„Kirche wegen Überfüllung geschlossen“

Dr. Eckart v. Hirschhausen
Ort:   Stadtkirche  Westerkappeln
Zeit:  Sonntag, 1. März 2015

Gegen 10.15 Uhr, eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes , musste die Stadtkirche in Westerkappeln wegen Überfüllung geschlossen werden. Sitzplätze gab es schon um 10.oo Uhr nicht mehr. Dr. Eckart v. Hirschhausen, der angekündigte Gastprediger, wurde als einer der letzten eingelassen, einen Sitzplatz bekam er nicht , was er lächelnd zur Kenntnis nahm.

„Wegen Überfüllung geschlossen!“ Davon können Kirchen heute nur träumen. Die Realität sind leerer und leerer werdende Gotteshäuser.Westerkappeln zeigt, es geht auch mal anders! Denn Menschen  haben Erwartungen, haben Fragen über den Tag hinaus, sind ansprechbar, suchen nach Antworten.

Und deshalb kann man der Kirchenleitung nur dankbar sein, dass sie den etwas ungewöhnlichen Weg gegangen ist, im Gottesdienst die wichtige Rolle des Predigers einem Laien, einem Kabarettisten zu geben, Eckart von Hirschhausen.

Für die Fastenzeit hat man in Westerkappeln das Rahmenthema „Bild und Bibel“ gewählt. Die Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer trägt mit der Ausstellung „Menschenbilder und Passion“ zu diesem Thema bei. Dr. Eckart von Hirschhausen konnte als Laienprediger gewonnen werden. Er, Kabarettist - im Augenblick mit der Show „Der Wunderheiler“ auf Tournee - hat einen ganz eigenen Ansatz: den Humor! Für ihn ist Humor ein Heilmittel. Heilmittel für unsere Zeit, für unsere Gesellschaft.

H.h.h.“ Laut gelesen würde es heißen: „Ha,ha,ha.“ Gemeint ist: „Humor hilft heilen.“ So auch der Name der von ihm eingerichteten Stiftung. Die Palette an  Aufgaben reicht von der Weiterbildung von Pflegekräften – sie sind für v. Hirschhausen die „Helden des Alltags“, für die man auf die Straße gehen sollte – bis zur Aktion „Clowns in Krankenhäusern“.

Bei dieser  Aktion hatte v. Hirschhausen ein besonders nachhaltiges Erlebnis. Ein Junge, traumatisiert, wurde aufgrund der spannenden Aktionen zum Mittun gebracht, „vergaß“ seine Behinderung, sein Leid, brachte sich wieder in die Gemeinschaft ein. Dieser Stiftung kommen auch die Spenden aus Westerkappeln zugute, und zwar für  hiesige Einrchtungen. 

Humor und Theologie, geht das zusammen? Für Eckart v. Hirschhausen ja, und das führt er in der Predigt immer wieder aus. Humor schafft Gemeinschaft, bedingt Miteinander, fordert und fördert Emphati füreinander, für den anderen und für sich. Wie Marie, die Fünfjährige, seine  Patentochter. Er hat ihr für den bevorstehenden Geburtstag der Mutter das Lied „Viel Glück und viel Segen“ beigebracht. Es gefällt ihr, und sie singt es immer wieder. Allerdings mit einer  Abweichung: „...auf all meinen Wegen.“ Hirschhausen glaubt an ein Mißverständnis, erklärt und bekommt die Antwort:„ Weiß ich doch. Aber Mama hat erst nächste Woche Geburtstag, bis dahin kann ich singen: auf all  meinen Wegen.“ Was fällt einem da nicht alles ein! NeuesTestament : „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder.“ Und im Alten Testament sagt der Prediger:„Alles hat seine Zeit!“ Nur schmunzelt man da nicht unbedingt, bei Marie aber nickt man lächelnd Zustimmung.

Zwei Lieder hatte sich v. Hirschhausen für den Gottesdienst gewünscht:„Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind.. „ und „Kleines Senfkorn Hoffnung.“ Lieder, die froh machen, Hoffnung geben, befreien, Gemeinschft schaffen. Das ist für den Prediger v. Hirschhausen Frohe Botschaft , Botschaft Christi, der seiner Meinung nach nicht eine Religion stiften wollte, sondern Beziehungen. Und da setzt er immer wieder an. Das Miteinander ist der zentrale Punkt für ihn.

Mitmachen, das will Gott von uns. Der Theologe sagt, der Mensch müsse mit der Gnade mitwirken. Hirschhausen, gekonnt jüdische Witze einbeziehend, bringt das Beispiel von Moshe. Moshe, ein Hiob unserer Zeit, Besitz und Familie verloren, krank, ausgestossen aus der Gesellschaft, betet, klagt Gott an, fragt, beschwert sich ein ganzes Jahr. Klage und Anklage gipfeln in dem Schrei: „Kannst du mich nicht wenigstens einmal im Lotto gewinnen lassen?“ Nach einem Jahr des Schweigens antwortet Gott: „Moshe, jetzt hör mir einmal zu. Kannst du mir nicht endlich helfen und einmal Lotto spielen?“

Zum Schluss bittet von Hirschhausen um eine kurze Besinnung und um Zurufe, was man so behalten habe. Es kommen erstaunlich viele Beiträge, nicht nur von jungen Menschen, und sie zeigen, dass die Hörer eine Menge mitgenommen haben.

