Die Geschichte von Schulzen Teich

Schulzen Teich kennt jeder, der auf dem Dickenberg aufgewachsen ist. Hier lernten die Kinder das Schwimmen, hier liefen sie im Winter Schlittschuh. Der Teich war praktisch die Badeanstalt der Dickenberger und alle erinnern sich gern an ihre Jugendzeit und ihre Erlebnisse am Schwimmbad. Der Teich liegt etwas versteckt hinter der ehemaligen Ziegelei Habbes, dem heutigen Betrieb Woitzel nördlich der Sonnenscheinsiedlung. Doch fragt man die Einheimischen, wer denn nun dieser Herr Schulze war, zucken alle mit den Achseln.

Ein älterer Bewohner des Dickenbergs gab mir einen wertvollen Hinweis: „Fragen Sie doch mal die Tochter des ehemaligen Ziegelmeisters Sölter, die kann sicher etwas dazu sagen“. Der Großvater von Frau Sölter, der Ziegler Heinrich Schulze, kam aus Pottenhausen im Lipperland. Er war auf der Ziegelei Habbes als Platzmeister beschäftigt und er kümmerte sich auch im Winter um die Ziegelei.

Heinrich Schulze hat 1895 den Teich angelegt, daher ist der Teich nach ihm benannt. Die Ziegelei Habbes benötigte einen Teich für das Betriebswasser zur Ziegelherstellung. Der Standort war sehr geeignet, weil in unmittelbarer Nähe eine Quelle war. Sie speiste zusammen mit dem Regenwasser den Teich, der das Wasser halten konnte, weil darunter eine dicke Lehmschicht war. Der erste Ziegelmeister war August Rothaus aus Bega im Lipperland, ihm folgte der Ziegelmeister Hermann Sölter.

Schulzen Teich war praktisch die Badeanstalt der Dickenberger und im Winter spielten die Jungs Eishockey auf dem zugefrorenen See. Wenn jemand in das Eis eingebrochen war und alle Kleidung nass war, begaben sich die Kinder in den Arkaden-Gang zwischen dem Ringofen und den Stützpfeilern des Ofens und trockneten die nasse Kleidung und wärmten sich an der Ziegelmauer des Ofens auf. Die Ziegelmeister Rothaus und sein Nachfolger Sölter wohnten neben der Ziegelei, sie hatten nichts dagegen, dass die Kinder sich dort aufhielten. Die Frau des Ziegelmeisters und ihre Nachbarin, Frau Wiethölter, trockneten immer ihre Wäsche im Ofengang. Über Schulzen Teich führte eine kleine Steinbrücke. Sie endete nach Westen vor der Wand der Tongrube, nach Osten gelangte man zu einer Quelle in einem gemauerten Sandsteinbrunnen, darüber war eine Brunnenstube mit schräger Falltür, die man verschließen konnte. Von hier holten ganz viele Nachbarn ihr Trinkwasser. Neben dem Brunnen befand sich ein kleiner Sprengstoffbunker, mit dem Schwarzpulver aus dem Bunker löste man in der Bruchwand der Tongrube das verfestigte Material. Nördlich der Brücke war das Wasser so flach, dass man dort stehen konnte, der südliche Teil war tiefer, hier konnte man gut schwimmen, hier war auch eine kleine Ausbuchtung mit einem Pumpenhäuschen. Darin befand sich die Tauchpumpe mit einem Saugrohr für das Betriebswasser der Ziegelei. Der Ringofen der Ziegelei war umgeben von schmalen Trockenschuppen für die rohen Ziegel und war auch ein Platz für heimliche Liebschaften. Hier konnten die Jungen mit dem Mädchen poussieren, ohne entdeckt zu werden und hier wurden auch heimlich Zigaretten geraucht.

Den Schulzen-Teich gibt es noch heute, dort steht eine kleine hölzerne Anglerhütte. Der Ringofen der alten Ziegelei wurde um 1964 abgebrochen.

Werner Suer

 

Der Clown

Dieser Clown, eine Skulptur aus Bronze, steht im Mariengarten in Emsdetten, in dem kleinen Park hinter dem Marienhospital.

Josef KrautwaldGeschaffen hat ihn der Künstler Josef Krautwald.

Josef Krautwald (1914–2003) war Steinmetz und Bildhauer. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er von Schlesien nach Rheine, wo er bis ins hohe Alter hinein in seinem Atelier arbeitete. In vielen Kirchen des Münsterlandes sind sakrale Werke von ihm zu finden. Es gibt allein dreihundert Kreuzwegdarstellungen. Dazu gehören die Kreuzwegbilder an der Kirche von Gravenhorst. Auch eine Gedenkstele in Telgte, die Glatzer Madonna, stammt von ihm. Sie erinnert an die Opfer von Krieg und Vertreibung.

 

 

Josef AchterfeldJosef Achterfeld, Pfarrer in Emsdetten, hat zu dieser Skulptur seines Freundes Josef Krautwald folgenden Text geschrieben:

 

 

 

 

Der Clown

Schau Dir den Clown an.
Du bist sein Publikum, er ist Dein Spiegel,
in dem Du manches von Dir entdeckst.
Der kleine unscheinbare Mensch
in Clownsgestalt,  im Clownsgewand: 
ein anderes Gewand, als wir sind, tragen wir allemale.
 
