Unbekannte Genüsse in Ibbenbüren

Viele Gehölze mit Früchten im heimischen Garten aus fremdländischer Herkunft sind in der Bevölkerung weitgehend unbekannt.Kaum einer ahnt, dass deren Früchte nicht nur ungiftig, sondern sogar wohlschmeckend sind. Heute wollen wir drei dieser Früchte kurz vorstellen.

Die Nashi-Birne (Pyrus pyrifolia)

Auch dieser Baum ist an einer Stelle in Ibbenbüren zu finden. Er ist etwa 5 Meter hoch und 20 Jahre alt. Der Baum trägt jedes Jahr viele Früchte. Sie schmecken  ausgesprochen gut und  sind sehr saftig. Im Volksmund sagt man zu der Frucht  „Birpfel“ - eine Wortschöpfung aus den Wörtern Birne und Apfel. Wegen ihrer Form und ihres guten Geschmacks wird die Frucht auch Apfel-Birne genannt.

Die Handelsbezeichnung „Nashi-Birne“ auf den Wochenmärkten ist eigentlich eine Verdopplung des Namens, denn „Nashi“ ist ohnehin das japanische Wort für Birne.

Die Königs-Walnuss (Juglans Regia)

In Ibbenbüren steht ein Walnussbaum mit Nüssen, die etwa dreimal so dick sind wie eine normale Walnuss. Wie kommt so ein Baum nach Ibbenbüren? Der erste bekannte Baum dieser Art war ein Zufallsprodukt.  Er entstand wohl durch eine Mutation und wuchs in der Gärtnerei von Engelbert Beyer in Bevergern. Der Gärtner Beyer brachte etwa 20 dieser dicken Walnüsse von Bevergern nach Dortmund-Beckhausen zu seinem Onkel, dem Pastor August Eiter. Der Pastor hat um 1944 ungefähr 20 dieser dicken Nüsse in die Erde gesetzt.

Daraus entstanden nach etwa 25 Jahren große Nussbäume, aber nur einer dieser Bäume hatte auch die dicken Walnüsse. Engelbert Eiter nahm von diesem Baum einen Edelreiser mit nach Ibbenbüren und pfropfte ihn auf einen kleinen Walnussbaum im Garten seines Sohnes. Es entstand ein prächtiger Nussbaum, der ebenso diese dicken Walnüsse hervorbringt. Gärtnermeister Beyer in Ibbenbüren, er stammt ebenfalls aus der Gärtnerstadt Bevergern, hat auch einen dieser Bäume an seinem Haus stehen. Er erzählte, er habe viele der dicken Walnüsse in die Erde gesetzt, aber nur ein Baum bekam wieder die dicken Früchte.

Die Nüsse sind  aber nicht ganz so groß wie der Baum bei Familie Eiter. Der botanische Name ist Juglans Regia, eine Mutation aus der normalen Walnuss, ihr deutscher Name ist Schlegelnuss. Im Volksmund wird sie auch als Königs-Walnuss bezeichnet. In Ibbenbüren gibt es noch einen weiteren Standort dieses Nussbaumes, dessen Geschichte noch nicht erforscht ist. Auf einem Bauernhof in Telgte steht am Feuerlöschteich vor dem Hof Stübbe ein Baumveteran, auch er trägt Jahr für Jahr die Königs-Walnüsse.  Bauer Stübbe erzählte, die Walnuss sei ein Selbstbestäuber, sie braucht also keinen Nachbarbaum. Diesen Baum hat übrigens  sein Vater gepflanzt.

Der Asiatische Blumenhartriegel

Zugegeben, man würde von den Früchten  nicht essen, wenn man nicht genau wüsste, dass sie essbar sind und gut schmecken. Man kann sogar einen tollen Likör oderAufgesetzten  davon machen. Die Rede ist vom asiatischen oder chinesischen Blumenhartriegel, einem überaus dekorativen Zierstrauch für den Garten, der nicht nur in Ibbenbüren weit verbreitet ist. Es gibt ihn als Strauch mit schneeweißen Sternblüten oder mit rosa Blüten in verschieden starken Tönen am gleichen Strauch. Im Herbst bilden sich leuchtend rote, runde Früchte an kurzen Stielen hängend und mit kleinen Pusteln bedeckt. Die Früchte werden zuletzt dunkelrot und sie lassen sich beim Pflücken ohne weiteres vom Stiel lösen.