Ein gekonntes Feed-back. Der Einsatz hat sich gelohnt hat, der Einsatz der Veranstalter, der Besucher und nicht zuletzt der  des Kabarettisten v. Hirschhausen, der als kleiner Junge Pfarrer oder Feuerwehrmann werden wollte, dann über den Beruf des Arztes zum Kabarett kam.

Am 1. März 2015 stand er auf einer Kanzel! Zum erstenmal und ein wenig aufgeregt, wie er zugab. Zurückgekehrt zu den Anfängen? Oder nie weggegangen von „dem“  Menschen?

Zwischendurch bittet v. Hirschhausen bei der fast einstündigen Predigt um ein Glas Wasser, es könne auch Wein sein. Als die Erfrischung auf sich warten läßt , sagt er: „Kommen Sie ruhig herauf. Mich haben sie auch raufgelassen!“  

Gott sei Dank! Sonst hätten die Zuhörer auf viele heiter/besinnliche Gedankenanstöße verzichten müssen.

Bildquelle: data-subline, data copy=@Frank Eidel

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Dr. Eckart v. Hirschhausen
Geboren: 25. 8. 1967 in Frankfurt a. Main
Studium der Medizin in Berlin, Heidelberg, London
Arzt  i. Praktikum : Kinderneurologie in Berlin; 
Aufbaustudium:  Wirtschaftsjournalismus
Heute: Radio- und Fernsehmoderator, Kabarettist, Comedian, Zauberkünstler, Schriftsteller
Tournee 2015: „Wunderheiler“ Lebt in Berlin

Maria Beier

 

 

 

Verabschiedung von Marie-Luise Hohenhaus

16 Jahre Leiterin im Caritas-Altenwohnhaus

„Nano“, so wird sie  von der Familie, von ihren Freunden und vielen Mitarbeitern genannt.  „Nano“, der Name  geht zurück auf ihren kleinen Bruder, dem wahrscheinlich „Marie-Luise“  zu schwierig oder einfach zu lang war.

Fünf Silben: „Ma-rie-Lu-i-se“.

„Nano“ dagegen ist  kurz, klingt vertraut, man ist schnell  bei ihr. „Nano“ liebt den direkten Weg,  zu ihren Mitarbeitern,  zu den ehrenamtlichen  Helfern, vor allem  zu den Heimbewohnern. Die Bewohner des Caritas-Altenwohnhauses, sie sind es, die Marie-Luise Hohenhaus am Herzen liegen. Sie weiß um jeden, sie weiß um das  Umfeld des Einzelnen, sie weiß um Belastungen, um Nöte, um  Ängste .  Die kann sie  ihnen nicht ganz nehmen, aber sie  versucht zu helfen.  Sie nimmt sich Zeit für sie, hört zu - ist einfühlsam. Jeder Mensch ist ihr wichtig:  „Auch in dieser letzten Phase des   Lebens darf  keiner seiner  Würde  beraubt werden“.  Achtung vor jedem von ihnen, das ist das, was „Nanos“ Umgang mit den Heimbewohnern kennzeichnet. Das ist das Motto  ihrer Arbeit.

Vielleicht ist es auch das, was  die Atmosphäre des Hauses kennzeichnet. Das Haus hat Leben.  Das Pflegepersonal geht einfühlsam mit den Heimbewohnern um. Da sind aufmerksame Blickkontakte, hier fällt ein kurzes, aufmunterndes Wort, dort fragt man, wie es denn heute so ist. Man erkennt Befindlichkeiten, geht nach Möglichkeit darauf ein. Man ist einfach aufmerksam, hilft, wenn nötig, wenn möglich. Ohne diese Zusammenarbeit  ginge vieles im Haus nicht. Das allein kann keine Leitung, das allein kann keine Pflegerin.  Einer muss den anderen mitnehmen.

Und das kann „Nano“. Mitarbeiter motivieren, ein anerkennendes Wort  aussprechen, Initiativen fördern, Initiativen aufgreifen, offen sein . Viele Türen  im Haus sind offen.  Auch „Nanos“ .  Sie hat keine offiziellen Sprechstunden. „Wir können immer zu ihr kommen“, so eine Heimbewohnerin. Kann man es besser sagen ?

