„Schulanfang“ im Caritas-Wohnheim

Mit Hilfe  einiger aus dem Schulmuseum Mettingen entliehener Utensilien erinnerte man sich an den Schulranzen und an die Dinge, die dahinein gehörten: Schiefertafel mit Läppchen und Schwämmchen, Griffelkasten mit Griffeln, Fibel, Rechenbuch , Bibel, nicht zu vergessen die Dose für das Butterbrot.

Der Schulranzen war aus braunem Leder, stabil war er, musste ja auch  für die ganze Schulzeit halten. Es gab zwei Formen, eine für Mädchen, eine für Jungen. Der Ranzen für Mädchen hatte einen kleineren Überschlag zum Verschließen, der Überschlag beim Tornister für Jungen ging bis ganz nach unten.

 

Und als dann jeder von den Heimbewohnern eine Schiefertafel und einen Griffel zum Probieren bekam, sah man nur „fleißige Schüler und Schülerinnen“. Keiner musste motiviert werden, keiner ermahnt; alle probierten eifrig, ob sie es noch konnten, genau in die vorgegebenen Zeilen zu schreiben. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen, man hätte Fleißkärtchen verteilen müssen.Aber die hatten die „Lehrer“ leider nicht dabei. Ein Bonbon aus der großen Schultüte war Ersatz. Natürlich  erinnerte man sich an Ereignisse aus der frühen Schulzeit. Z.B. an den ersten Buchstaben, den man schreiben lernte, das „i“ :  Auf ,ab, auf, Pünktchen drauf. Schlimm, wenn man vergessen hatte, das Schwämmchen nass zu machen, da musste schon mal einfach Spucke helfen.

Die Mädchen trugen alle eine Schürze, die Schulschürze. Zu Hause wurde sie sofort ausgezogen, für den Nachmittag hatte man eine andere nicht so schöne.

Es gab auch ein paar Wandbilder zu betrachten.

Beim Märchenbild musste man genau hinschauen und kombinieren: „Der Kleine da, ist das Däumling?“   Nein, es war Rumpelstilzchen. Und sofort kam  allen der altbekannte Reim über die Lippen: Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind. Oh, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.

Singen und Kinderlieder durften  nicht fehlen. Diesmal brauchte es keine Gitarrenbegleitung für „Hänschen klein“  und „Ein Männlein steht im Walde“. Alle sangen mit. Die Zeit verging wie im Flug, die vorgesehene Stunde  war schnell  vorbei.Zum Schluss klatschten viele ,ein Zeichen, dass es ihnen Spaß gemacht hatte.

 

 Maria Beier

Ostergarten

Die Schriftlesungen in den vorösterlichen Gottesdiensten sind lang, besonders am Karfreitag, lang und schwer.

Die Geschehnisse der  letzten Tage im Leben  von Christus, seine Worte, das Verhalten der Menschen, die so schnell vom „Hosianna“ zum „Ans Kreuz mit ihm“ wechseln, die gesellschaftlichen Strukturen im damaligen Palästina, das alles in der komprimierten Sprache der Bibel - wahrlich  schwere Kost.

Und wenn man dann noch an Jugendliche und sogar Kinder denkt.......? Da kann  der „Ostergarten“ helfen. Er arbeitet nicht wie die Bibel ausschließlich mit Bericht und Erzählung. Er spricht alle Sinne an. Stationen werden plastisch aufgebaut, eine Straße in Jerusalem, der Abendmahlssaal, der Garten Gethsemane, Golgatha, das Felsengrab. Da steht eine Palme, da liegt ein Palmblatt in Originalgröße.

Die Thomas-Gemeinde  hat beim Aufbau des diesjährigen Ostergartens in der „Freien Kirche“ und den Vorbereitungen im Vorfeld großen Einsatz erbracht. Wochen dauerte der Aufbau, zeitweise waren 40 Gemeindemitglieder im Einsatz.

Führungen für verschiedene Altersstufen mussten ausgearbeitet, geprobt, überarbeitet werden, Flyer und  Prospektmaterial entworfen und  verteilt werden.

Den Helfern  gebührt Respekt für ihren selbstlosen Einsatz, für die Bereitschaft, auch nach einer anstrengenden  Führung Fragen zu beantworten und weitere Informationen zu geben.

Hörspiele stellen Gespräche vor, Musik erklingt, exotische Gewürze verströmen Düfte, man spürt  behagliche Wärme  und fröstelt in  Kühle und Dunkelheit.

