doitscha

„Doitscha“, so nennt David manchmal seinen Vater. Die Anlässe variieren vom saloppen „He, du“ bis zum ausgrenzenden „Du doitscha“.

Doitscha = Deutscher.

Was sind David und sein Bruder Sammy? Nach jüdischem Recht Juden, denn die Mutter ist Jüdin. Der Vater ist Deutscher, also.sind die Kinder mindestens zu fünfzig Prrozent Deutsche. Eine schwierige Gemengelage!

„Eine jüdische Mutter packt aus“, so der Untertitel dieses Buches“. Und da ist was auszupacken. Diese Familie ist nicht einfach.

Die Mutter, Kind jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebten, aufgewachsen im Internat, verheiratet mit Georg, einem Westfalen.

Georg: „ Ich komme aus engen Verhältnissen – oder wie soll man das bezeichnen, wenn man in Greven im Münsterland Messdiener war. Adriana hat meinen Horizont erweitert. Es gibt eine Welt hinter dem Dortmund-Ems-Kanal.“

 

Adriana und ihr Mann sind beide freiberuflich künstlerisch tätig. Zwei Söhne, David, heftigst pubertierend, und Sammy, der nach Davids Meinung mit Charme allen auf der Nase herumtanzt.

Die Familie lebt in Berlin, in Deutschland.

Weiterlesen …



Matthias Brandt: Raumpatrouille / Geschichten

Blick eines Erwachsenen zurück in seine Kindheit.

Matthias Brandt, jüngster Sohn von Ruth und Willy Brandt, erzählt von der Zeit, als sein Vater Regierender Bürgermeister von Berlin und später Bundeskanzler in Bonn war. Es ist eine besondere Art des Zurückblickens, keine Chronologie, keine Schönfärberei, keine Vorwürfe.

Es sind Bruchsteine, die nicht unbedingt immer ein geschlossenes Bild ergeben. Sie lassen das eine oder andere erahnen. Deutlich wird die Sehnsucht des Kindes nach Nähe, nach festen, bergenden Strukturen, nach Gesprächen, um Ängste abzubauen, nach bedingungslosem Vertrauen, nach Gemeinschaft, nach Geborgenheit. Die Realität ist anders, da ist viel Alleinsein.

Weiterlesen …



Meinen Hass bekommt ihr nicht

Ein Satz des französischen Journalisten Antoine Leiris. Seine Frau Helene kam im November 2015 in Paris bei einem Attentat zu Tode. Meinen Hass bekommt „ihr“ nicht. Bekommen „sie“ etwas anderes?
Leiris postet über Facebook einen offenen Brief. An die Welt. Und an „sie“, die getötet haben.
„Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es nicht wissen. …. Wenn der Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat, dann muss jede Kugel, die den Körper meiner Frau getroffen hat, eine Wunde in sein Herz gerissen haben.

Weiterlesen …