Beschwerden und Behinderungen, die das Alter mit sich bringt, sind überall zu greifen. Mit ihnen müssen alle leben. Die, die ganz im Haus leben, und die, die für Stunden kommen;  die,die nach Hilfe rufen, und die , die ein wenig helfen können, mit Medikamenten, mit einem Wort , mit einer kurzen Berührung, manchmal nur dadurch, dass man eine Weile neben dem anderen sitzt, seine Hand hält, mit ihm schweigt.

Nano“ geht jetzt, geht in den Ruhestand. Sie wird ihn zu füllen wissen. Gute Wünsche , laut oder stumm ausgesprochen , werden sie begleiten.  Und Dank - Dank für die 16 Jahre tagtäglich geleistete , von  Verstand und Herz  bestimmte,  Arbeit an den  Menschen.

Maria Beier

Fotos von Caritasverband Tecklenburger Land e.V.s. Beitrag in Chronik-Fotos
 

 

 

Ambulanter Hospizverein Ibbenbüren

 

Alles hat seine Zeit:

Eine Zeit geboren zu werden, eine Zeit zu sterben.
Eine Zeit beisammen zu sein, eine Zeit sich zu trennen.
Eine Zeit der dankbaren Erinnerung.

 

"Hospiz" bedeutet eigentlich nichts anderes als Herberge. Im Mittelalter (zur Zeit der Kreuzzüge) waren Hospize Orte, an denen Pilger Rast machen konnten und Unterkunft bekamen, in denen Kranke, alte Menschen und Sterbende gepflegt und versorgt wurden. In diesen Häusern gab es Gastfreundschaft, Erholung und Mitmenschlichkeit.

Auch die heutigen Hospize wollen Herbergen auf einer Reise sein, und zwar der letzten Reise, die ein Mensch antritt. Für viele Menschen ist es ein großer Wunsch, zu Hause zu sterben. Jedoch sieht die Wirklichkeit oft anders aus. Aufgrund veränderter gesellschaftlicher Umstände versterben immer noch viele Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Hospiz steht für die Idee, mitzuhelfen, dass viele Menschen bis zuletzt in vertrauter Umgebung leben und dort auch begleitet sterben können.

Der Hospizverein Ibbenbüren wurde 1996 gegründet. „Wir sind Menschen aus verschiedenen Berufen und Konfessionen. Wir möchten Kranke und Sterbende in ihrer letzten Lebensphase begleiten. Unsere Tätigkeit ist ehrenamtlich, und wir unterliegen der Schweigepflicht“ , so Christine Hartwig-Ullrich,   Vorstandsmitglied und Sterbebegleiterin im Hospizverein Ibbenbüren. 

Wer sind die "Ehrenamtlichen Begleiter"? Menschen, die bereit sind, sich für andere Menschen zu engagieren und ihr Wissen, ihre Zeit und ihre menschliche Kompetenz einzubringen. Menschen, die bereit sind, sich von ihrem Einfühlungsvermögen in die Person und die Situation der Sterbenden leiten zu lassen und sich nach deren Bedürfnissen zu richten.

Die Begleiter möchten mit dem Sterbenden ein Stück des Weges gehen, eine Hand anbieten und gleichzeitig den Menschen so sein lassen, wie er ist. Er muss sehr feinfühlig, achtsam und vertrauenswürdig für den Sterbenden und die Angehörigen sein. Die Zeit des Sterbens ist eine Zeit der Unsicherheit, der Ängste und der Trauer und wird häufig von Hilflosigkeit geprägt.

„Um die trauernden Angehörigen auch weiterhin auf ihrem Weg durch die Trauer zu unterstützen, geben wir ihnen die Möglichkeit“, ergänzt Hartwig-Ullrich, „ sich in einer Trauergruppe unter fachkundiger Begleitung mit Gleichgesinnten auszutauschen, die einen ähnlichen Verlust erlitten haben“. Der Gesprächskreis für Trauernde bietet Raum, in dem jeder so sein darf, wie er sich gerade fühlt. „Wir können ihnen zwar nicht den Schmerz abnehmen, aber ....... wir wollen sie mit ihrem Schmerz nicht allein lassen“.

Ein weiteres Angebot des Hospizvereins ist das "Hospizcafe für Trauernde". Es richtet sich an alle von Verlust betroffenen Personen und findet  an jedem zweiten Sonntag im Monat in der Familienbildungsstätte in der Klosterstraße in Ibbenbüren statt.

Christine Hartwig-Ullrich: „Der Weg durch die Trauer ist harte Arbeit und bedarf vieler Kraft und vielen Mutes. Obwohl die Trauer sehr schmerzt, muss sie dennoch durchschritten werden. Wir müssen die Trauer zulassen. Verhinderte Trauer behindert Leben! Denn wer sich dem Abschiedsschmerz stellt und ihn durchlebt gewinnt die Freiheit, wieder nach vorn zu schauen“.

Trauer kann man nicht überwinden wie einen Feind, Trauer kann man nur verwandeln: den Schmerz in Hoffnung, die Hoffnung in tiefes Leben.

Christine Hartwig- Ullrich