Abenteuer Nordamerika

Rechts Rita

Ibbenbüren/Amerika. Einen interessanten Beitrag sendete „ Generation BUNT“ kürzlich die Schwester des Redaktionsmitglieds Werner Suer. In den siebziger Jahren wanderte sie, ihr Mann Fred und ihr erster Sohn nach Amerika aus und berichtet jetzt über ihre Eindrücke, Erlebnisse, ihr neues Leben in der damaligen Fremde.

Werner Suer:„ Meine Schwester Rita lebt mit ihrer Familie seit 37 Jahren in Nordamerika. Jedes Jahr kommt sie gern zu Besuch und darauf freuen wir uns immer. Gemeinsam mit meiner Frau und Rita sind wir fast fünf Wochen jeden Tag auf „Achse“ und unternehmen viel. Dabei entdecken wir immer wieder Neues in der Umgebung von Ibbenbüren. Danach geht es jedes Mal für 14 Tage in das schöne Lipperland, wo die Zeit für Wanderungen und Entdeckungen natürlich nie ausreicht. Dabei kam der Gedanke auf, dass Rita über ihre Auswanderung etwas Bleibendes aufschreibt“.

Rita: „Die Chance, nach Kanada auszuwandern, bot sich uns 1976. Ich lebte mit meinem Mann Fred und unserem 4-jährigem Sohn Edward in Bonn. Dort hatten wir beide studiert und Fred arbeitete an der kanadischen Botschaft, als er das Angebot erhielt, in Kanada seinen „Masters“ machen zu können. Daneben sollte er zum Lebensunterhalt Deutsch-Kurse für Studienanfänger an der Universität von Alberta in Edmonton unterrichten.

Schon lange hegten wir den Gedanken an einen totalen Neuanfang im nordamerikanischen Ausland. Europa schien uns immer enger zu werden. Die Probleme der Umweltverschmutzung wurden immer häufiger diskutiert, auch befand man sich noch mitten im „Kalten Krieg“ und wir dachten vor allem an die Zukunft unseres Sohnes.

Voller Mut, aber wohl auch Naivität, flogen wir an einem sonnigen Augusttag des gleichen Jahres nach Edmonton, im Westen Kanadas. Der erste Eindruck im neuen Land war überwältigend: Auf der Fahrt vom außerhalb gelegenen Flughafen zur City bot sich uns der prächtige Präriehimmel, der „Big Sky“, in seiner ganzen Schönheit. Wie ein riesiger Dom spannte sich der glasklare Himmel in alle Richtungen bis zum Horizont.

Doch traf uns recht bald der bekannte Kulturschock, der keinem Einwanderer erspart bleibt. Die völlig andere Mentalität und Lebensweise der Bevölkerung war uns sehr fremd. Mein Schulenglisch war der gesprochenen Sprache sehr entfernt und brachte so manche Verständigungsprobleme. Fred ging es da viel besser. Als Anglist und Germanist fühlte er sich im Englischen ganz zu Hause, außerdem hatte er in den 60er Jahren ein Austauschjahr an einer High School in Virginia bei Washington absolviert.

Die ungewohnten Lebensmittel waren besonders hart zu „verdauen“. Uns fehlte die herrliche Vielfalt der deutschen Brote und Gebäckwaren am allermeisten. Gute Wurstwaren und Käse waren schwer zu finden, viele andere Kleinigkeiten fehlten, die bisher selbstverständlich gewesen waren.

Die Wohnungssuche gestaltete sich als recht schwierig. Nach einigen Fehlschlägen in verschiedenen Stadtwohnungen erhielten wir zum Glück einen Platz im Wohnheim für Studenten mit Kindern. Dort fühlten wir uns wohl, obwohl uns vor allem in den ersten Jahren das Heimweh sehr quälte.

Im September 1977 kam unser kleiner Kanadier Richard auf die Welt.

Freds Studium und Lehrauftrag verliefen sehr gut und im Frühjahr 1979 hatte er seinen Masters abgeschlossen und zusätzlich noch eine Lehrerausbildung gemacht.

