„Omapa – Wunschgroßeltern"

Projekt „Omapa – Wunschgroßeltern, die leihʼ ich mir“
Rückblick, Einblick und Ausblick

„Omapa“ ist ein Produkt der heutigen Gesellschaft, in der Familien und Alleinerziehende nicht selten auf die wichtigen Stützpfeiler Großeltern verzichten müssen. Ursächlich hierfür ist in vielen Fällen eine zu große räumliche Distanz, welche die Einbindung der Großeltern ins familiäre Geschehen erschwert. Warum also nicht interessierte und engagierte Seniorinnen, Senioren sowie betroffene Familien in einem ehrenamtlichen Wunschgroßeltern-Projekt vor Ort zusammenführen?

Gesagt – getan:
Ende 2006 wurde „Omapa“ als Gemeinschaftsprojekt der Freiwilligenbörse KISTE, der Familienbildungsstätte und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) auf Initiative von Franz Dühnen und HansJoachim Herwig realisiert, die das Projekt mit großem Engagement und beherztem Einsatz bis heute betreuen.
Im Gespräch mit Edith Plegge von der Freiwilligenbörse KISTE, Franz Dühnen und HansJoachim Herwig wird schnell deutlich: Die Begeisterung für das Projekt ist ungebrochen – trotzdem oder gerade weil es kein Selbstläufer ist. Nicht jede Vermittlung bringt den gewünschten Erfolg. Aber das liegt in der Natur der Sache. Manch eine Verbindung überdauert die Anfänge nicht, eine andere bleibt den Beteiligten als Phase oder Lebensabschnitt in guter Erinnerung und wiederum eine andere ist von anhaltendem Bestand.
So berichtet HansJoachim Herwig von einer „Wunsch“-Oma, die nach dem Verlust ihres Mannes von ihrer bereits vorhandenen „Leih“-Familie auf ganz wunderbare Weise aufgefangen wurde.
Dabei kann Herwig, mittlerweile 6-facher Großvater (seine Kinder und „natürlichen“ Enkelkinder leben nicht in räumlicher Nähe), auch auf seinen ganz persönlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Seine zwei „Leih“-Enkelkinder begleitet er seit nunmehr sechs Jahren und es ist nach wie vor die ganz große Liebe. „Der Funke sprang sofort über“, erinnert sich Herwig strahlend an die erste Begegnung. Lauscht man seinen Ausführungen, so kann man sich seiner Begeisterung kaum entziehen. Trotz fehlgeschlagener „Zusammenführungen“, für die es ganz unterschiedliche Gründe gibt. „Die Chemie muss stimmen!“, sind sich alle einig. Das ist nicht immer der Fall. Um dieses Problem weitgehend zu vermeiden, führen Dühnen und Herwig im Vorfeld Gespräche, protokollieren Hobbys, Neigungen, bestehende Allergien, Haltung von Haustieren etc. Schlussendlich führen sie zusammen, „was“ potenziell zusammen passt. Vertrauen, Geduld, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind für einen erfolgreichen Verlauf immens wichtig. Mitunter fehle aufseiten der Familien die Bereitschaft, die Wunschgroßeltern tatsächlich zu integrieren und auch emotionale Bindungen zuzulassen, erklärt Herwig.

Nach wie vor wird das Projekt stärker von Familien und Alleinerziehenden nachgefragt als von Seniorinnen und Senioren. Während ihrer aktiven Suche nach potenziellen Wunschgroßeltern, so Dühnen und Herwig, habe sich ein Teil der Zielgruppe bereits ehrenamtlich verankert, ein anderer Teil nicht mehr bereit für eine solche Aufgabe gezeigt. Ängste scheinen hier auch eine Rolle zu spielen. Diesen entgegenzuwirken versuchen Dühnen und Herwig mit andauernder Gesprächsbereitschaft sowie der Organisation geselliger Nachmittage zwecks Erfahrungsaustausch. Um Überforderungen zu vermeiden, so Edith Plegge, sollten die Kinder zu Beginn das Grundschulalter nicht überschreiten, die familiäre Situation nicht zu problembeladen sein. „Das Angebot soll niederschwellig bleiben“, fügt sie in diesem Zusammenhang hinzu.

Aus dem Dialog ergibt sich: „Omapa“ zielt auf eine wechselseitige Bereicherung im gemeinsamen Miteinander und nicht zuletzt auch auf den Austausch der Generationen. Keinesfalls sollten die Wunschgroßeltern als unentgeltliche Haushaltshilfen verstanden werden oder grundlegende Erziehungsarbeit leisten müssen. Im Fokus der Kinderbetreuung durch die Wunschgroßeltern stehen Spiel und Spaß. Sei es auf dem Spielplatz, beim Spaziergang im Wald, beim Malen, Basteln, Backen oder ganz einfach beim Erzählen von Geschichten, einem Buch oder auch dem eigenen Leben entnommen. Die Möglichkeiten sind individuell unterschiedlich und gleichsam vielfältig. Herwig, der neben seiner Funktion als Großvater auch gerade den Austausch mit der Eltern-Generation genießt, erzählt von Museumsbesuchen und den guten, „gemeinsam“ erzielten Fortschritten im Schwimmkurs, zu dem er seine Enkelin begleitet. Wir-Gefühl und emotionale Bindung sind bei Herwig ganz großgeschrieben. „Opa-Sein“, rundet Herwig das Gespräch dann auch treffend ab, „das ist was fürs Herz“. – Ein wunderbares Beispiel für eine wahrhaft erfolgreiche „Zusammenführung“.


Interessierte Leserinnen und Leser aus dem Raum Ibbenbüren und Hörstel wenden sich bitte zunächst an die Freiwilligenbörse Kiste, Tel.: 05451 96860.
Susanne Keller


Hinweise zum Thema
Aufseiten der Wunschgroßeltern ist ein Erste-Hilfe-Kursus für Notfallhilfe bei Kindern Bedingung.
Familien und Alleinerziehenden wird als Aufwandsentschädigung die Übernahme der Kosten einer Versicherung für Tagesmütter empfohlen.
Für eine erfolgreiche Vermittlung ist seitens der Familie eine Gebühr von 25 Euro zu entrichten.