Hier ist das Rezept für einen „Aufgesetzten“ aus Blumenhartriegel (er schmeckt ganz ungewohnt  aber sehr angenehm):

Etwa 250 bis 300 Gramm reife Früchte in eine bauchige blasche füllen, darauf einen „Klaren“ geben und die Früchte damit vollständig bedecken. Oder man nimmt 99-prozentigen reinen Alkohol, verdünnt ihn auf 1Teil Alkohol mit 3 Teilen Wasser und bedeckt damit die Früchte vollständig. Etwa 2 Hand voll kleine Stücke weißen Kandis hinzugeben, die Flasche verkorken, das Ganze  gut durchschütteln und danach an einen sonnigen Platz stellen, mindestens 14 Tage, besser sind noch 3 Wochen, ziehen lassen und täglich schütteln. Danach mit einem Sieb abseihen, abschmecken, eventuell weiter verdünnen oder nachsüßen, danach dann wieder 14 Tage ziehen lassen. Wenn man zu Anfang eine aufgeschlitzte Vanillestange hinzufügt, bekommt der „Aufgesetzte“ ein besonders feines Aroma.

Die Pomeranze wird auch Bitterorange genannt. 

Ist das ein Schimpfwort oder ein Kompliment, wenn jemand sagt „Du bist eine alte Pomeranze“? - Eine „Landpomeranze“ war ein Mädchen aus der Provinz mit gesund geröteten Wangen wie die Farbe der Orange. In Ibbenbüren steht ein Pomeranzenbaum, geschützt von einem Hausgiebel an der Südseite. Der Baum ist vier Meter hoch und er hängt jedes Jahr voller goldgelber Früchte, die keiner erntet, weil kaum einer weiß, was für eine schöne Marmelade man aus den Früchten bereiten kann. Die Pomeranze ist eine Zitruspflanze. Ihre Frucht ist orangenähnlich, aber bitter und kleiner. Entstanden ist die Bitterorange als Kreuzung zwischen Pampelmuse und Mandarine. Sie wächst als immergrüner, bis fünf Meter großer Baum auch in der hiesigen  Gegend. Die Zweige sind mit Dornen besetzt, die fünf bis acht Zentimeter Länge erreichen können. Die weißen Blüten duften stark und angenehm - die Früchte sind rundlich. Sie sind etwas abgeplattet, die leuchtend orange Schale ist dicker als die der Orange. Die Frucht lässt sich relativ leicht abschälen. Im Innern ist sie in zehn bis zwölf Teile unterteilt. Das Fruchtfleisch ist sauer und die weiße Schicht unter der Schale schmeckt bitter. Erntezeit im heimischen Garten ist Ende Oktober. Aus der gesamten Frucht wird Orangenmarmelade hergestellt, wobei die äußere Fruchtschale dem Gelee beigegeben werden kann. Auch werden die Schalen und der Saft der Pomeranze für die Herstellung des Likörs Curaçao benötigt. Die Pomeranze liefert auch der Parfümerie drei sehr wichtige Duftbausteine. Sie kam bereits im Mittelalter nach Europa, erste Erwähnungen finden sich bereits im 10. Jahrhundert in arabischen Schriften. Die Bezeichnung Pomeranze leitet sich vom lateinischen Pomum Aurantium (goldener Apfel) ab.

Werner Suer

 

Rote Rosen bei der „Bunten Runde“ im Caritas-Wohnhaus

Fast war es wie bei Hildegard Knef, die sich wünschte, dass es „Rote Rosen“ regnen möge. Am Ende der Veranstaltung, die, von der „Bunten Runde“ gestaltet, alle zwei Wochen am Donnerstag im Caritas-Wohnhaus stattfindet, bekamen alle Hausbewohner, die teilgenommen hatten, ein Geschenk: eine im Aufblühen begriffene, lachsfarbene Rose in einer passenden kleinen Vase.

Das Geschenk kam von den Besitzern des „NaturaGart“ Freizeitparks in Dörenthe. Man sah es den freudig erstaunten Gesichtern an, dass das Geschenk gut ankam. Keiner ließ es zurück, alle nahmen es mit auf ihre Zimmer. Mit Sicherheit hat es allen Freude gemacht.

Schwerpunkt an diesem Donnerstag war der Naturerlebnispark „NaturaGart“ in Dörenthe. Ilse Berlekamp stellte mit Hilfe von Bildern und Video-Clips die Anlage und ihre Entstehungsgeschichte anschaulich vor.