Seine erste Anstellung erhielt er im extremen Norden Albertas. Unsere romantische Vorstellung vom Norden zog uns in ein Gebiet, in dem sich nicht nur Fuchs und Has’ gute Nacht sagten, sondern auch Wolf und Bär. Die wilde Schönheit dieser Landschaft war berauschend! In klaren Mondnächten konnte man dem durchdringenden Heulen der Wölfe lauschen oder das Nordlicht in wehenden Vorhängen aus grünen und roten Lichtern den ganzen Himmel entlanglaufen sehen.

Doch birgt der Norden auch viele Gefahren. Das Verkehrsnetz ist dünn gesät, ebenso die Versorgung, vor allem die medizinische – wie wir sehr bald selbst erleben konnten:

Gleich im ersten Sommer wurde Sohn Edward schwer krank. Als endlich die richtige Diagnose „Akute Blindarmentzündung“ gestellt wurde, stand dieser knapp vor dem Durchbruch. Ein Buschpilot flog den fieberkranken siebenjährigen die fast 500 Kilometer zum nächsten Krankenhaus nach Peace River. Dort wurde Ed – quasi in letzter Minute – operiert.

Der gefürchtete kanadische Winter traf uns im Norden besonders hart. Minus 40 Grad Celsius waren keine Seltenheit, dazu wehte der schneidende Wind über die verschneite Landschaft. Von Ende September bis Mitte Mai war die einzige Farbe der Außenwelt weiß!

Doch war die Schönheit der Winterlandschaft unbeschreiblich. Um den langen Winter zu überstehen, musste man ihn nutzen. Auf zugefrorenen Seen konnte man das Auto parken und dort Hockey spielen oder sich eine Eisbahn bauen. Mit vereisten Wimpern und angefrorenen Ohren und Nasen kamen wir von solchen Aktivitäten zurück ins Warme. Wie oft haben wir den mächtigen Peace River per Eisbrücke überquert, da die Fähre, die einzige Verbindung nach Süden, natürlich eingefroren war. Oft waren die Autoreifen morgens fast quadratisch an dem Boden angefroren und erst nach einigen Kilometern holpriger Fahrt waren sie wieder rund gefahren.

An vielen kleinen Schulen im Norden Albertas und Britisch Kolumbiens hat Fred über die Jahre unterrichtet. Später wurde er Rektor von Hutterer- und Mennonitenschulen, auch hat er mal eine Indianerschule geleitet.

Als unser ältester Sohn seine High School abgeschlossen hatte, zog die Familie wieder in die City nach Edmonton. Dort schloss Ed sein Physikstudium ab. Als auch Richard seinen High School Diplom hatte, zogen wir in den Osten Kanadas, nach Ontario, wo beide Söhne ihr graduiertes Studium mit dem Doktortitel abschlossen. Inzwischen haben beide gute Anstellungen in den Großstädten Toronto und Ottawa – vom Norden haben sie eigentlich genug!

Beide Söhne sind völlig zweisprachig, lieben die deutsche Kultur und fliegen oft und gerne nach Europa. Aber sie sind echte Kanadier und können sich ihre Zukunft nur dort vorstellen.

Unser inzwischen einjähriger Enkelsohn hat die Zukunft der Familie eindeutig in Kanada verankert.

Wir beiden Alten leben nun schon seit über zwölf Jahren in den USA. Dort ist Fred an der Deutschen Schule Washington tätig und fühlt sich zwischen der deutschen und amerikanischen Kultur und Sprache sehr wohl. Unsere Verbindung zum Ursprungsland ist ohnehin nie abgerissen und wir haben stets eine enge Bindung an Deutschland beibehalten. Oft haben wir Deutschland und unsere Verwandten dort besucht. Vor allem freue ich mich immer wieder, wenn ich mit meinen vier Brüdern und vier Schwestern zusammen treffe.

Wenn Fred sich eines Tages in den Ruhestand begibt, stellt sich uns beiden die Frage:

Bleiben wir in den USA, zeihen wir nach Ontario in die Nähe der Kinder oder ziehen wir doch zum Lebensabend zurück ins Land der Vorfahren nach Deutschland?

