen auf lokale Netzwerke – in Ibbenbüren auf das "Familienzentrum Sonnenblume". Der hiesige Netzwerkoordinator ist der Hauptschulrektor i.R. Hans-Jürgen Himstedt, der alljährlich am 12. Juni zum Forschertag der Kitas in bbenbüren einlädt.

Dass lokale Netzwerk hatte sich dem Thema "Zeit" gewidmet. Der lokale Netzwerkkoordinator betreut über 40 Kitas im Raum Ibbenbüren. Die Kinder sind im Alter von vier bis sechs Jahren. Ein gravierendes Problem, schilderte Hans-Jürgen Himstedt, bestehe darin, dass es an geeigneten Trai-nern fehle, die Erzieherinnen und Erzieher naturwissenschaftlich und technisch unterstützen können.

Interessenten sind herzlich aufgerufen, sich mit ihren erworbenen Kenntnissen einzubringen.

Das Haus der kleinen Forscher gibt Kindern Gelegenheit zum Forschen in Naturwissenschaft und Technik. In Ibbenbüren arbeiten Erzieherinnen und Erzieher nach dem Konzept der Stiftung in Berlin www.haus-der-kleinen-Forscher.de.

Teilgenommen haben folgende Kitas, die über den lokalen Netzwerkpartner bei der vorgenannten Homepage zum Haus der kleinen Forscher gekommen sind:

1) "Kinderland am Wittenbrink" (10 Kinder): Erzieherinnen Angelina Neufeld und Anne Feldmann

2) "Kinderland Kunterbunt", Breite Straße (10 Kinder): Erzieherinnen Katja Beckmann und Vera Minnerup

3) "Familienzentrum Sonnenblume", Laggenbeck (30 Kinder): Erzieherinnen und Erzieher Heike Schürkamp-Korte, Julia Kruer, Sandra D’Laclaverie, Andrea Schwegmann, Alexander Fowler, Na-talia Schmidt und Antje Dolkemeyer-Bärtels.
Ilknur Celik und Andrea Falkus haben gemeinsam mit Hans-Jürgen Himstedt die einzelnen Stationen und Angebote im Seniorenwohnheim durchgeführt.

4) "Stadtkindergarten", Bachstraße (15 Kinder): Erzieherinnen Monika Schroer, Katharina Braesch und Iris Hagen

5) „Kita Pusteblume“, An der Mauritiuskirche (55 Kinder): Erzieherinnen und Erzieher Kerstin Witte, Nathalie Hergemöller, Sandra Niehüser, Michael Hüvel, Cornelia Finkmann und Julian Baar

Forschen beginnt mit Fragen: So wurde das Thema „Zeit“ bewusst im Caritas-Seniorenwohnheim Ibbenbüren behandelt. Insgesamt 120 Kinder zwischen vier bis sechs Jahren – rekrutiert aus vorgenannten fünf Kitas – führten verschiedenste Experimente zum Thema „Zeit“ durch: Dabei waren sechs Stationen zu absolvieren:

1. Hans-Jürgen Himstedt nahm sich zunächst der Altersgruppe der Menschen im Seniorenheim an, die bereits eine lange Zeit auf unserer Erde zubringen und ein großes Erinnerungsvermögen besitzen. Hier wurde den Kindern der Alterungsprozess der Haut oder die körperlichen, altersbedingten Einschränkungen verdeutlicht.

2. Interessant war natürlich das Basteln bei bes-tem Wetter im Freien. Unter Anleitung des angehenden Ingenieurs Daniel Trapp wurde zu-nächst eine Riesensanduhr zu Anschauungszwecken gezeigt. Anschließend hatten alle Kinder Gelegenheit, selbst eine Sanduhr zu basteln. Hierzu brauchten sie zwei 0,2 l PET-Flaschen. Die Drehverschlüsse wurden so mit Klebeband verbunden dass die Schraubverschlüsse frei blieben. In die Mitte der Drehverschlüsse wurde ein kleines Loch gebohrt. Vogelsand wurde fein gesiebt und in eine Flasche gefüllt. Die Flaschenverschlüsse konnten nun zugedreht werden und schon war eine Sanduhr gebastelt. Im Vergleich mit einer richtigen Uhr konnte man nun noch die Durchlaufzeiten markieren. Allein das Sieben des Sandes bereitete den Kindern einen Riesenspaß. Beim Zusam-menkleben der Flaschenverschlüsse und beim Bohren halfen alle mit. Das regte einige Kinder an, die Bohrmaschine in die Hand zu nehmen, um selbst das Bohren zu versuchen. Der erwartete Effekt stellte sich bei der Sanduhr natürlich ein: Man kann sie nach dem Durchlaufen umdrehen und der Sand rieselt andersherum.