In einer Reihe von Räumen werden auf 700 Quadratmetern verschiedene Örtlichkeiten der Ostergeschichte nachgebildet und vorgestellt.

Das beginnt mit einer engen Gasse in  Jerusalem, an der Seite Tiere wie Schaf und Esel, aber auch Palmen  oder Marktstände mit Früchten und Gewürzen. Diese Kulissen  können mit allen Sinnen erlebt werden, sie helfen, die Ereignisse besser zu verstehen.

Im angenehm warmen Abendmahlssaal schlüpfen  die Besucher  in die Rolle der Jünger. Sie nehmen auf den niedrigen Polstern Platz, eigentlich müssten sie  fast  liegen, eine gänzlich  ungewohnte Art,  Platz zu nehmen. Man kann die Füße nicht unter den Tisch stellen, die Füße, die auf den staubigen Straßen  schmutzig geworden sind, die gewaschen werden müssen. Fußwaschung, auf einmal  ist das ganz einleuchtend. Beeindruckend auch die Mahlszene: kurzes Gebet, dann werden Brotstücke und Saft gereicht.

Manche Stationen des Leidensweges Christi sind  für Kinder besonders  schwierig nachzuempfinden. Gethsemane, Jesus, die schlafenden Jünger, Gebet. Dem Erwachsenen  wird die Todesangst Jesu  durch die Worte  schnell bewusst, Kinder werden eher von der gespenstisch anmutenden  Dunkelheit und der Kälte des Ortes berührt.

Auch der Verrat des Petrus ist eine solch schwierige Passage, Kinder sind mehr vom offenen Kohlefeuer und dem Krähen des Hahnes fasziniert, als dass sie sich in die Situation des den Herrn verratenden Petrus versetzen können.

Die  plastischen Darstellungen, die bildhaften Erzählungen,  das Mittun  der Teilnehmer können  nicht alles verständlich machen, das muss man akzeptieren.

Aber vieles wird klarer, wird nachhaltiger  aufgenommen und  besser behalten. Und darauf kommt es an.

Deshalb lohnt ein Besuch im Ostergarten auf jeden Fall, besonders für Familien mit Kindern, für Kindergärten und Schulklassen.

Maria Beier

 

 

 

 

 

Sinnenpark Ostergarten vom  1. bis 21. April 2014

Thomas-Gemeinde Ibbenbüren, An der Diekwiese 14, 49 477 Ibbenbüren

Öffnungszeiten: Montag – Freitag 15.00 bis 18.00 Uhr

Wochenende: 14.00 bis 18.00 Uhr

Karfreitag: 14.00 bis 19.00 Uhr -  21.00 bis 24.00 Uhr

Wer sind sie: Heute Liesel Albers

Ibbenbüren. Sie ist  zierlich, extravagant gekleidet - hat eine akzentuierte, leise Stimme.  Ihre  Augen sind  hell,  aufmerksam,  wach,  voller Neugier  - sie lachen dem Leben  entgegen.

„Das hab ich aus Brasilien mitgebracht“, schmunzelt Liesel Albers und meint   wohl ihre positive Einstellung  und ihre unkomplizierte, fröhliche Art.

Das, gepaart mit Fantasie, ergibt eine schier unerschöpfliche Kreativität.

 

Liesel Albers konnte diese schon als Erzieherin im Kindergarten anwenden. Doch ausleben, ja,  das kann sie ihre schöpferische Kraft erst nach ihrer Pensionierung.

Doch, erst einmal zu den Anfängen.

Geboren wurde Liesel Albers 1946 – und das an der Laggenbecker Straße in Ibbenbüren. Heinrich und Erna Brunne waren ihre Eltern. Nach der Volksschule besuchte sie die Mädchen-Realschule an der Kanalstraße. „Die wurde damals noch von Nonnen geleitet“, erinnert sich die heute 67jährige.  Eigentlich wollte sie sofort danach zur Fachschule Sozialpädagogik nach Osnabrück, um dort Erzieherin zu lernen. „Ich war noch zu jung  für diese Schule und von daher ging ich dann erste einmal an die Frauenfachschule nach Rheine“, so Albers. Und dort lernte sie Haushalt. „Eben alles, was mir nicht so lag“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Und dann passierte etwas Unfassbares für das damals  junge Mädchen. Für zwei Jahre sollte sie eine Ibbenbürener Familie nach Brasilien begeleiten – quasi als Au Pair-Mädchen – und dort die Kinder beaufsichtigen.