Die Antwort liegt in der Zukunft....“

 

Rita Thommes

 

Ein Riesenbecker seit 20 Jahren Bischof in Peru

Dr. Norbert Strotmann über seine Arbeit und seine Eindrücke

Ibbenbüren/Riesenbeck. Während des Aufenthaltes in Deutschland von Dr. Norbert Strotmann konnte „Generation BUNT“ Mitarbeiter Hans-Jürgen Himstedt einen kurzen Moment des Gesprächs mit seinem Freund erhaschen. Hier einige Eindrücke, Gedanken, Auszüge und Ansichten:

Kennengelernt habe ich Bischof Norbert Strotmann schon vor 47 Jahren. Damals waren wir zusammen in einem Ferienlager in Ostwig im Sauerland. Er angehender Theologiestudent im Missionshaus Oeventrup und ich Pädagogikstudent. Damals wie heute ein agiler Mann, der informiert war, klug und belesen. Im Laufe der Jahre habe ich seinen Aufstieg per Internet und Presse verfolgt, auch seine Besuche in Riesenbeck; bei denen wir immer in kurzem Kontakt standen. Nun habe ich mich zu einem Gespräch für „Generation BUNT“ angemeldet. Im schmucken Einfamilienhaus seiner Schwester in Riesenbeck werde ich freundlich mit Kaffee und Plätzchen begrüßt. Norbert ist ganz der Alte – freundlich und locker. Wir sitzen uns gegenüber, sprechen über alte Zeiten.

Bald sind wir beim Thema:

Bischof Norbert, geboren 1947 in Riesenbeck. Schule am Ort, später Übergang auf das Ordensgymnasium der Hiltruper Missionare in Hiltrup bei Münster. Abitur, Studium. 1967 Eintritt bei den Herz-Jesu-Missionaren, Hiltrup. Studium in Innsbruck und Bochum. Während des Studiums erste Kontakte mit der Mission in Peru. Im Diakonat wünscht er sich: „Schickt mich nach Peru, bezahlt den Flug und ich werde dort mein praktisches Jahr absolvieren. In dieser Zeit macht er einschneidende Erfahrungen: „Ich ging durch die Favelas und schaute durch eine offene Tür in ein Haus. Ein langer Flur, am Ende ein Waschbecken mit einem Wasserschlauch. Vom Flur gingen 10 Türen ab. Hinter jeder Tür eine peruanische Familie. Und du weißt wie groß diese Familien sind“- fügt er lachend hinzu: „Acht bis zehn 10 Personen. - Da wusste ich, hier will ich bleiben.“

Er schreibt an seiner Pomotionsarbeit, „ Die Sprache des Dialogs zwischen Marxisten und Christen“ (1973). Im gleichen Jahr wird er in Peru zum Priester geweiht. Er beginnt noch ein Studium der Soziologie in Bielefeld an und schließt mit Diplom ab. In Lima lehrt Norbert an der Hochschule, wird Direktor des Seminars der Herz-Jesu-Missionare und macht sich einen Namen durch seine sozialen Studien in Peru. 1992 wird er in die internationale Theologenkommission berufen. Im gleichen Jahr empfängt er die Weihe als Weihbischof durch Johannes Paul II in Rom. Seit 1997 ist er Bischof der neuen Diözese Chosica, die die östlichen Teile Limas und einen Teil der angrenzenden Andenregion umfasst.

Und da liegt für ihn seine Hauptarbeit. Wir sprechen über die Armut in Peru. „Ich sehe das Ungleichgewicht als das Hauptproblem an. Da setzte auch die Befreiungstheologie an. Peru und die anderen mittelamerikanischen Staaten haben viel zu bieten. Aber leider läuft die Verteilung nicht so, wie es wünschenswert wäre. Das ist der Skandal. Durch Sonderprogramme hat sich einiges getan.“

Er erzählt von seinen Gästen aus Deutschland.: „Ich gehe mit ihnen den Berg hinab durch eine Favela. Gut 100.000 Menschen leben hier, aus dem Hochland sind sie gekommen, suchen Arbeit. Die Kinder spielen auf den Straßen, sie haben kein Spielzeug. Ein alter Lederball oder eine Konservendose. Damit kicken sie. Die Mädchen spielen mit gestrickten Puppen. Und am Ende nach gut einer Stunde frage ich meine Leute: Was ist euch aufgefallen? – Es sind die leuchtenden, hoffungsvollen Augen.- Und er zieht ein Fazit: „Glück ist eine Sache des Herzens. Die Menschen in Peru haben Lebensmut. Das Potential ist groß“.

