Ein alter Mühlstein - ein Stück Heimat

Ein Grab auf dem Friedhof in Anholt an der holländischen Grenze.  Großer, runder Stein, in der Mitte eine kreisrunde Öffnung, darin ein metallenes Kreuz.  Drei Namen, oben der Familienname, links zwei, rechts ein Vorname. Auf der Oberseite des Steins erkennt man Rillen, die strahlenförmig von der Mitte zum Rand führen.

Der Stein – es ist ein alter Mühlstein - hat eine Geschichte, hat seine  ganz eigene  Geschichte.

Die drei Verstorbenen, Stein und Kreuz, stammen aus Schlesien.  Die Menschen  wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat  Schlesien vertrieben.

 

 

Stein und Kreuz, die zur  Familie  gehörten, blieben, zunächst.   Jahrzehnte schon  hatte  der Mühlstein auf dem Außengelände  des Hofes und der dazugehörenden Mühle  gelegen.

Mühlsteine nutzen sich ab, greifen  nicht mehr gut, müssen mühsam nachgearbeitet werden. Irgendwann sind sie  so abgenutzt, dass man sie nicht mehr gebrauchen kann.   So war es mit diesem Stein geschehen. Man hatte ihn abgelegt, direkt neben der Straße. Andere Steine, Pflastersteine, lagen dort, etwas Sand, Büsche wuchsen, und eine Bank stand da.

 

Das alles  lockte Kinder zum Spielen an. Sie  konnten klettern, springen, Versteck spielen. Ein Foto aus den dreißiger Jahren  zeigt es. Auch die vier Kinder der Familie Strauch werden hier oft gespielt haben.

Das metallene Kreuz gehörte zu der kleinen Kapelle, die an der einen Hauswand des Gehöftes angebaut war. Als die Kapelle nach dem Krieg abgerissen wurde, nahm  ein  Pole aus der Nachbarschaft das Kreuz  an sich und bewahrte es auf.

In den siebziger Jahren , als man wieder ganz normal in den Osten reisen konnte, entdeckte Harti, ein Sohn des letzten deutschen Besitzers, bei einem Besuch in der Heimat den Mühlstein wieder. Er lag allerdings nicht mehr an dem ihm bekannten Platz, sondern auf dem Gelände des Hofes und diente der Hundehütte als Sockel oder Bodenplatte.

Bei seinen weiteren Besuchen war Hartis erster Gang zur „Hundehütte“, nein, zum Mühlstein. Für Harti war das kleine Dorf in Schlesien Heimat, war wichtig für ihn, hatte einen hohen Wert. Dort war sein „Zuhause“, nirgendwo sonst. 

Er starb früh, Familiengrab in Anholt, die Eltern lagen da schon.  „Zuhause“, der Gedanke  ging seiner Frau nicht aus dem Sinn. Sie „entwickelte“ einen Plan, der  bei vielen  Kopfschütteln verursachte, Verständnislosigkeit erzeugte. Aber auch respektvolle  Zustimmung; „Ja, schön wär's ja. Aber wie??  Es wäre ganz im Sinne von Harti!“

Der Mühlstein sollte geholt werden, ein Stück Heimat sozusagen, er sollte sein Grabstein werden. Die Kinder sagten zu, ihn zu holen, liehen einen kleinen Lieferwagen und fuhren los. Es wurde eine Fahrt mit vielen Hindernissen. Die Handys waren gerade aufgekommen, so konnten die Kinder mit der Mutter in ständigem Kontakt bleiben, die natürlich schlaflose Nächte hatte. Es war ja schließlich ihr  Plan! Wenn nur alles gut ging!

Der polnische  Besitzer des Gehöftes und damit auch Besitzer des Mühlsteines war informiert und bereit, den Stein abzugeben. Er  stellte den „Käufern“ eine Quittung aus und half beim Einladen. Das war nicht einfach. So ein Stein hat sein gutes Gewicht und braucht  Platz. Es wurde eng, zu eng, so dass man ein Stück abschlagen mußte. Mit viel Mühe schaffte man schließlich alles.

