Norbert Strotmann seit 20 Jahren Bischof in Lateinamerika

Der Riesenbecker ist seit 20 Jahren Bischof in Lateinamerika

Ein Gespräch über Armut und Glaube - Wege in die Zukunft mit Bischof Norbert Strotmann

Ich habe Norbert Strotmann als Theologiestudent vor 47 Jahren in einem Ferienlager kennengelernt. Jetzt ist er seit 40 Jahren Priester und seit 20 Jahren Bischof der Diözese Chosica in Peru. Er stammt aus Riesenbeck. Hier verbringt er seinen Urlaub und feierte auch sein Bischofsjubiläum. Für die Redaktion „Generation BUNT“ habe ich ihn dort besucht und ein Gespräch mit ihm geführt.

Schnell wird deutlich, dass der promovierte Theologe und Soziologe nicht an der Oberfläche bleibt. Schon früh hatten die Verantwortlichen im Orden der Hiltruper Missionare und der Kirchenleitung in Rom sein analytisches Denken, seine Fähigkeit zu Schlussfolgerungen erkannt. Er ist ein Mann für die soziale Gerechtigkeit.

Im Gespräch wird schnell deutlich, dass er ein gebürtiger Westfale, aber auch ein waschechter Peruaner ist. Er kennt beides „Ihr“ in Europa und „Wir“ in Peru und Lateinmarika beginnt er seine Analysen. Wir sprechen über Armut und Reichtum. Für ihn, der am Rande von Lima tausende von Peruanern in den Favelas betreut, die aus dem Hochland der Anden gekommen sind und verstreute Bergdörfer in den Anden mit dem Pferd besucht, ist klar: „Ihr jammert auf hohem Niveau. Bei uns ist Armut“. Und er erzählt von einer der ersten Begegnungen: „Ich schaute von der Straße in einen Hausflur. Er ist lang und dunkel. Am Ende ein Waschbecken mit Wasserschlauch. Vom Flur gehen zehn Türen ab, hinter jeder wohnt eine Familie mit acht bis zehn Personen. Da wusste ich, hier werde ich bleiben“.

Er erzählt weiter: „Wenn meine deutschen Besucher durch die Favelas gehen, sehen sie die leuchtenden Augen der Kinder, die nichts haben außer einer Konservendose zum Ballspielen. Die Menschen sind freundlich und gastfreundlich“. Er zieht ein Fazit: „Glück ist eine Sache des Herzens, nicht des Besitzes, das vergesst ihr. Kirche und Politik müssen dafür sorgen, dass sich Lebensverhältnisse ändern. Es muss sichergestellt sein, dass etwas von dem erarbeiteten Wohlstand unten ankommt.“ Dafür kämpft er als Bischof in den verschiedensten nationalen und internationalen Gremien: Er weiß, was er sagt und er sagt, was er weiß.

Im zweiten Teil unseres Gespräches geht es um den Glauben: „Die Entwicklung in Peru ist ähnlich wie in Europa. Die Glaubensweitergabe ist gestört. Aber ohne Glauben wird es kälter in unserem Leben“, meint Bischof Norbert. Es sei wichtig, diese Situation zu verändern. Under hat mit seinen Mitarbeitern einen Pastoralplan entwickelt: Für zehn Jahre - einfach und effektiv. Die Laienmitarbeiter sollen vor Ort, in der Familie, in der Nachbarschaft im Dorf und der Favela mit den Menschen den Glauben leben. Sie werden ausgebildet, das Evangelium in der Sprache der Menschen zu erzählen, zu deuten, Inhalte weiterzugeben.

Nur so kann sich etwas verändern. Die einheimischen Priester gilt es zu stärken- ein Fünftel seiner Mitarbeiter sind Peruaner. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, müssen Wege gefunden werden, denn es gibt kein Gehalt vom Staat. Die ausländischen Mitbrüder, so Bischof Strotmann, hätten ihre Heimatgemeinden und Orden im Rücken, die sie unterstützten. Auch hier muss eine Lösung gefunden werden. Wie diese aussehen wird, kann er nicht sagen: „Aber wir müssen ja nicht alles allein machen. Jedoch anfangen, Wege zu bereiten“.