Sieh seine hängenden Schultern, zu schwach,
um wie einst Atlas die ganze Welt zu tragen;
er hat Lasten abgeworfen, darum kann er sich leicht nehmen;
gib ab von mancher scheinbaren Gewichtigkeit,
und Dir wird leichter.
 
Die überdimensionierte Fliege sagt: 
Nicht alles im Leben hat immer das rechte Maß; 
was man alles am Hals hat, darf auch mal schief geraten.
 
Die Schuhe: viel zu groß, um richtig gehen zu können,
so stolpert er durchs Leben.
Manchmal drückt Dich der Schuh, manchmal ist er Dir zu groß.
Du kennst das doch auch.
 
Das fauchende Bandonium bewegt sich im Rhythmus von 
Einatmen  und   Ausatmen;
Luft reinlassen, Luft rauslassen, das durchlüftet die Seele;
Ozon für die Lunge ist auch Ozon für die Seele.
 
Tiefe Stirnfalten, wirre Haare, Segel-Ohren und Pinocchio-Nase,
Knautschzonen des Lebens! 
Du lächelst wie von selbst
und läßt die lächelnde Heiterkeit und Weisheit in Dich hinein.
Der Clown lacht über sich selbst.
Selig, die über sich selbst lachen können,
denn sie werden nicht nur sich selbst richtig einschätzen,
sondern auch immer Unterhaltung haben.
 
Das Lachen ist schließlich der Knopf, der verhindert,
dass einem manchmal der Kragen platzt.
Das Lachen ist ein gesunder Bazillus
mit gewinnender Ansteckungskraft.
Selbst,
wenn hinter der Maske sich innen Traurigkeit verbergen kann.

Der Clown   -   Dein lächelnder Spiegel!

In: Froh im Glauben
Josef Achterfeld
Pfarrgemeinde St. Pankratius Emsdetten 2007

Maria Beier

 

Bildquellen:
st-pankratius-emsdetten.de/system/html/ansprechpartner-pfarrer-Achterfeld-01-7ebfe67a.jpg
karl-leisner.de/wp-content/uploads/2015/10/Krautwald_Foto.jpg

Die Weihnachtsgans

In einem Vorort von Wien lebten  in der hungrigen Zeit nach dem Krieg zwei nette alte Damen.

Damals war es noch schwer, sich für Weihnachten einen wirklichen Festbraten zu verschaffen. Und nun hatte die eine der Damen die Möglichkeit, auf dem Land - gegen allerlei Textilien – eine wohl magere, aber spricklebendige Gans einzuhandeln. In einen Korb verpackt, brachte Fräulein Agathe das Tier nach Hause. Und sofort begannen Agathe und ihre Schwester Emma das Tier zu füttern und zu pflegen.

Und so kam der Morgen des 23. Dezember heran. Es war ein strahlender Wintertag.

Die ahnungslose Gans stolzierte von der Küche aus ihrem Körbchen in das Schlafzimmer der beiden Schwestern und begrüßte sie zärtlich schnatternd. Die beiden Damen vermieden es, sich anzusehen. Nicht weil sie böse aufeinander waren, sondern nur, weil eben keine von ihnen die Gans schlachten wollte.

„Du musst es tun“, sagte Agathe, sprach's, stieg aus dem Bett, zog sich rasch an, nahm die Einkaufstasche, überhörte den stürmischen Protest und verließ in geradezu hässlicher Eile die Wohnung.

Als Agathe nach geraumer Zeit wiederkehrte, lag die Gans auf dem Küchentisch, ihr langer Hals hing wehmütig pendelnd herunter. Blut war keines zu sehen, aber alsbald zwei liebe alte Damen, die sich heulend umschlungen hielten.

„Wie ...wie  …“, schluchzte Agathe, „hast du es gemacht?“

„Mit ...mit...Veronal“, wimmerte Emma. „Ich habe ihr einige deiner Schlaftabletten auf einmal gegeben, jetzt ist sie ...“, schluchzend,  „huh … rupfen musst du sie …. huh huh huh“, so ging das Weinen und Schluchzen fort.

Endlich raffte Agathe sich auf und begann, den noch warmen Vogel zu rupfen. Federchen um Federchen schwebte in einen Papiersack,

den die unentwegt weinende Emma hielt.

Und dann beschloss man, nachdem es mittlerweile spät am Abend geworden war, das Ausnehmen der Gans auf den nächsten Tag zu verschieben.

Am zeitigen Morgen wurden Agathe und Emma geweckt. Mit einem Ruck setzten sich die beiden Damen gleichzeitig im Bett auf

und stierten mit aufgerissenen Augen und Mündern auf die offene Küchentür.

Herein spazierte, zärtlich schnatternd wie früher, wenn auch zitternd und frierend, die gerupfte Gans.

Bitte, es ist wirklich wahr und kommt noch besser. Als ich am Weihnachtsabend zu den beiden Damen kam, um ihnen noch rasch zwei kleine Päckchen zu bringen, kam mir ein vergnügt schnatterndes Tier entgegen, das ich nur wegen des Kopfes als Gans ansprechen konnte, denn das ganze Vieh steckte in einem liebevoll gestrickten Pullover, den die beiden Damen hastig für ihren Liebling gefertigt hatten.

Die Pullovergans lebte noch weitere sieben Jahre und starb dann eines natürlichen Todes.

Maria Branowitzer-Rodler

 
 
 
Quelle:Der andere Advent
           Meditationen und Anregungen 2008 / 2009
 
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