„Na, will er nicht?“

Der Start in die neue Arbeitswoche beginnt an diesem Montagmorgen wider Erwarten dann doch recht geruhsam. In der Küche umschmeichelt der herzhafte Duft von frischem Kaffee die Nase. Und die Tageszeitung steckt auch pünktlich im Briefkasten. Von beiden flankiert, schmeckt das Honigbrötchen doppelt gut. Die Woche fängt ja gut an.

Fröhlich pfeiffend und voller Vorfreude auf den Arbeitstag schnappt sich der Mann alsbald seine Tasche, wirft sich mit elegantem Schwung in seine Karosse, um sich auf die Räder zur Arbeit zu machen. Kupplung getreten, Gang rein und dann am Zündschlüssel gedreht. Nun hätte eigentlich das sonore Brummen des Fünfzylinders ertönen müssen. Wie sonst immer. Doch der Motor gibt keinen Mucks von sich. Kein Krächzen des Anlassers ist zu hören, keine Umdrehung der Kurbelwelle zu bemerken. Das Auto verweigert standhaft seinen Dienst.

 

 

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„Alltagsmenschen“ in Telgte

Telgte, Kleinstadt im Münsterland, Marienwallfahrtsort. Die Stadt hat das ganze Jahr über viele Gäste. Wenn im Frühsommer die große Wallfahrt aus dem Osnabrücker Raum stattfindet, kommen etwa achttausend Pilger für zwei Tage in den relativ kleinen Ort. Jetzt hat Telgte etwas, das zusätzlich eine Menge Besucher anzieht: Die Ausstellung „Alltagsmenschen“ (26. April bis 26. Juli 2015).

Die Künstlerin Christel Lechner aus Witten an der Ruhr zeigt in der Altstadt von Telgte zum zweiten Mal eine Auswahl ihrer „Alltagsmenschen“.

Die Standorte für die Skulpturen sind mit Bedacht,aber auch mit Witz ausgewählt: Auf dem Marktplatz präsentieren sich stolz die uniformierten Schützen mit ihren Frauen. In einem wunderschön begrünten Innenhof sitzt umgeben von Blumen eine Frau, Picknick. Auf der Verkehrsinsel einer Durchgangsstraße liegt eine Dame in Rot, „Ariadne“. Sogar auf einem Dach findet ein Mann  einen Platz.

Ein handlicher Flyer hilft dem Besucher, die Skulpturen  aufzufinden. Erstaunlich viele Menschen wollen die „Alltagsmenschen“ aus Beton sehen, machen sich mit dem Flyer in der Hand auf die Suche nach ihnen und haben offensichtlich Freude an den bunten, überlebensgroßen, schwergewichtigen Figuren.

 

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"Dönekes" aus dem St.-Josef-Stift in der Zeit um 1955

Zu der damaligen  Zeit wurden die Mädchen im St.-Josef-Stift dazu angehalten, Röcke zu tragen, doch das passte ihnen gar nicht. Sie trugen lieber lange Hosen. Sie kamen oft mit dem Fahrrad von weit her und Röcke waren ihnen häufig zu kalt auf dem Rad. Sie gingen dann immer heimlich in den Keller. Auf den Toiletten zogen sie sich um.

In der großen Pause gingen die Mädchen gerne in die Stadt. Sie sollten aber nicht in die Milchbar „Die Kuh“ von Hoffschulten „Fletscher“ gehen, weil sie da Jungens treffen konnten. Da die „Nönnekes“ oben am Fenster standen und lange Hälse machten, gingen die Mädchen erst nach links zu Cafe Möhlmann. Sobald sie außer Sichtweite waren, ging es dann ab zu Fletscher. Die Bio-Lehrerin Frau Schulte war eine ganz nette und beliebte Lehrerin. Sie war mit dem Redaktionsleiter der Ibbenbürener Volkszeitung, Ferdinand Schulte verheiratet. Er schrieb fast täglich unter dem Pseudonym „Fännand“ kritisch über das lokale Geschehen. Die Schülerinnen von Frau Schulte mussten bei ihr immer Blumen namentlich bestimmen. Rechts an der Freitreppe zur Schule im Hof war eine große schwarze Tafel mit 6 Blumenvasen in einer Halterung. Darunter standen die Namen von 18 Wiesenblumen. Die Kinder nahmen die sechs Vasen mit in die Klasse und mussten dann die Namen der Blumen nennen, wenn sie das bis in die Klasse behalten hatten. Schwester Ansgara gab Mathe, sie war streng und gefürchtet. Auf der anderen Seite war sie gerecht und jeder konnte zu ihr kommen, wenn er Hilfe gebrauchte.

Zu ihrem Geburtstag bekam sie von der Klasse einen Blumenstrauß und eine Flasche Rotwein, den sie so gern mochte. Von den Blumen konnte sie sich wohl trennen mit den Worten „ die stifte ich der Jungfrau Maria in der Kapelle“. Danach wandelte sie mit ihrer Flasche Rotwein und einem aufgeschlagenen Gebetbuch in der Hand zwischen Schweinestall und Garten.

 

Werner Suer

 

Wer sich an weitere Geschichten aus der guten alten Zeit erinnert, kann sich gerne  an Sabine Windmann,  Handy: 015167400876 oder per E-Mail: sabine.windmann@googlemail.com wenden.