Nächstes Problem: die  Grenze .  Ist ein Mühlstein ein Kulturgut oder nicht?  Wenn ja, dann darf er nicht ausgeführt werden. Die Klärung dieser Frage kostete viel Zeit, Gespräche mit  verschiedenen Instanzen waren nötig. Ergebnis: Er durfte ausgeführt werden. Vielleicht hat die oft mit Nachdruck wiederholte  Begründung: „Er ist doch für das Grab unseres Vaters“, beeindruckt!

Nächstes Hindernis, mit dem die Familie so gar nicht gerechnet hatte, das Friedhofsamt. „So etwas gehört nicht auf den Friedhof!  Ist gegen die Friedhofsordnung! Ist zu schwer! …“. Mit  Unterstützung eines Steinmetzes kam dann doch alles zu einem guten Ende. Er halbierte  den Stein und setzte das fehlende Stück wieder ein.

Der polnische Nachbar brachte bei einem späteren Besuch das kleine metallene Kreuz als Geschenk mit, es fand seinen Platz in der Mitte des Steines.

Aus dem Mühlstein wurde so  ein schöner Grabstein. Ein ganz eigener: Grabstein und zugleich ein Stück Heimat.

Schön, dass Menschen polnischer  und deutscher Nationalität zum Gelingen beigetragen haben. Deshalb sollte die Geschichte nicht nur in der Erinnerung der Familie erhalten bleiben.

 

Maria Beier

Unbekannte Genüsse in Ibbenbüren

Viele Gehölze mit Früchten im heimischen Garten aus fremdländischer Herkunft sind in der Bevölkerung weitgehend unbekannt.Kaum einer ahnt, dass deren Früchte nicht nur ungiftig, sondern sogar wohlschmeckend sind. Heute wollen wir drei dieser Früchte kurz vorstellen.

Die Nashi-Birne (Pyrus pyrifolia)

Auch dieser Baum ist an einer Stelle in Ibbenbüren zu finden. Er ist etwa 5 Meter hoch und 20 Jahre alt. Der Baum trägt jedes Jahr viele Früchte. Sie schmecken  ausgesprochen gut und  sind sehr saftig. Im Volksmund sagt man zu der Frucht  „Birpfel“ - eine Wortschöpfung aus den Wörtern Birne und Apfel. Wegen ihrer Form und ihres guten Geschmacks wird die Frucht auch Apfel-Birne genannt.

Die Handelsbezeichnung „Nashi-Birne“ auf den Wochenmärkten ist eigentlich eine Verdopplung des Namens, denn „Nashi“ ist ohnehin das japanische Wort für Birne.

Die Königs-Walnuss (Juglans Regia)

In Ibbenbüren steht ein Walnussbaum mit Nüssen, die etwa dreimal so dick sind wie eine normale Walnuss. Wie kommt so ein Baum nach Ibbenbüren? Der erste bekannte Baum dieser Art war ein Zufallsprodukt.  Er entstand wohl durch eine Mutation und wuchs in der Gärtnerei von Engelbert Beyer in Bevergern. Der Gärtner Beyer brachte etwa 20 dieser dicken Walnüsse von Bevergern nach Dortmund-Beckhausen zu seinem Onkel, dem Pastor August Eiter. Der Pastor hat um 1944 ungefähr 20 dieser dicken Nüsse in die Erde gesetzt.

Daraus entstanden nach etwa 25 Jahren große Nussbäume, aber nur einer dieser Bäume hatte auch die dicken Walnüsse. Engelbert Eiter nahm von diesem Baum einen Edelreiser mit nach Ibbenbüren und pfropfte ihn auf einen kleinen Walnussbaum im Garten seines Sohnes. Es entstand ein prächtiger Nussbaum, der ebenso diese dicken Walnüsse hervorbringt. Gärtnermeister Beyer in Ibbenbüren, er stammt ebenfalls aus der Gärtnerstadt Bevergern, hat auch einen dieser Bäume an seinem Haus stehen. Er erzählte, er habe viele der dicken Walnüsse in die Erde gesetzt, aber nur ein Baum bekam wieder die dicken Früchte.