3. Den Höhepunkt stellte ein Wasseruhrprojekt dar. Zwei ineinander gestülpte Plastikbecher – der obere hatte ein mit einer heißen Nadel eingebranntes Loch im Boden und wurde mit Wasser gefüllt, das natürlich nur solange lief, bis die Luft im unteren Becher nicht mehr entweichen konnte. Was tun: Nun, man brannte wiederum mit einer heißen Nadel mehrere Löcher am äußeren Rand des unteren Bechers und die Luft konnte wiederentweichen.

Zu beachten ist bei dem Versuch, dass am Anfang mehr Gewicht auf das untere Wasser drückt; wenn sich das Gewicht verringert (ein Liter Wasser wiegt etwa ein Kilogramm) nimmt die Auslaufgeschwindigkeit des Wassers ab. Man kann also sagen, am Anfang läuft eine Wasseruhr schneller und am Ende hin langsamer. Das wussten schon die alten Ägypter vor langer, langer Zeit.

4. Ilknur Celik und Andrea Falkus von der „Kita Sonnenblume“ haben Experimente zum individu-ellen Zeitempfinden durch Balanceübungen mit Mundhölzern und Schaumküssen sowie ausge-streckten Armen und Bällen durchgeführt. Dabei stellten sie fest, dass das Zeitempfinden sehr un-terschiedlich ist aber auch von der körperlichen Verfassung des jeweiligen Kindes abhängt.

5. Am Mehrgenerationenspielplatz stellten sich die Krankenschwester Carina Trappe sowie Elisabeth Himstedt zur Verfügung, um den Kindern zu zeigen, wie man den Puls bei sich selbst und bei anderen fühlen kann oder wie mit einem Stethoskop der Atem hörbar gemacht werden kann.

6. Schlussendlich war es Karl-Hermann Müllers Aufgabe, den Kindern anhand eines Fotos und einer Zeichnung die Zeit im Baum und damit sein Alter zu vermitteln. Jeder Ring entspricht einem Jahr. Anhand von Beispielen im näheren Umfeld war zu erkennen, dass mancher Baum das übliche menschliche Lebensalter schon überschritten hatte. Die Kinder zählten mit Begeisterung die Jahresringe. Ein besonderes Anliegen war, auf die Filterfunktion von Laubbäumen hinzuweisen.

Nicht vergessen werden sollten die zahlreichen, hier nicht explizit erwähnten Helfer, ohne die eine Veranstaltung dieses Ausmaßes nicht durchführbar gewesen wäre. Dr. Annette Kleinert war ad-ministrativ tätig und unterschrieb die Urkunden, die jedes Kind bekam. Die Zertifizierung als solche übernahm die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Ibbenbüren, Angelika Wedderhoff. Ausgezeichnet wurden zum zweiten Mal das "Familienzentrum Sonnenblu-me" und das "Kinderland am Wittenbrink". Die Auszeichnungen behalten zwei Jahre Gültigkeit. Es waren annähernd vier Stunden vergangen, die allen Beteiligten viel Spass bereiteten. Die geschenkte Zeit wurde am 12. Juni 2013 unter www.haus-der-kleinen-Forscher.de von allen Verantwortlichen auf dem Zeitzähler-Formular eingetragen.

Karl-Hermann Müller

 

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Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: Hans.juergen.himstedt@osnanet.de

 

„Omapa – Wunschgroßeltern"

Projekt „Omapa – Wunschgroßeltern, die leihʼ ich mir“
Rückblick, Einblick und Ausblick

„Omapa“ ist ein Produkt der heutigen Gesellschaft, in der Familien und Alleinerziehende nicht selten auf die wichtigen Stützpfeiler Großeltern verzichten müssen. Ursächlich hierfür ist in vielen Fällen eine zu große räumliche Distanz, welche die Einbindung der Großeltern ins familiäre Geschehen erschwert. Warum also nicht interessierte und engagierte Seniorinnen, Senioren sowie betroffene Familien in einem ehrenamtlichen Wunschgroßeltern-Projekt vor Ort zusammenführen?