„Bevor es losging, mussten meine Eltern dann tief in die Taschen greifen, denn ich gebrauchte Kleider – auch Cocktailkleider“, erzählt Liesel Albers und ihre Augen leuchten noch heute, wenn sie an diese Zeit zurückdenkt. Mit 500 Mark machte sie sich auf den Weg nach Münster und Düsseldorf – stattete sich aus. Dann  tauchte sie  in eine ganz neue Welt. Kontakt nach Ibbenbüren zu ihren Eltern hatte sie – per Brief versteht sich. „Allein die Überfahrt von Genua nach Santos – das war ein Erlebnis, das war der Wahnsinn“. Und die Zeit dort hat sie verändert und geprägt.  Portugiesisch kann sie noch heute   und wie gesagt, etwas von der lockeren, sorglosen  Lebensfreude  hat sie sich ebenfalls bis heute bewahrt.

Zurück in heimatlichen Gefilden, ging dann alles seinen weitern, normalen Gang. Nach der Fachschule Sozialpädagogik war Liesel Albers Erzieherin, arbeitete in Osnabrück, auf dem Dickenberg und in Laggenbeck, bevor sie die Leitung des Markus-Kindergartens in Dörenthe übernahm. „Meinen Beruf habe ich 39 Jahre lang mit Leib und Seele ausgeübt“, so die Kindergärtnerin. Der Umgang mit den Kindern, der hatte es ihr dabei angetan - zu sehen und zu spüren, dass die Kinder lernen wollten, wissbegierig waren. Schon damals schrieb sie gemeinsam mit ihnen so manche Geschichte. Doch auch schon in  ihrer aktiven Zeit als Erzieherin wandelten sich die Kinder, ihre Einstellungen. „Oft fehlte ihnen dann die Fantasie, sie konnten sich häufig keine Geschichten mehr ausdenken, ihnen fehlte der Spaß am Spiel“.

Die Fantasie – nein, die fehlt Liesel Albers nicht, nicht die Kreativität und der Ideenreichtum.

2007 ging sie in den Ruhestand – oder besser Unruhestand. Das war ihr „richtiges“ Leben, danach begann das „verrückte“ mit nicht nur einer Facette.

Sie begann zu schreiben, malen, Mode zu designen und zu modellieren. Seit 2008 veröffentlichte sie verschiedene Bücher, darunter auch einige Krimis. „Italienische Nacht“, „Schleichende Katzen“, „Kurzurlaub mit ungeahnten Folgen“ oder  „Crime Time“  gehören zu ihren Werken. Häufig aus ihrem realen Leben gegriffen, sind ihre Geschichten und Kurzgeschichten spannend, amüsant oder nachdenklich machend. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren“, lächelt die Schriftstellerin.  Übrigens ist gerade ein Buch mit Kurzkrimis  in der Mache. Bis Oktober sollen etwa 16 Geschichten in einem 280 Seiten  umfassenden Band erscheinen.

Ebenfalls entstanden seit 2009 insgesamt 150 Bilder. Unter dem Motto „experimentelles Gestalten auf Leinwand“ arbeitet die Künstlerin mit Acrylfarben  - Lieblingsfarben sind übrigens rot, orange, türkis und pink. Verschiedene Ausstellungen bestückte sie bereits damit – und das zwischen Ibbenbüren und Düsseldorf. „Ich hab Einfälle genug“, sagt die Malerin.

Das „dritte Leben“ der Liesel Albers beschäftigt sich mit Mode.  Dabei entwirft sie Kleidung  - anders, aber schick. Um überhaupt einen Einstieg in diese Thematik zu bekommen, machte sie ein Studium im Fach Modedesign in Osnabrück. „Entwerfen kann ich, schneidern nicht so gut“, erklärt die Designerin mit einem Augenzwinkern.

Zur Zeit hat Liesel Albers noch etwas Neues für sich entdeckt: das Modellieren. Seit Weihnachten experimentiert sie mit einer Keramikmasse – entwirft Charakterfiguren. „Ich traue mich jetzt mal an eine richtig große Skulptur heran. Vielleicht mit Draht – nichts Gegenständliches auf jeden Fall“, überlegt die Modelleurin. Eigentlich sagt sie das, wie zu sich selbst. Denn da ist Liesel Albers noch auf dem Weg – und wo ihre Ideen und ihre Fantasie sie  hinbringen – die Zukunft wird es zeigen. Dabei stützt  ihre brasilianische Philosophie noch  ein  Ausspruch von Pablo Picasso: „Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen“.

Das ist übrigens das Motto ihres „verrückten“ Lebens.

Sabine Windmann