Die Nüsse sind  aber nicht ganz so groß wie der Baum bei Familie Eiter. Der botanische Name ist Juglans Regia, eine Mutation aus der normalen Walnuss, ihr deutscher Name ist Schlegelnuss. Im Volksmund wird sie auch als Königs-Walnuss bezeichnet. In Ibbenbüren gibt es noch einen weiteren Standort dieses Nussbaumes, dessen Geschichte noch nicht erforscht ist. Auf einem Bauernhof in Telgte steht am Feuerlöschteich vor dem Hof Stübbe ein Baumveteran, auch er trägt Jahr für Jahr die Königs-Walnüsse.  Bauer Stübbe erzählte, die Walnuss sei ein Selbstbestäuber, sie braucht also keinen Nachbarbaum. Diesen Baum hat übrigens  sein Vater gepflanzt.

Der Asiatische Blumenhartriegel

Zugegeben, man würde von den Früchten  nicht essen, wenn man nicht genau wüsste, dass sie essbar sind und gut schmecken. Man kann sogar einen tollen Likör oderAufgesetzten  davon machen. Die Rede ist vom asiatischen oder chinesischen Blumenhartriegel, einem überaus dekorativen Zierstrauch für den Garten, der nicht nur in Ibbenbüren weit verbreitet ist. Es gibt ihn als Strauch mit schneeweißen Sternblüten oder mit rosa Blüten in verschieden starken Tönen am gleichen Strauch. Im Herbst bilden sich leuchtend rote, runde Früchte an kurzen Stielen hängend und mit kleinen Pusteln bedeckt. Die Früchte werden zuletzt dunkelrot und sie lassen sich beim Pflücken ohne weiteres vom Stiel lösen.

Hier ist das Rezept für einen „Aufgesetzten“ aus Blumenhartriegel (er schmeckt ganz ungewohnt  aber sehr angenehm):

Etwa 250 bis 300 Gramm reife Früchte in eine bauchige blasche füllen, darauf einen „Klaren“ geben und die Früchte damit vollständig bedecken. Oder man nimmt 99-prozentigen reinen Alkohol, verdünnt ihn auf 1Teil Alkohol mit 3 Teilen Wasser und bedeckt damit die Früchte vollständig. Etwa 2 Hand voll kleine Stücke weißen Kandis hinzugeben, die Flasche verkorken, das Ganze  gut durchschütteln und danach an einen sonnigen Platz stellen, mindestens 14 Tage, besser sind noch 3 Wochen, ziehen lassen und täglich schütteln. Danach mit einem Sieb abseihen, abschmecken, eventuell weiter verdünnen oder nachsüßen, danach dann wieder 14 Tage ziehen lassen. Wenn man zu Anfang eine aufgeschlitzte Vanillestange hinzufügt, bekommt der „Aufgesetzte“ ein besonders feines Aroma.

Die Pomeranze wird auch Bitterorange genannt. 

Ist das ein Schimpfwort oder ein Kompliment, wenn jemand sagt „Du bist eine alte Pomeranze“? - Eine „Landpomeranze“ war ein Mädchen aus der Provinz mit gesund geröteten Wangen wie die Farbe der Orange. In Ibbenbüren steht ein Pomeranzenbaum, geschützt von einem Hausgiebel an der Südseite. Der Baum ist vier Meter hoch und er hängt jedes Jahr voller goldgelber Früchte, die keiner erntet, weil kaum einer weiß, was für eine schöne Marmelade man aus den Früchten bereiten kann. Die Pomeranze ist eine Zitruspflanze. Ihre Frucht ist orangenähnlich, aber bitter und kleiner. Entstanden ist die Bitterorange als Kreuzung zwischen Pampelmuse und Mandarine. Sie wächst als immergrüner, bis fünf Meter großer Baum auch in der hiesigen  Gegend. Die Zweige sind mit Dornen besetzt, die fünf bis acht Zentimeter Länge erreichen können. Die weißen Blüten duften stark und angenehm - die Früchte sind rundlich. Sie sind etwas abgeplattet, die leuchtend orange Schale ist dicker als die der Orange. Die Frucht lässt sich relativ leicht abschälen. Im Innern ist sie in zehn bis zwölf Teile unterteilt. Das Fruchtfleisch ist sauer und die weiße Schicht unter der Schale schmeckt bitter. Erntezeit im heimischen Garten ist Ende Oktober. Aus der gesamten Frucht wird Orangenmarmelade hergestellt, wobei die äußere Fruchtschale dem Gelee beigegeben werden kann. Auch werden die Schalen und der Saft der Pomeranze für die Herstellung des Likörs Curaçao benötigt. Die Pomeranze liefert auch der Parfümerie drei sehr wichtige Duftbausteine. Sie kam bereits im Mittelalter nach Europa, erste Erwähnungen finden sich bereits im 10. Jahrhundert in arabischen Schriften. Die Bezeichnung Pomeranze leitet sich vom lateinischen Pomum Aurantium (goldener Apfel) ab.