Erstaunlich, was sich in wenigen Jahren auf dem Gelände des ehemaligen alten Bauernhofes entwickelt hat. Durch Erdaufschüttungen, künstliche Teiche, fließendes Wasser, viele gewundene Wege, Neuanpflanzungen, Einbeziehung des alten Baumbestandes und vor allem durch die vielen, je nach Jahreszeit bepflanzten Blumenbeete, hat man einen Naturerlebnispark geschaffen, der Besucher von nah und fern anzieht. Durch diesen Park konnten die Hausbewohner nun anhand der wunderschönen Aufnahmen „spazieren“

Das Frühjahr zeigte sich mit einer Fülle von Primeln, Narzissen, Tulpen in verschiedensten Farben, der Sommer mit Akelei, Rittersporn, Klatschmohn, Kornblumen und Rosen, Rosen in nicht enden wollenden Farbnuancen.Beeindruckend auch die Schönheit der Wasserrosen. Dann im Herbst die Farbenpracht von Astern, Dahlien, Sonnenblumen, von Heidekraut und Stockrosen.

Auch Tiere haben sich wieder angesiedelt, kleine und große Libellen, Vögel, sogar der Eisvogel ist da, der, weil er sehr scheu ist, leider nicht oft zu sehen ist. Kinder sind natürlich begeistert, wenn sie das Quaken eines Frosches hören, wenn sie aus der Nähe beobachten können, wie er sich aufplustert. Rund einhundertsechzig Angestellte sind ständig damit beschäftigt, den Park zu pflegen, Verblühtes, Verdorrtes zu entfernen, Blumenzwiebeln und Blumen auszutauschen, Bäume zu beschneiden, Wege auszubessern.

Neue Ideen kommen dazu, so der Taucherpark, eine Attraktion für Taucher, aber auch, um Fische, recht große, zu beobachten.

Es wurde ein ausgedehnter „Spaziergang“ für die Bewohner des Caritas-Wohnhauses mit einer Fülle von wunderschönen Eindrücken. Sie erfreuten sich an den Nahaufnahmen,an den weiten Blicken auf Blumenbeete, auf Seen und Pavillons, hörten das Rauschen der Bäume, das Gezwitscher der Vögel, das Plätschern des Wassers,das Quaken der Frösche. Sie waren mitten in der Natur, waren einfach dabei, auch wenn der „virtuelle Ausflug“ nur gut dreißig Minuten dauerte.

Maria Beier

 

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Das Redaktionsteam von G-BUNT verabschiedet sich von Jutta Lorenz ....

Rückblick in memoriam

Jutta Lorenz wurde am 24.5.1939 in Danzig als Tochter eines Konditors geboren. Mit etwa fünf  Jahren erlebte sie die Flucht, geriet durch die Wirren des Krieges nach Dänemark in ein Flüchtlingslager. Dort verbrachte sie etwa ein Jahr, bevor sie nach Langenfeld mit ihrer Familie gelangen konnte.

1960 heiratete sie Götz Tiede, zog mit ihm nach Solingen. Ihre Tochter wurde geboren. Nach zwei Jahren trennte sich das Paar und für Jutta Lorenz stand ein Umzug nach Bielefeld an. Dort arbeitete  sie in einer Bekleidungsfirma. Ebenfalls in Bielefeld lernte sie ihren zweiten Ehemann Wolfgang Lorenz kennen. 1970 heirateten die beiden und zu der kleinen dreiköpfigen Familie kam noch ein weiteres Kind, ein Sohn, hinzu.

1998 verstarb Wolfgang Lorenz und bereits 2001 siedelte Jutta nach Ibbenbüren Schierloh zu ihrer Tochter um. 2013 bezog sie in der Innenstadt von Ibbenbüren eine hübsche Altbauwohnung.

All die Jahrzehnte hindurch hatte das Schreiben und Theaterspielen bereits eine große Rolle für sie gespielt und so war es nicht weiter verwunderlich, dass sie auch in  der neuen Wahlheimat ihre Kreativität auslebte.

Da waren ihre Mitarbeit beim Theater „Nirosta“, im  Mehrgenerationentheater der VHS, ihr  Schreiben von Kindergeschichten oder ganzen Theaterstücken sowie ihr Einsatz in verschiedenen Theaterprojekten in Schulen. Ebenfalls nicht zu vergessen, ihre Vorleseaktivitäten im Caritas Altenwohnheim.

Egal ob sie Kostüme nähen, Dekorationen herstellen oder Bühnenbilder entwerfen musste - ihr Einsatz und  Ideenreichtum kannten keine Grenzen.