Gesagt – getan:
Ende 2006 wurde „Omapa“ als Gemeinschaftsprojekt der Freiwilligenbörse KISTE, der Familienbildungsstätte und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) auf Initiative von Franz Dühnen und HansJoachim Herwig realisiert, die das Projekt mit großem Engagement und beherztem Einsatz bis heute betreuen.
Im Gespräch mit Edith Plegge von der Freiwilligenbörse KISTE, Franz Dühnen und HansJoachim Herwig wird schnell deutlich: Die Begeisterung für das Projekt ist ungebrochen – trotzdem oder gerade weil es kein Selbstläufer ist. Nicht jede Vermittlung bringt den gewünschten Erfolg. Aber das liegt in der Natur der Sache. Manch eine Verbindung überdauert die Anfänge nicht, eine andere bleibt den Beteiligten als Phase oder Lebensabschnitt in guter Erinnerung und wiederum eine andere ist von anhaltendem Bestand.
So berichtet HansJoachim Herwig von einer „Wunsch“-Oma, die nach dem Verlust ihres Mannes von ihrer bereits vorhandenen „Leih“-Familie auf ganz wunderbare Weise aufgefangen wurde.
Dabei kann Herwig, mittlerweile 6-facher Großvater (seine Kinder und „natürlichen“ Enkelkinder leben nicht in räumlicher Nähe), auch auf seinen ganz persönlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Seine zwei „Leih“-Enkelkinder begleitet er seit nunmehr sechs Jahren und es ist nach wie vor die ganz große Liebe. „Der Funke sprang sofort über“, erinnert sich Herwig strahlend an die erste Begegnung. Lauscht man seinen Ausführungen, so kann man sich seiner Begeisterung kaum entziehen. Trotz fehlgeschlagener „Zusammenführungen“, für die es ganz unterschiedliche Gründe gibt. „Die Chemie muss stimmen!“, sind sich alle einig. Das ist nicht immer der Fall. Um dieses Problem weitgehend zu vermeiden, führen Dühnen und Herwig im Vorfeld Gespräche, protokollieren Hobbys, Neigungen, bestehende Allergien, Haltung von Haustieren etc. Schlussendlich führen sie zusammen, „was“ potenziell zusammen passt. Vertrauen, Geduld, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind für einen erfolgreichen Verlauf immens wichtig. Mitunter fehle aufseiten der Familien die Bereitschaft, die Wunschgroßeltern tatsächlich zu integrieren und auch emotionale Bindungen zuzulassen, erklärt Herwig.

Nach wie vor wird das Projekt stärker von Familien und Alleinerziehenden nachgefragt als von Seniorinnen und Senioren. Während ihrer aktiven Suche nach potenziellen Wunschgroßeltern, so Dühnen und Herwig, habe sich ein Teil der Zielgruppe bereits ehrenamtlich verankert, ein anderer Teil nicht mehr bereit für eine solche Aufgabe gezeigt. Ängste scheinen hier auch eine Rolle zu spielen. Diesen entgegenzuwirken versuchen Dühnen und Herwig mit andauernder Gesprächsbereitschaft sowie der Organisation geselliger Nachmittage zwecks Erfahrungsaustausch. Um Überforderungen zu vermeiden, so Edith Plegge, sollten die Kinder zu Beginn das Grundschulalter nicht überschreiten, die familiäre Situation nicht zu problembeladen sein. „Das Angebot soll niederschwellig bleiben“, fügt sie in diesem Zusammenhang hinzu.

Aus dem Dialog ergibt sich: „Omapa“ zielt auf eine wechselseitige Bereicherung im gemeinsamen Miteinander und nicht zuletzt auch auf den Austausch der Generationen. Keinesfalls sollten die Wunschgroßeltern als unentgeltliche Haushaltshilfen verstanden werden oder grundlegende Erziehungsarbeit leisten müssen. Im Fokus der Kinderbetreuung durch die Wunschgroßeltern stehen Spiel und Spaß. Sei es auf dem Spielplatz, beim Spaziergang im Wald, beim Malen, Basteln, Backen oder ganz einfach beim Erzählen von Geschichten, einem Buch oder auch dem eigenen Leben entnommen. Die Möglichkeiten sind individuell unterschiedlich und gleichsam vielfältig. Herwig, der neben seiner Funktion als Großvater auch gerade den Austausch mit der Eltern-Generation genießt, erzählt von Museumsbesuchen und den guten, „gemeinsam“ erzielten Fortschritten im Schwimmkurs, zu dem er seine Enkelin begleitet. Wir-Gefühl und emotionale Bindung sind bei Herwig ganz großgeschrieben. „Opa-Sein“, rundet Herwig das Gespräch dann auch treffend ab, „das ist was fürs Herz“. – Ein wunderbares Beispiel für eine wahrhaft erfolgreiche „Zusammenführung“.


Interessierte Leserinnen und Leser aus dem Raum Ibbenbüren und Hörstel wenden sich bitte zunächst an die Freiwilligenbörse Kiste, Tel.: 05451 96860.
Susanne Keller


Hinweise zum Thema
Aufseiten der Wunschgroßeltern ist ein Erste-Hilfe-Kursus für Notfallhilfe bei Kindern Bedingung.
Familien und Alleinerziehenden wird als Aufwandsentschädigung die Übernahme der Kosten einer Versicherung für Tagesmütter empfohlen.
Für eine erfolgreiche Vermittlung ist seitens der Familie eine Gebühr von 25 Euro zu entrichten.