Ich glaube, Bischof Norbert ist mit seiner Kraft, Ausdauer und seinem Elan auf einem guten Weg.

Hans-Jürgen Himstedt

Ausführlicher Bericht unter Interview!

 

Der Erdfallsee

100 Jahre: Was ist das schon?

Der Erdfallsee einmal anders betrachtet

Ibbenbüren. Hundert Jahre alt! Was hat ein Mensch da alles erlebt? Was hat sich in so einem Zeitraum verändert? Wie Russland und Österreich war Deutschland vor hundert Jahren eine Monarchie. Dann kamen die Weimarer Republik, die Nazidiktatur und die Bundesrepublik.

Die Titanic war 1912 an dem Versuch, den Atlantik in einer Rekordzeit zu überqueren, gescheitert. Normalerweise brauchte damals ein Schiff 30 – 40 Tage für die Überquerung. Die Titanic wollte es in sechs Tagen schaffen. Heute, hundert Jahre später, fliegt man mal eben in ein paar Stunden zum Einkaufen nach New York. Und in sechs Stunden schaffen es die Russen von Kasachstan zur Weltraumstation. Rein rechnerisch bedeutet das, Weltraum und zurück an einem Tag. Eine rasante Entwicklung für einen Zeitraum von hundert Jahren.

Hundert Jahre Erdfallsee:

Datum und Umstände seiner Entstehung sind bekannt. Am 14. April 1913 gegen 18-19 Uhr senkte sich die Erde an dieser Stelle. Es geschah lautlos und ohne jegliche Vorwarnung, so heißt es in zeitgenössischen Berichten. Kurz zuvor war noch ein Anwohner über dieses Feld gegangen, ohne etwas zu bemerken. Am nächsten Morgen entdeckte man den Einbruch, der bald nicht nur Wissenschaftler, sondern auch viele Schaulustige aus der näheren und weiteren Umgebung anlockte. Die Kleinbahn „Piesberg – Rheine“ musste Sonderzüge einsetzen. Der Eigentümer des Geländes sperrte den Zugang kurzerhand ab und erhob ein Eintrittsgeld, was ihm behördlich allerdings untersagt wurde.

Es war nicht als Gewerbe angemeldet. Der Einbruch, etwa 20 Meter tief und 120-160 Meter im Durchmesser, war zunächst trocken. Auf dem Grund lagen die in die Tiefe mitgerissenen Bäume, Sträucher und Erdplacken. Die Einsenkung füllte sich in den darauffolgenden Tagen mit Grundwasser, später kam Oberflächenwasser dazu. Die zunächst steilen Ufer verflachten dadurch, dass Erdmassen abrutschten. Heute ist der Erdfallsee 320 Meter lang, 120-140 Meter breit und etwa 12 Meter tief, er hat eine Fläche von sieben Hektar. Vergleicht man Fotos von 1913 und heute, so sieht man, dass sich die Landschaft um den Erdfallsee sehr verändert hat. Die damalige kahle Heidefläche mit Eriken und einigen wenigen kleinen Bäumen ist so gut wie verschwunden. Bäume, vorwiegend Birken und Erlen, reichen jetzt teilweise bis an den See heran. In den 60iger Jahren waren an der Biologischen Station Studenten mit dem Auszählen der damals vorkommenden Pflanzen beschäftigt. Rainer Seidl, engagierter Kenner des Geländes, erinnert sich noch gut an diese mühsame Arbeit. Heute ist kein Heidekraut mehr da, das ausgezählt werden könnte. Gründe dafür mögen auch Klima- und Umweltveränderungen sein. Ganz genaue Gründe

können die Wissenschaftler nicht – noch nicht – angeben. Auch die Ufervegetation und die Welt der Wasserpflanzen sind kaum ausgebildet. Das Wasser des Erdfallsees ist sehr nährstoffarm. Das liegt zum Teil daran, dass der See überwiegend von Grundwasser gespeist wird. Nährstoffreiche, natürliche Zuflüsse fehlen ganz. Das große „Heilige Meer“ dagegen, wurde über lange Zeiten von der Moorbecke, einem natürlichen, nährstoffreichen Bach durchflossen. Im Laufe der hundert Jahre hat sich im Erdfallsee eine Schlammschicht von gerade einmal 1-2 Zentimetern gebildet – auch das ein Grund für die fehlende Entwicklung von Wasserpflanzen.