Ihre „Marie-Geschichten“ oder die „Drei von der Bachstrasse“, die zunächst auf den  Seniorenseiten der hiesigen  Presse, „50 PLUS“ und zum Schluss im Online-Magazin G-BUNT erschienen - sie waren authentisch,  regten zum Nachdenken oder Schmunzeln an. Über vierzehn  Jahre gestaltete sie die Seiten und Themen für die Menschen über 50 Jahre in Ibbenbüren mit.

Es war immer eine Bereicherung mit ihr zusammenzuarbeiten, gemeinsam über das Leben zu philosophieren, interessante Themen zu diskutieren,  in der Redaktion G-BUNT gemeinsam Spaß zu haben.

Wir werden ihre Geschichten  vermissen, ihre positive Art das Leben zu betrachten, ihre Anregungen, ihr niemals aufgeben  wollen    ——— ihr Lachen.

Im Juli 2015 verstarb Jutta Lorenz   —  plötzlich, ohne Vorwarnung. Sie ging ganz still, ganz leise …….

Sabine und Werner

 

Jutta Lorenz ist tot. Der Tod kam plötzlich, aber für sie vielleicht nicht überraschend. In letzter Zeit hatte sie sich viele Gedanken gemacht, wie das Alter würde. Und sie hat oft zurückgeblickt.

Wer war sie? Wie war sie?

Sie hatte sich ein Hausnummernschild anfertigen lassen, wie man es früher hatte: weißgrundig, schmaler, blauer Rand. Darauf stand: 25, Danziger Straße. Es hing an der hinteren Hauswand bei der Terrasse. Ein Stück Erinnerung, Erinnerung an die Kindheit in Danzig. Genau wie das alte Foto von der Bäckerei ihres Vaters: Danzig, Danziger Straße 25. „Davor habe ich viel gespielt“, sagte sie. Es war eine glückliche, behütete Zeit. Kriegsende in Dänemark, Neuanfang im Rheinland, das war anders, war hart.

Wohl deshalb hat sie die menschliche Nähe so gesucht und geschätzt, in der Familie, im Kreis von Freunden und Bekannten. Aber auch bei ihrer Arbeit in der Schreibgruppe („G-BUNT“), in den Theatergruppen (Volkshochschule, Schulen) und bei den Senioren im Caritas- Wohnhaus.

Menschen im Alltag, im Miteinander, in  manchmal schwierigen Auseinandersetzungen, auf der Suche nach Lösungen, auf der Suche nach Glück, das waren in der Schreibgruppe „G-BUNT „Themen ihrer „Mariegeschichten“, waren Gesprächsanlässe für die „Drei von der Bachstraße“, waren Mittelpunkt ihrer selbstverfassten Theaterstücke. Humor und eine Prise Skurrilität einzubauen, gelang ihr augenzwinkernd.

Diese Geschichten waren aber auch Teil von ihr, Teil eines Lebens mit „blauem Himmel“ und „dunklen Wolken.“

Sie arbeitete gern mit anderen zusammen, hatte immer und sofort eine Fülle von Ideen, war aber auch offen für Anregungen und ein „Ja,..aber“.

Und sie feierte gern: im kleinen Kreis, im Rahmen eies Geburtstages, beim spontan arrangierten Kaffeeklatsch oder einfach bei einem Eis. Blumen liebte sie, vor allem Rosen, Wohnung und Balkon waren jahreszeitlich immer gut bestückt. Sie freute sich einfach an ihnen.  

Jutta wird uns fehlen, mit ihrer wohltuenden Offenheit, mit ihrer ansteckenden Begeisterungsfähigkeit.

Wir werden sie nicht mehr sagen hören: „Ach was, klar, das schaffen wir doch!“

Maria

 

Ich habe Jutta nur kurz gekannt. Zwei Jahre haben wir zusammen gearbeitet. Ich habe immer ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit bewundert. Sie hatte ein gutes Auge und Ohr für die kleinen Dinge des Alltags, die sie in ihren kurzen, prägnanten Glossen anprangerte.

Ob „Marie“ oder „Die Drei von der Bachstraße“ zeugen von ihrem Humor und ihrer Fähigkeit, sich in Menschen oder Typen hineinversetzen zu können.

Alles, was sie in den Redaktionssitzungen erzählte, zeigte ihr Engagement in allen Bereichen, in denen sie sich engagierte.

Eine Frau mitten im Leben.

 

 

 

Hans Jürgen

 

Wir sind tief betroffen und traurig über den plötzlichen Tod von Jutta. Sie war eine Bereicherung in unserer Schreibgruppe „GENERATION BUNT“. Ihre immer wieder lesenswerten „Marie-Geschichten“ und „Die Drei von der Bachstraße“ werden uns fehlen.