Werner Suer

 

Rote Rosen bei der „Bunten Runde“ im Caritas-Wohnhaus

Fast war es wie bei Hildegard Knef, die sich wünschte, dass es „Rote Rosen“ regnen möge. Am Ende der Veranstaltung, die, von der „Bunten Runde“ gestaltet, alle zwei Wochen am Donnerstag im Caritas-Wohnhaus stattfindet, bekamen alle Hausbewohner, die teilgenommen hatten, ein Geschenk: eine im Aufblühen begriffene, lachsfarbene Rose in einer passenden kleinen Vase.

Das Geschenk kam von den Besitzern des „NaturaGart“ Freizeitparks in Dörenthe. Man sah es den freudig erstaunten Gesichtern an, dass das Geschenk gut ankam. Keiner ließ es zurück, alle nahmen es mit auf ihre Zimmer. Mit Sicherheit hat es allen Freude gemacht.

Schwerpunkt an diesem Donnerstag war der Naturerlebnispark „NaturaGart“ in Dörenthe. Ilse Berlekamp stellte mit Hilfe von Bildern und Video-Clips die Anlage und ihre Entstehungsgeschichte anschaulich vor.

Erstaunlich, was sich in wenigen Jahren auf dem Gelände des ehemaligen alten Bauernhofes entwickelt hat. Durch Erdaufschüttungen, künstliche Teiche, fließendes Wasser, viele gewundene Wege, Neuanpflanzungen, Einbeziehung des alten Baumbestandes und vor allem durch die vielen, je nach Jahreszeit bepflanzten Blumenbeete, hat man einen Naturerlebnispark geschaffen, der Besucher von nah und fern anzieht. Durch diesen Park konnten die Hausbewohner nun anhand der wunderschönen Aufnahmen „spazieren“

Das Frühjahr zeigte sich mit einer Fülle von Primeln, Narzissen, Tulpen in verschiedensten Farben, der Sommer mit Akelei, Rittersporn, Klatschmohn, Kornblumen und Rosen, Rosen in nicht enden wollenden Farbnuancen.Beeindruckend auch die Schönheit der Wasserrosen. Dann im Herbst die Farbenpracht von Astern, Dahlien, Sonnenblumen, von Heidekraut und Stockrosen.

Auch Tiere haben sich wieder angesiedelt, kleine und große Libellen, Vögel, sogar der Eisvogel ist da, der, weil er sehr scheu ist, leider nicht oft zu sehen ist. Kinder sind natürlich begeistert, wenn sie das Quaken eines Frosches hören, wenn sie aus der Nähe beobachten können, wie er sich aufplustert. Rund einhundertsechzig Angestellte sind ständig damit beschäftigt, den Park zu pflegen, Verblühtes, Verdorrtes zu entfernen, Blumenzwiebeln und Blumen auszutauschen, Bäume zu beschneiden, Wege auszubessern.

Neue Ideen kommen dazu, so der Taucherpark, eine Attraktion für Taucher, aber auch, um Fische, recht große, zu beobachten.

Es wurde ein ausgedehnter „Spaziergang“ für die Bewohner des Caritas-Wohnhauses mit einer Fülle von wunderschönen Eindrücken. Sie erfreuten sich an den Nahaufnahmen,an den weiten Blicken auf Blumenbeete, auf Seen und Pavillons, hörten das Rauschen der Bäume, das Gezwitscher der Vögel, das Plätschern des Wassers,das Quaken der Frösche. Sie waren mitten in der Natur, waren einfach dabei, auch wenn der „virtuelle Ausflug“ nur gut dreißig Minuten dauerte.

Maria Beier

 

Bildquelle: pixabay.com/static/uploads/photo/2013/11/11/21/36/roses-208980__180.jpg