Wo geht die Reise hin?Die wirtschaftliche Entwicklung Perus ist gut. Mehr als sechs Prozent Wachstum in den letzten 15 Jahren. Aber was kommt unten an? Hier ist neben der Politik auch die Kirche gefragt. Wer ist bevorzugt? „Wir brauchen eine Wirtschaftsethik. Wirtschaftswachstum auf Kosten der Gesamtgesellschaft, das ist eine Verlängerung der Kolonialzeit“, da setzt der Soziologe Prioritäten; das ist sein Thema bei den Versammlungen der Politiker und der Kirche: „Politik auch in Deutschland läuft hinter dem Wachstum her, Europa und Amerika bringen die finanzpolitische Globalentwicklung nach Mittelamerika. Die Politik muss die Zukunft der 3. Welt gestalten: Die Zukunft für Lateinamerika heißt Bildung. Angemessen und für alle.“ Immer wieder legt er den Finger in die soziale Wunde. Er sagt was er denkt. Und was er denkt, das will er durchsetzen. In seiner Ansprache zum Bischofsjubiläum bezeichnet ihn sein Freund Prof. Ulrich Berges (Bonn) als den „deutschen Panzer.“

Für Norbert liegt der Wert des menschlichen Lebens im Miteinander. Das wird in Peru erfahrbar in den letzten

Dörfern auf 2000 Metern Höhe, in den kleinen Gemeinschaften, die funktionieren. Menschliches Miteinander.

Aber auch hier hat sich die Lage verändert. In den 60iger und 70iger Jahren setzte die Abwanderung vom Land in die großen Städte ein. Kirche und Staat hatten keine Zukunftsmodelle für die Menschen, die da in Scharen kamen. Wirtschaftliche und ökonomische Perspektiven wurden angedacht, nicht aber die kulturellen und religiösen Perspektiven der Menschen. Und so leben sie in den Favelas am Rande der Stadt- entwurzelt. „Auf sie zugehen, sie begleiten, ihnen Perspektiven geben, das ist die Aufgabe, der man sich widmen muss. Und das tun wir. Wir sind vor Ort.“ Begeistert erzählt Norbert von einem Projekt: Frauen aus dem Hochland, Analphabetinnen haben sich aufgemacht und Suppenküchen in den Armenvierteln aufgebaut und installiert. Sie beherrschen die ökonomischen Grundlagen, sie kaufen ein, organisieren, produzieren, verteilen. Diese Frauen haben keine Universität besucht, können aber mit ihren Kenntnissen und ihren Erfahrungen, die sie mitbringen, überleben und Gesellschaft verändern. Und da setzt die Hilfe zur Selbsthilfe an. Den Menschen ernst nehmen.

„Und es ist gut“, fügt er hinzu, „dass Papst Franziskus aus Lateinamerika kommt, er wird diese Länder in den Focus stellen, er wird Prioritäten setzen. Er wird ein Papst sein, der sich nicht so sehr Europa zuwenden wird.“

„Ohne Glauben wird es kälter in unserem Leben“, sagte Norbert in einem Interview mit Radio Vatikan zur Entwicklung der Kirche in Lateinamerika.

Jetzt wird in unserem Gespräch deutlich wo sein Herz schlägt. Er ist ganz und gar Peruaner. Immer wieder spricht er von „Ihr“ und „wir“ – Er ist ein Peruaner, der in Deutschland verwurzelt ist, der die Situation in beiden Kontinenten kennt, reflektiert, analysiert und bewertet. „Ihr jammert auf hohem Niveau“- wirtschaftlich und kirchlich. Vor zwanzig, dreißig Jahren sah er in Riesenbeck kaum noch Kinder und Jugendliche in den Kirchenbänken.

Die Entwicklung hat uns auch in Peru eingeholt. Wir leiden unter dem Abbruch der Glaubens- weitergabe, genauso wie in Europa. Staat und Gesellschaft waren 500 Jahre in Peru katholisch. Die Kirche hatte eine Monopolstelle. Jetzt greifen zum Beispiel Evangelikale in das gesellschaftliche Leben ein. Sie setzten ihre Akzente. Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung folgen ihnen. Die Bevölkerung wächst deutlich stärker als die Zahl der Katholiken.