Wir haben sie als liebenswerten Menschen kennen- und schätzen gelernt und so wird sie uns immer in guter Erinnerung bleiben.

Wir werden sie vermissen.

Gaby

 

Telgte im Frühjahr 2015,
Ausstellung „Alltagsmenschen“.
 
Sie gefielen Jutta, die „Alltagsmenschen“.
Sie ging auf sie zu,
wie sie überhaupt auf Menschen zuging,
offen, im positiven Sinne neugierig,
bereit, sie kennenzulernen,
mit ihnen Kontakt aufzunehmen.
 
Und da stand die Nonne,
bodenständig, in sich ruhend.
Ein Alltagsmensch mit einem Alltagsgesicht.
Aber es ging etwas von ihr aus.
Wohin führte ihr leicht nach oben gerichteter Blick?
Was sah sie? Was empfand sie?
 
Jutta stellte sich neben die Nonne,
legte ihren Arm um sie,
nahm ihre Haltung an,
stand ganz ruhig da,
schaute in die Weite.
Wie die Nonne.
 
Und wenn man jetzt ihren Gesichtsausdruck auf dem Foto betrachtet, meint man, etwas von dem zu sehen,was Menschen sich wünschen: Frieden, Ruhe, Geborgenheit, Angekommensein.

Was Jutta möglicherweise damals für einen Augenblick empfunden hat, hat sie jetzt in Fülle: Angekommensein.

Es sei ihr von Herzen gegönnt.

Maria

 

Zum Abschied
Eine von Juttas Mariegeschichten

 

Lebendige Rose?

Es war während der Mittagszeit, als Marie in ihrem kleinen Rosengarten die verwelkten Blüten der Rosenstöcke abschnitt und in einen Eimer legte. Sie kam zum letzen Rosenbusch und hielt inne, denn die Rose, die abzuschneiden sie im Begriff war, schien sie anzusehen. Ja, tatsächlich, die Rose schaute Marie an und sagte:

„Warum tust du das? Weißt du nicht, dass auch Blumen das Recht haben zu welken?“

Marie ließ erstaunt die Hand mit der Schere sinken.

„Aber du bist bereits verwelkt“, sagte sie, „willst du am Rosenstock bleiben, bis der Wind deine Blütenblätter fortweht?“

 

„Ja, das will ich“, entgegnete die Rose, „ihr Menschen werdet doch auch nicht getötet, wenn ihr anfangt zu welken.“

Marie war ganz verwundert: „Ja, das stimmt, jedenfalls bis jetzt nicht. Aber weiß du, manchmal denke ich, ein Mensch in der heutigen Gesellschaft kann fast alles machen, er sollte nur nicht alt werden. Sie legte die Rosenschere beiseite und setzte sich auf die Gartenbank, über deren Lehne die Rose prangte, und schaute sie genauer an. Eigentlich war sie wirklich noch nicht verwelkt, sie hatte nur ein paar zerknitterte Blätter.

„Na schön“, sagte sie, „ich werde dich heute noch nicht abschneiden, aber in wenigen Tagen ist dein Leben sowieso zu Ende.“

„Fein“, freute sich die Rose, „aber glaube mir, das was du wenige Tage nennst, bedeutet für mich eine Ewigkeit. Eine Ewigkeit, in der ich die Wärme der Sonne spüre, mich im Wind wiege, vom Morgentau geküsst werde und nicht zuletzt den Bienen und anderen Insekten Nahrung spende.“

Nachdenklich schaute Marie sie an.

„Du meinst wirklich, ein paar Tage können eine Ewigkeit sein? Merkwürdig, mir kommt es immer so vor, als ob ein Tag wie im Flug vergeht.“

„Ja, ihr Menschen seid schon seltsam“, nickte die Rose, „immer habt ihr es eilig, alles geht bei euch hoppla hopp, und dann wundert ihr euch, dass euch die Zeit davon läuft. Denk doch einmal daran, was ein einziger Tag für eine Eintagsfliege bedeutet.“

„Ein ganzes Leben“, ergänzte Marie, „sie kommt am Morgen zur Welt und stirbt am Abend. So gesehen hast du Recht, und ich bin froh, dass ich dich nicht abgeschnitten habe. Tja, wer hätte gedacht, dass ich von einer Rose noch etwas lernen kann.“

Als sie zum Haus ging, wippte die Rose an ihrem Strauch und es sah aus, als ob sie Marie zulächelte.

Jutta Lorenz