Das „Heilige Meer“ hat eine Schlammschicht von sechs Metern. Die Üppigkeit und die Vielfalt von Wasserpflanzen dort beeindrucken Besucher immer wieder. Genau das fehlt dem Erdfallsee: im Wasser, in der Uferzone und in der näheren Umgebung, bei Pflanzen und bei Tieren. Er zeigt ein anderes Bild. Schließlich ist er ja auch noch jünger – gerade mal hundert Jahre. Das „Heilige Meer“ hatte für seine Entwicklung gut tausend Jahre Zeit. Der Erdfallsee hat aber seine ganz eigene Schönheit. Zum Beispiel, wenn sich an sonnigen Tagen die hellen Birken im Wasser spiegeln. Man wird an finnische Seen und Seenlandschaften erinnert. Läßt man dem Erdfallsee also Zeit. Was sind schon hundert Jahre für die Natur. Die Erde hat vom Beginn ihrer Entstehung bis zur Entwicklung des heutigen Aussehens 4,6 Milliarden Jahre gebraucht. 4 600 000 000 Jahre gegen 100, was ist das? Apropos Zeit: Zeit für einen Spaziergang am Erdfallsee? Jetzt, wo die ersten Besucherströme anlässlich des Jubiläums bereits abgeebbt sind?

Maria Beier

 

 

Alt und Jung

Tag der kleinen Forscher

 

Alt und Jung zum Thema „Zeit“

 

Ibbenbüren. „Bis 60 zählen“ fiel den kleinen Forschern der Kitas aus Ibbenbüren beim „Tag der kleinen Forscher“ noch schwer. Denn beim Thema „Zeit“ des bundesdeutschen Forschertages mussten sie mehr als einmal die Minute auszählen. Die drei – bis sechsjährigen aus den verschiedenen Kitas waren der Einladung des Netzwerks Familienzentrum „Sonnenblume“ in der Trägerschaft der Begegnungsstätte für Ausländer und Deutsche gefolgt. Der Tag fand im Altenwohnheim der Caritas statt, denn Zeit war das beherrschende Thema. Die Kinder wurden von den alten Menschen freundlich aufgenommen. Mancher Seitenblick auf die Senioren machte für die Kinder erlebbar, dass diese Menschen schon lange Zeit auf der Erde leben.  

Hier ein kurzer Überblick über die Vielfalt der spannenden Versuche: Die innere Uhr, der Puls des Menschen, wurde von den Kindern erspürt und das Herz mit dem Stethoskop gehört. Ein Fotospiel verdeutlichte den Weg des Alterns, ein Experiment zeigte Wege gegen die Faltenbildung auf. Die Länge einer Minute wurde erfahren und getestet, Wasser und Sanduhren bastelte man als Zeitmesser. Die Wachstumslinien in Baumscheiben zeigten eine ganz neue Art der Zeitmessung. Etwa 120 Kinder aus sechs verschiedenen Ibbenbürener Einrichtungen besuchten den Forschertag.

Der Netzwerkkoordinator Hans-Jürgen Himstedt konnte an diesem Tag die Familienzentren „Sonnenblume“ und „Kinderland Wittenbrink“ zum zweiten Mal als Haus der kleinen Forscher zertifizieren. Er überbrachte die Glückwünsche der Stiftung in Berlin und die Auszeichnungsplakette, die nun für zwei Jahre Gültigkeit hat. Die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Wedderhoff freute sich, dass sich so viele Einrichtungen immer wieder dem Anspruch der Zertifizierungen stellen.

Hans-Jürgen Himstedt

 

(siehe Bericht "Tag der kleinen Forscher" Bericht und etliche Fotos folgen)