Was haben wir falsch gemacht? „Wir haben so glaubt Norbert mehr auf Institutionen gesetzt als auf die Gestaltung des Lebens. Wir haben in Peru deutlich weniger Priester als in Deutschland. Die Pfarreien sind erheblich größer.“

( Deutschland ein Priester statistisch auf 5000 Gläubige, in Peru ein Priester auf 15.000 Gläubige)

So hat Norbert mit seinen Mitarbeitern aus den Erfahrungen in der Zeit an der Hochschule und im Seminar und nach Auswertung vieler Statistiken einen Pastoralplan mit einfachem und klarem Konzept für 10 Jahre entwickelt. Im Klerus prägt ein Fünftel peruanischer- einheimischer Priester das Bild der Kirche. Eingebettet in den Pastoralplan sind nicht nur Priester und Hauptamtliche, sondern auch freie Mitarbeiter. Die vier Punkte: „Liturgie“ , „Communio“ (Gemeinschaft), das „Evangelium“ und die „Diakonie“ . Ein Hauptaspekt „Glauben weitergeben“ . Und da ist sich Norbert sicher: das können die Laien bewerkstelligen, in ihrem Lebensumfeld, in ihrer Familie, ihrer Wohngegend, in ihren Gemeinden.“

„ich erlebe diese Gemeinschaften, wenn ich mit einem Pferd und einem guten Buch einen Monat lang durch das Hochland reite, um die Gemeinden zu besuchen. Da gehöre ich zu den Menschen, auch wenn sie erwarten dass ich als Bischof komme. Mein Messgewand ist gelblich, damit man den Staub der Anden nicht so sehr sieht.“ „Gemeinschaft“ heißt eines der Zauberworte, das ihn bewegt. „Wir hoffen mit Mitarbeitern aus den zehn Prozent der Aktiven die restlichen 90 zu erreichen. Wir müssen mit den Laien vor Ort, im Leben der Menschen ankommen. Hält die `Wegbewegung´ von der Religion an, dann wird es bald schon dunkel“, so Norbert in einem Interview mit Radio Vatikan. Das Verhältnis zwischen Laien und Klerikern ist in Peru nicht so angespannt wie in Deutschland und Europa. „Wir reden viel auf Augenhöhe.“

Der Pastoralplan legt bis in die Gemeinden hin fest, das Laien ausgebildet werden in Bibelkreisen über die frohe Botschaft zu sprechen, über die Bibel auf dem Niveau der Menschen und in der Sprache der Zuhörer zu erzählen. Denn der Glaube muss wachsen, besonders in der Familien der Ausgesiedelten in den Favelas. Die Laien veranstalten Begegnungstage in den Favelas mit bis zu 6000 Menschen. Da wird der Glaube deutlich, und wir lassen in der Diözese die Menschen auch nicht allein in der Krankheit. Versicherungen gibt es nicht und das Krankenhaus hat im Jahr etwa 300.000 Behandlungen zu verzeichnen. Das ist eine große Leistung. Eine Stiftung in Deutschland finanziert das Krankenhaus“, so Norbert, „und dafür bin ich allen In der Heimat dankbar.“

Der Blick von ihm in die Zukunft ist nicht pessimistisch: „Eine lebendige Kirche ist in Peru möglich, das beweisen 500 Jahre Kirchengeschichte in diesem Land. Wir brauchen keine physischen Kirchenbauten, sondern gelebten Glauben. Auf die Frage: Glaubst du, dass alle Bemühungen erfolgreich sein werden, sagt er: „Was die Zukunft bei uns und in Europa bringt, kann niemand genau sagen, die Entwicklungen werden immer rasanter. Das werden wir nicht allein schaffen“, aber so fügt er hinzu: „Ich gehe abends in die Kapelle- wie jeder Christ- und sage meinem Chef: Bis hierher bin ich gekommen- jetzt bist du dran.“

Hans-Jürgen Himstedt

Bilder: Himstedt und Adveniat